Sympatex-CEO Rüdiger Fox

„Alles, was uns Managern beigebracht wurde, funktioniert in der Krise nicht“

Sympatex Technologies
Sympatex-CEO Dr. Rüdiger Fox
Sympatex-CEO Dr. Rüdiger Fox

Während sich viele Unternehmen derzeit vor allem mit den kurzfristigen Auswirkungen der Corona-Krise befassen, fordert Sympatex-CEO Rüdiger Fox ein langfristiges Umdenken der Branche. In einem offenen Brief stellt er bisherige Management-Gebahren infrage und geizt dabei nicht mit Selbstkritik.

„Müssen wir uns lediglich darauf konzentrieren, unsere Firma irgendwie durch diese schwierige Zeit zu bringen, um danach wieder weiterzumachen wie bisher?“ Diese beinahe philosophische Frage hat Rüdiger Fox in seiner Funktion als CEO des auf Funktionsmaterialien spezialisierten Anbieters Sympatex dazu veranlasst, einen offenen Brief zu verfassen, den das Unternehmen heute an seine Partner verschickt hat.


Neben der üblichen Beteuerungen, man tue alles, um die Gesundheit der Mitarbeiter zu gewährleisten und den Geschäftsbetrieb bestmöglich aufrecht zu erhalten, sieht er verantwortungsvolles Leadership-Management in einem größeren Kontext: „Die eigentliche Führungsaufgabe ist jetzt eine vollkommen andere, nämlich in der Krise den Raum für Sorgen, Zweifel, Hilfe, aber auch für Nachdenklichkeit aufzumachen und diesen mit Transparenz und Zuversicht zu halten – und gleichzeitig die Organisation auf die Zeit ‚nach Corona‘ vorzubereiten, die mit Sicherheit nach dieser Erfahrung eine andere sein wird“, heißt es in dem Brief.



Gerade mit Blick auf gesamtgesellschaftliche Fragen nimmt er sich und die gesamte Branche in die Verantwortung. „Wir sind es, die verantwortlich sind, die großen wirtschaftlichen, aber auch sozialen und ökologischen Systeme vor Überbelastung zu schützen. Als Beispiel nennt Fox das Outsourcing-Modell. „Während Outsourcing in immer neue Länder mit niedrigen Löhnen als unbestrittene Erfolgsstrategie in einer globalen Welt galt, erschüttern heute die notwendigen regionalen Maßnahmen zur Eindämmung der Infektion jedes dieser Netzwerke auf unvorhersehbare Art und Weise. Dabei hoffen wir, dass Lieferanten, denen wir gestern noch mit der Überheblichkeit des Stärkeren schwer realisierbare Preiszugeständnissen abgerungen haben, uns jetzt trotz aller lokalen Herausforderungen weiter versorgen.“

Die aktuelle Situation habe ihm vor Augen geführt, dass jahrelang erlernte und praktizierte Managementpraktiken auch ein bedeutender Teil der derzeitigen Krise seien. „Uns Managern wurde über Jahrzehnte beigebracht, dass wir nur managen können, was wir konkret messen. Dabei haben wir konstant danach gestrebt, alles unter Kontrolle zu halten und in jeder Situation haben wir aus unserer Erfahrungen der Vergangenheit nach der richtigen Strategie gesucht, um zu gewinnen. Doch jetzt müssen wir einsehen, dass dies in einer Krise nicht funktioniert“, heißt es weiter in dem Schreiben.

Das Ausmaß einer solchen Krise habe zwar niemand vorhersehen können, doch aus Fox‘ Sicht habe es auch zuvor schon Entwicklungen gegeben, die die Branche zum Umdenken hätten veranlassen sollen – etwa die „Dotcom“-Blase oder die Finanzkrise. „Es gibt aktuell eine ganze Reihe an menschengemachten Effekten, die in Summe längst die sozialen und ökologischen Systeme in die Nähe ihrer Belastungsgrenze bringt. Sie sind leichter zu ignorieren, weil sie sich langsamer als die Corona-Pandemie verbreiten. Aber sie existieren und werden in der Regel stark von unserem wirtschaftlichen Verhalten getrieben - es liegt in unserer Hand, sie zu verhindern“, lautet deshalb sein eindringlicher Appell.  

stats