Kings of Indigo-Gründer Tony Tonnaer über die Lehren der Coronakrise

"Die Forderung nach sauberer Mode war noch nie so relevant wie heute"

KOI
Tonny Tonnaer von Kings of Indigo: "Soziale Kontakte sind wichtiger denn je. Gerade weil wir sehen, wie es ist, sie nicht immer bekommen zu können."
Tonny Tonnaer von Kings of Indigo: "Soziale Kontakte sind wichtiger denn je. Gerade weil wir sehen, wie es ist, sie nicht immer bekommen zu können."

Die TW hat prominente Player der Branche gefragt, welche Learnings sie aus der Krise ziehen und wie ihre Vision für 2021 aussieht. Kings of Indigo-Gründer Tony Tonnaer erklärt, was die aktuelle Situation für die Branche, aber auch ihn ganz persönlich bedeutet.

TextilWirtschaft: Gibt es etwas, was wir aus dem Lockdown lernen können? 
Tony Tonnaer: Dass wir aus der Ferne arbeiten können, dass wir weniger reisen und trotzdem als Gesellschaft funktionieren können. Persönlich lehrt es uns, gegen den Strom zu schwimmen – denn das ist es, was Koikarpfen, unser Totem-Tier, tun. Kings of Indigo (Koi) ist stolz darauf, vom ersten Tag an eine nachhaltige Marke zu sein. Dazu zählt der Betrieb in nachhaltiger Weise innerhalb des Ökosystems, zu dem wir gehören. Das umfasst Einzelhändler und Lieferanten. Es geht darum, Vereinbarungen einzuhalten und für beide Seiten vorteilhafte Wege zu finden, um die gegenwärtige Welle der Verwirrung und Selbsterhaltung zu umgehen.

Ängstigt Sie diese Krise?
Diese Situation ist dramatisch für jede Marke, aber sie ist auch eine Möglichkeit, uns neu zu definieren. Wir arbeiten mit einem großartigen Team. Und jeder, der uns in den Sozialen Medien folgt, kann die Veränderungen in Echtzeit verfolgen. Diese Krise elektrisiert unsere Kommunikation – und damit die Marke – und das ist spannend.

Was kann man aus dieser Zeit mitnehmen?
Die Krise hat mich auch daran erinnert, wie wertvoll es ist, mehr Zeit mit meiner Familie zu verbringen und mein Zuhause zu genießen. Soziale Kontakte sind wichtiger denn je. Gerade weil wir sehen, wie es ist, sie nicht immer bekommen zu können. Ich habe Freude daran gefunden, zu den Grundlagen zurückzugehen und zu erkennen, dass man wirklich weniger kaufen, Sachen wiederverwenden, in der Küche experimentieren kann – mit Leidenschaft leben eben. Dazu gehört, bewusstere Entscheidungen darüber zu treffen, wie man mit seiner Zeit, seinem Geld und den Menschen, die einem nahestehen, umgeht.

Wie könnte der Neustart aussehen?
Es wird wirklich langsam anfangen, wobei die Verbraucher Platz und sicheren Service in den Geschäften erhalten. Service und Sicherheit ist alles. Wir werden die 1,5-Meter-Wirtschaft erfinden. Ich hoffe wirklich, dass es nicht mit massiven Räumungsverkäufen losgeht. Die Verkaufssaison sollte bis August verschoben werden, damit die Einzelhändler in der Lage sind, ihre Sommerware zu verkaufen. Das ist sowieso die richtige Zeit.
„Es könnte auch – und ich hoffe wirklich, dass dies der Fall ist – eine Neubewertung von Arbeitsbedingungen geben und eine stärkere Forderung nach Transparenz von Marken. “
Kings of Indigo-Gründer Tony Tonnaer

Rechnen Sie mit einem veränderten Einkaufsverhalten?
Ich gehe davon aus, dass die Verbraucher in Zukunft weniger kaufen und mehr über ihre Käufe nachdenken werden. Wir überdenken unser Konsumverhalten. Und die Forderung nach sauberer Mode war noch nie so relevant wie heute. Trendbeobachter sagen uns, dass die Verbraucher sich noch stärker an den Produkten und Marken orientieren werden, die mit Respekt gegenüber Mensch und Natur produzieren. Das ist logisch, aber auch richtig.

Wird sich die Branche im nächsten Jahr neu erfunden haben?
Ab Herbst/Winter 2020 wird die Produktion später beginnen, sodass die Waren später an die Einzelhändler geliefert werden und der gesamte Kalender sich positiv verschiebt. Über diese Veränderung sprechen wir schon so lange, wie ich in der Branche arbeite. Jetzt geschieht es aus Gründen, die wir nicht vorhersehen konnten und die niemand von uns gerne erlebt hätte. Aber es geschieht. Wir werden Herbst/Winter liefern, wenn der Herbst tatsächlich beginnt, und Frühling/Sommer, wenn der Frühling tatsächlich startet.

Wie werden die Kollektionen aussehen?
Ich denke, viele Marken werden kleinere Kollektionen und mehr Carry-overs von Frühjahr/Sommer 2020 oder Herbst/Winter 2020/21 bieten. Möglicherweise wird die Branche also weniger modebewusst sein und sich mehr auf die Qualität konzentrieren. Auf Klassiker, die auf nachhaltige Weise hergestellt wurden. Wenn das geschieht, dann hat diese unglaublich traurige und schwierige Zeit wenigstens einen positiven Aspekt. Unter Druck ändern sich die Dinge. Also lassen Sie uns hoffen, dass wir jetzt wirklich anfangen, weniger unnötigen Mist zu produzieren und mehr Qualitätsprodukte herzustellen. Es könnte auch – und ich hoffe wirklich, dass dies der Fall ist – eine Neubewertung von Arbeitsbedingungen geben und eine stärkere Forderung nach Transparenz von Marken.
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