Strick- und Textil-Workshop im Rahmen des Apolda European Design Award

Strickhimmel Apolda

Matthias Eckert
Fashion Show zum 20. Strick- und Textil-Workshop in Apolda
Fashion Show zum 20. Strick- und Textil-Workshop in Apolda

"Ich war im Strickhimmel", schwärmt Margarita Volkov von der Weißensee Kunsthochschule Berlin über eine Woche Strick-Workshop bei der Firma Strickchic. Sie ist nur eine von 15 TeilnehmerInnen des 20. Strick- und Textilworkshops im thüringischen Apolda, die im Rahmen des Apolda European Design Award ihre Kollektions-Entwürfe in ortsansässigen Unternehmen realisieren konnten. Aufgrund der Corona-Lage hatten sich die Veranstalter diesmal auf die beiden deutschen Hochschulen Weißensee und Trier konzentriert.

Dabei war es kein leichtes Thema, mit dem sich die Studierenden auseinanderzusetzen hatten. Angelehnt an eine aktuelle Ausstellung im Kunsthaus Apolda: "Ernst Barlach (1870-1938) – Käthe Kollwitz (1867-1945). Über die Grenzen der Existenz". Rund um Skulpturen und die teils düsteren Zeichnungen beider Künstler entstanden Strickteile, deren offene Kanten, neu interpretierte Löcher und Muster an Arbeiterkleidung Anfang des 20. Jahrhundert erinnern sollten.

Mit den Geschehnissen des Ukraine-Krieges gewann das Thema in seiner Umsetzung nochmals an Brisanz. „Nie wieder Krieg“ war auf einem Schal zu lesen und die in zahlreichen Kollwitz-Kunstwerken zu findenden, sorgenvoll an den Kopf gelegten Hände, fanden sich in einer skulpturhaft umgesetzten Strick-Robe.

"Diese Woche hatte etwas ganz Besonderes. Die Spannung und die Emotionen waren die gesamte Zeit zu spüren. Das vorgegebene Thema ist aufgrund der derzeitigen Situation aktueller denn je. Gefühle waren ein ständiger Begleiter und haben sich in die Kollektionen entladen", sagt Managing Director Matthias Ameis. Zum Abschluss die eigenen Kollektionen am Samstagabend bei einer Fashionshow auf dem Catwalk zu sehen, ist für die meisten der Jungdesigner ein emotionaler Höhepunkt.

Apolda Strick- und Textil-Workshop 2022: Work in progress

Eine Art Fortsetzung gab es für David Quast von der Weißensee Kunsthochschule Berlin. Er entwickelte seine beim vergangenen Workshop im Leder-Atelier entstandene Taschenkollektion weiter und bekam vom Inhaber Ingo Treu das Angebot, eine Woche bei ihm zu arbeiten, um seine Master-Kollektion zu komplettieren. Unterstützt wurden die Studierenden von Strickchic, LederAtelier Apolda, Kaseee Design & Art, Strickatelier Landgraf, SL Moden und Anke Hammer StrickArt sowie vom Modeteam Rüberg aus Erfurt.

Der Strick- und Textilworkshop mit Alleinstellungsmerkmal in Deutschland soll eine Brücke zwischen Kreativität und beruflicher Praxis schlagen, Einblicke in zeitliche und technische Abläufe geben. Experimente mit Materialien und Schnitten sind hier Programm. Wichtig sei dabei auch die Vernetzung von Wirtschaft und Hochschulen, betont Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee, der das Projekt unterstützt: "Die Einbindung von Studierenden und Absolventen in die Unternehmenspraxis vor Ort sorgt für einen Know-how-Transfer, von dem beide Seiten profitieren können."

Apolda Strick- und Textil-Workshop 2022: Die Fashion Show

Nach zwei Strick- und Textil-Workshops wird im kommenden Jahr am 24. Juni der Apolda European Design Award 2023 verliehen. Zur Jury zählen u.a. die ehemalige Marc Cain-Designerin Karin Veit, Gerry Weber-CEO Angelika Schindler-Obenhaus, Allude-Chefin Andrea Karg, Mode-Journalisten und andere Branchen-Experten. Die Ausschreibung geht an internationale Designschulen.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Hochschule Trier: Louisa Kern, Laura Schreiber, Nina Schmengler, Natascha Zimmer, Ida Hecht, Svenja Woltmann, Michelle Klein, Malina Ludwig
Weißensee Kunsthochschule Berlin: Kaja Busch, David Quast, Emily Fuhrmann, Laura Lührmann, Marvin Mülleck, Nastassia Volkus, Margarita Volkov

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Apolda
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