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Theresa Weingarten, Geschäftsführerin Modehaus Weingarten

"Die Kommunikation mit der Industrie ist schwerfällig"

Wenig Entgegenkommen seitens der Vermieter, ein schwächelndes Online-Geschäft und Rabattschlachten. Theresa Weingarten, Geschäftsführerin Weingarten, über Unsicherheiten und Strategien.

Das Postfach von Theresa Weingarten steht nicht still. Täglich rund 50 neue Mails alleine von ihren Lieferanten. "Die Kommunikation mit der Industrie ist aktuell schwerfällig, weil wir mit jedem Partner individuell verhandeln müssen", so die Geschäftsführerin des Modehaus WeingartenEine individuelle Lösung mit jedem Partner zu finden, sei nicht möglich. Auch, weil die Kölner Zentrale momentan minimal besetzt ist. Ein großer Teil der Angestellten befindet sich bereits in Kurzarbeit.


Umso wichtiger sei es laut Weingarten, die eigene Strategie klar zu verfolgen: "Wir haben am vergangenen Donnerstag unsere Warenannahme gestoppt. Seither ist auch unsere Logistik unbesetzt." Daher könne sie nicht genau benennen, wie viele Lieferanten tatsächlich die Lieferungen gestoppt hätten, schätzt aber 90%.

Weingarten führt einen eigenen Online-Store und pusht aktuell das Geschäft im Netz – etwa mit einem breiter aufgestellten Sortiment. Die Konsumlaune sei allerdings stark gedrosselt. "Die Verbraucher sind verunsichert, schließlich sind viele Branchen durch das Virus beeinträchtigt und immer mehr Menschen in Kurzarbeit", so die Geschäftsführerin. Zudem gäbe es abgesehen von Loungewear kaum Bedarfskäufe. Entsprechend verhalten entwickelt sich der E-Shop: "Wir liegen mit unserem Online-Geschäft nicht einmal auf Vorjahresniveau."

Neben dem Stammhaus in Köln führt Weingarten weitere Standorte in Berlin, Düsseldorf, Dortmund, Essen und Wiesbaden. Fünf der sechs Standorte sind gemietet. Theresa Weingarten hat sich bereits mit allen Vermietern in Verbindung gesetzt: "Noch warten sie drauf, ob es Mittel von der Regierung zur Kompensation von Mieten geben wird." Einige würden momentan die Mieten stunden, in puncto Mietminderungen sieht Weingarten bislang jedoch "nur begrenztes Entgegenkommen".

Auch bei Weingarten selbst herrscht bislang Unsicherheit bezüglich der staatlichen Hilfspakete. Unklar ist sie sich beispielsweise darüber, welche Auflagen mit den entsprechenden Mitteln verbunden sind und welche Unternehmen einen Anspruch auf Leistungen haben. "Sollten wir, und davon gehe ich aktuell aus, am 20. April wieder die Läden öffnen können, werden wir allerdings keine Kredite der Regierung benötigen", so Weingarten. Bis zu diesem Zeitpunkt ist die Liquidität gesichert. Entscheidend sei jedoch, wie lange die Ladenschließungen anhalten werden.

Dass große Online-Händler zum jetzigen Zeitpunkt Reduzierungen, kostenlose Lieferungen sowie verlängerte Rückgaben anbieten, kann Weingarten nicht nachvollziehen. Schließlich profitierten sie von der aktuellen Lage. Für die Zeit nach den Schließungen rechnet die Geschäftsführerin allerdings mit einer Rabattschlacht im stationären Handel. Schließlich würden viele Händler schnelle Einnahmen und Liquidität benötigen. "Ob die Ware dann reduziert über die Warentheke geht, ist egal. Hauptsache, sie geht über die Ladentheke", ist sie überzeugt. 

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