Studie untersucht Auswirkungen der Corona-Krise auf die Weltwirtschaft

Firmeninsolvenzen: Zweistelliger Anstieg für Deutschland erwartet

Die Firmeninsolvenzen dürften in diesem Jahr weltweit um 25% und in Deutschland um 11% steigen. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Kreditversicherers Coface, die einen Ausblick auf die Situation der Weltwirtschaft im Corona-Jahr 2020 gibt.

Damit würde dieZahl der Insolvenzen in Deutschland auf rund 21.000 steigen. Davor habe es in Deutschland jahreslang sinkende Insolvenzzahlen gegeben, so Coface.

„Mit der Corona-Krise wurden alle Prognosen vom Jahresbeginn schlagartig hinfällig“, teilt das Unternehmen mit Deutschland-Sitz in Mainz mit. Im Januar hatte der internationale Kreditversicherer noch eine moderate weltweite Zunahme um 2% erwartet. Jetzt hat sich diese Zahl mehr als verzehnfacht. „Das wäre der stärkste Anstieg seit 2009 (29%), selbst wenn die Wirtschaft im dritten Quartal wieder langsam anspringen würde, und ohne eine eventuelle zweite Corona-Welle in der zweiten Jahreshälfte“, so Coface.


Den größten Anstieg der Unternehmensinsolvenzen erwartet Coface in den USA mit plus 39%. Auch alle westeuropäischen Länder wären betroffen − zusammen mit plus 18%. Für Frankreich werden plus 15%, für Italien plus 18%, für Spanien plus 22% und für Großbritannien plus 33% prognostiziert. Coface-Volkwirtin Christiane von Berg konstatiert negative Entwicklungen auf der Produktions- wie auf der Nachfrageseite: „Das schwächt Umsätze, Cashflows und Margen der Unternehmen erheblich. Mit den zu erwartenden Folgen bei den Insolvenzen.“

Erste Rezession seit 2009

In den Emerging Markets (Schwellenmärkte) könnten sich die Folgen nach Auffassung von Coface noch stärker niederschlagen. Dort werde zusätzlich zum Einbruch des Handels der derzeit stetig sinkende Ölpreis zum Problem. Zudem könnten sich geopolitische Spannungen und Konflikte weiter oder wieder verschärfen.

„Insgesamt steht die globale Wirtschaft in diesem Jahr vor ihrer ersten Rezession seit 2009“, sagt Christiane von Berg. 2019 erlebten nach Angaben des Kreditversicherers weltweit elf Länder eine Rezession. Für dieses Jahr geht er von 68 Ländern aus.

Bezogen auf das Wirtschaftswachstum liege der Rückgang - bei einem günstigen Szenario − weltweit bei 1,3%, nachdem im Vorjahr noch ein Wachstum um 2,5% verbucht worden sei. In der Eurozone werde das Wachstum um 6,2% zurückgehen, in den USA um 2,9% und in Japan um 1,2%. „Die BIP-Wachstumsprognose für Deutschland lautet bei Coface nun minus 6,7%. Das ist ein stärkerer Konjunktureinbruch als 2009“, teilt das Unternehmen mit.


Steigerungen werde es allerdings noch in China und Indien geben, wenn auch verlangsamt. Grund: Die Emerging Markets hätten aufgrund ihres immensen Aufholpotenzials und ihrer schieren Menge an Arbeitskraft noch immer gute Wachstumschancen, selbst bei einem Lockdown. Coface sieht China im laufenden Jahr bei einem Plus um 4% und Indien bei plus 3,5%.
stats