Closed-Macher Til Nadler im Interview

"Es geht ums Welcome-Gefühl"

Closed

Cosy, Comfy, Closed: Til Nadler, Vertriebschef des Contemporary-Labels mit 50 eigenen Läden, davon 39 in Deutschland, über den Restart und wie man jetzt inspiriert.

TextilWirtschaft: Herr Nadler, die Läden haben jetzt knapp eine bis zwei Wochen auf. Welche Erfahrungen haben Sie bislang gemacht? Wie haben Sie den Restart organisiert?
Til Nadler: Wir haben uns schon früh auf den möglichen Restart am 20. April vorbereitet und auf dieses Datum hingearbeitet. Entsprechend haben wir uns schon früh mit Masken, Plexiglas-Elementen an den Kassen, Stickern und Kampagnern auseinandergesetzt. Da sind wir auf den Flächen gut versorgt. Entscheidend war aber auch, dass wir die ganze Zeit über mit unserer Community kommuniziert haben. Da hat unser Marketing einen super Job gemacht. Wir haben Themen wie Töpfern, Yoga und Homeschooling digital gespielt. Und Dinge wie Gin-Tastings und Barbecues, die als Event geplant waren, bringen wir jetzt eben digital. Dieser permanente Kontakt mit unseren Kunden hat uns auch beim Restart Rückenwind gegeben.


Und wie haben Sie Ihre Mitarbeiter auf den Restart eingestimmt?
Auch intern mit den Mitarbeitern reden wir viel, vor allem über Zoom-Meetings. Wir sind als Company in dieser Krise noch enger zusammengerückt und haben schätzen gelernt, wie wichtig es ist, an einem Strang zu ziehen. Alle sind mit großem Engagement dabei. Wertschätzung ist dabei ein ganz wichtiges Stichwort. So sind wir auch an den Restart gegangen. Wir haben die Mitarbeiter geschult und gebrieft. Wichtig ist uns, immer höflich und freundlich im Umgang mit den Kunden zu sein – selbst wenn die Situation außergewöhnlich und im einzelnen mal schwierig ist.

Wie läuft das konkret organisatorisch ab?
Im Moment sind die festangestellten Mitarbeiter im Einsatz. Sie arbeiten jeweils in Teams, die sich in Schichten abwechseln. Die Öffnungszeiten laufen erst mal bis 18 Uhr. Aber das wollen wir eher ausweiten. Wir müssen doch jetzt für die Leute da sein, wenn sie rausgehen.

#closedisopenagain: So kommuniziert das Label zum Restart

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Good news! From tomorrow on, most of our shops in Germany, Austria and the Netherlands are open again. We are looking forward to seeing you again soon - we missed you!⁠ Of course, your health is our priority. We have introduced additional measures to ensure hygiene and personal space for all of our customers and employees. There are multiple thorough cleaning procedures every day, disinfectant is available in sufficient quantities. We can't wait to see you!⁠ ⁠ The following Closed shops are open from Monday (20 April 2020) on (regular opening hours unless otherwise stated): ⁠ Aachen Women, Dortmund, Düsseldorf, Frankfurt Women, Hamburg City (Bergstraße & Poststraße), Hamburg Eppendorf Men (please note: the Closed Women shop in Hamburg Eppendorf is being renovated - anticipated re-opening: 4 May 2020), Karlsruhe Women, Konstanz Women, Köln, Münster, Norderney (Mo-Sa, 11.00-13.00), Oldenburg, Osnabrück Women, Posthausen, Rövershagen Outlet, Sankt Peter-Ording, Scharbeutz, Stuttgart, Sylt (Keitum & Westerland), Timmendorf, Ulm Women, Wiesbaden Women. Amsterdam Women, Den Haag Women.⁠ ⁠ Already open again:⁠ Groningen Women, Kitzbühel Women, Vienna. ⁠ ⁠ Re-opening soon:⁠ Mannheim (22 April 2020), München (27 April 2020), Nürnberg Women (27 April 2020), Regensburg (27 April 2020), Zürich (11 May 2020). ⁠ ⁠ #closedisopenagain #closedofficial ⁠

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Aber geht es bei den eingeschränkten Öffnungszeiten nicht auch darum, die Kosten bei der aktuell niedrigeren Frequenz einigermaßen im Griff zu behalten?
So denken wir überhaupt nicht. Ich kann in der aktuellen Situation im Retail doch nicht die Kosten runterschrauben, in dem ich am Personal, den Öffnungszeiten oder bei der Hitze an der Klimaanlage knapse. Die Kostenfrage muss ich über mittelfristige Maßnahmen in den Griff bekommen. Jetzt geht es doch Vollgas nach vorne, um mit motivierten Mitarbeitern die Kunden abzuholen.

Wie gelingt Ihnen das in den Stores?
Wir haben überlegt, wie wir die Leute abholen, inspirieren können. Ob wir denen, die draußen warten müssen, Getränke anbieten. Alles in allem, wie geben wir den Kunden ein Welcome-Gefühl – darum geht es doch. Das gilt nicht nur fürs Personal, sondern auch für das Sortiment und die Präsentation. Wir haben das Merchandising, die Fenster perfekt abgestimmt und genau überlegt, welche Ware wir zeigen, was wir rausnehmen, wie wir was hängen. Ich halte nichts davon, zu alte Ware zu zeigen. Die nehmen wir eher in die Zweitverwertung in die Outlets. Jetzt geht es doch darum, genau die Ware zu zeigen, die die Kunden aktuell suchen. Wir müssen gerade jetzt Begehrlichkeit schaffen, Zuversicht und gute Laune verbreiten.

Was suchen die Kunden denn jetzt?
Alles Hochsommerliche. Weißen Denim, ecrufarbenen Denim. Shorts. Unser Highsummer-Flash mit Drucken. Tops, auch mal Orange als Farbe. Eben alles, was jetzt Lust auf Sommer macht.

Was sind die Erkenntisse der ersten Tage?
Die Frequenz ist auf jeden Fall deutlich niedriger. Aber die Bons nicht unbedingt. Es ist in den einzelnen Städten unterschiedlich. Düsseldorf, Köln, Frankfurt und Hamburg sind schon sehr gut. Aber da lässt sich kein Muster erkennen. Alles in allem geben die ersten Wochen Anlass zur Hoffnung. Wir sind auf jeden Fall positiv.

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