Taschenmarke räumt Fehler in der Kommunikation ein

Greenwashing-Vorwurf gegen Got Bag


Got Bag
Seit 2016 sammelt Got Bag Meeresmüll in Indonesien, um ihn - teilweise - zu Rucksäcken zu verarbeiten.
Seit 2016 sammelt Got Bag Meeresmüll in Indonesien, um ihn - teilweise - zu Rucksäcken zu verarbeiten.

Greenwashing-Vorwürfe schaden einer Marke; wenn sie sich eigentlich als Eco-Label positioniert hat erst recht. Got Bag, ein Taschenhersteller aus Mainz, der mit Produkten aus Meeresmüll wirbt, muss sich solchen Vorwürfen nun stellen.

Hintergrund sind die Recherchen von Zeit online und der Newsletter-Agentur Flip, die die einstige Werbeaussage, einen Rucksack aus 100% recyceltem Meeresplastik anzubieten, unter die Lupe genommen und widerlegt haben. "Mir ist bewusst, dass wir in der Vergangenheit Fehler in unserer Kommunikation gemacht haben und damit der Eindruck entstehen konnte, dass unsere Produkte vollständig aus Meeresplastik bestehen würden. Dass wir Informationen über die Zusammensetzung unseres Gewebes nicht eindeutig von der unserer fertigen Produkte abgegrenzt haben, bedeutet jedoch nicht, dass wir gezielt irreführend oder missverständlich geworben haben",  sagt Got Bag-Gründer Benjamin Mandos auf TW-Anfrage. Die in dem Artikel erwähnten Beispiele ordneten dies zwar so ein, seien jedoch veraltet und Einzelfälle gewesen.

Den Vorwurf des Greenwashing weise er vehement zurück: "Deutlich vor der Flip-Recherche haben wir Herkunft, Zusammensetzung und Sammelquoten des gesammelten Plastiks auf unserer Website veröffentlicht und nun auch die detaillierte Zusammensetzung der Got Bags in unserem Online-Shop hinterlegt. Uns ist bewusst, dass wir noch stärker darauf achten müssen, dass diese Informationen auf allen Kanälen und gemeinsam mit allen Partner:innen konsistent kommuniziert werden. Diese Verantwortung lag und liegt bei uns – und wir möchten noch einmal ausdrücklich klarstellen, dass keiner unserer Handelspartner:innen oder Markenpartner:innen hier eine Schuld trägt."

Je nach Modell und Ausstattung hätten die Got Bag-Produkte einen Anteil von 59 bis 100% an Ocean Impact Plastic. Das Gewebe sei nach wie vor vollständig aus diesem recycelten Material. Eine öffentlich einsehbare Tabelle schlüsselt inzwischen auf, welche Produkte und Produktteile aus welchen Materialien bestehen.

Zum Greenwashing-Vorwurf gehört auch die Aussage, dass Kunden und Kundinnen mit dem Kauf von Got Bag-Rucksäcken einen echten Mehrwert für Ozeane schaffen würden. Zeit und Flip geben jedoch an, dass Experten diese Auswirkung nicht sähen. Denn zwei Drittel des Meeresmülls liege unerreichbr auf dem Boden der Gewässer, ein Absammeln für Reziklate bringe da wenig.



"Got Bag habe ich gestartet, weil ich nicht länger tatenlos zusehen möchte, wie maritime Flora und Fauna zerstört werden. Durch unsere Tätigkeit leisten wir einen Beitrag, dass die Menschen ein stärkeres Umweltbewusstsein entwickeln und sorgen dafür, dass weniger Plastik das Meer verschmutzt: Mit unserem Clean-up-Programm auf Java konnten wir bereits mehr als 400 Tonnen Plastik sammeln – die wir mit unserem Partner Cleanhub exakt dokumentieren und transparent mit einem Live-Ticker auf unserer Website darstellen. Diese Art der transparenten Kommunikation von Fakten müssen und werden wir ab sofort noch stärker in den Fokus rücken", so Mandos zur TW.



Ihm sei klar, dass er mit seinem Ansatz nicht die gigantischen Mengen an Plastikmüll beseitigen könne, die bereits im Ozean gelandet sind. "Jedoch sind wir der festen Überzeugung: Jeder Plastikbecher und jede Plastikflasche, die wir beseitigen oder daran hindern, ins Meer zu gelangen, ist eine Chance, maritimes Leben und Lebensräume zu bewahren", schreibt Mandos dazu in einem Statment auf der Homepage.

Die Autoren von Zeit und Flip fragten zudem nach der Validierung von Daten. So hatte Got Bag angegeben, mit jeder Tonne Meeresmüll 3,8 Barrel Öl, 1700 Liter Wasser und 139 Tonnen CO2-Emissionen sparen zukönnen. Die Daten waren zum Teil falsch bzw. nicht belegbar, so dass sie die Marke von der Homepage genommen hat. Außerdem wird moniert, dass ein beworbener Reparatur-Service noch gar nicht existiere. Mandos erklärt dazu, dass es zwar einen Ersatzteilservice gebe, aber noch keinen Näh- und Schweißservice, um kaputte Teile zu reparieren. Dieser solle in den nächsten Monaten implementiert werden, die Kommunikation dazu sei entsprechend angepasst worden.

Mandos resümiert: "Uns ist bewusst, dass es viele kritische Stimmen gibt, die unserem Vorhaben keine Chance einräumen. Diese akzeptieren wir. Aber, um die Worte von Zeit online aufzugreifen, fangen wir lieber mit einem Teelöffel an, die Badewanne auszulöffeln als weiter zuzuschauen, dass sie überläuft."



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