TW 100: Danique Lodewijks, Bestseller

Win, win, win

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Danique Lodewijks: „Wir sichern uns mit dem Projekt langfristig den Zugang zu guter Bio-Baumwolle in hoher Qualität."
Danique Lodewijks: „Wir sichern uns mit dem Projekt langfristig den Zugang zu guter Bio-Baumwolle in hoher Qualität."

Der Kampf um Bio-Baumwolle auf den Weltmärkten ist ein Hauen und Stechen. Die Preise steigen, die Qualität lässt oft zu wünschen übrig, und immer wieder taucht gefälschte Ware auf. Danique Lodewijks verantwortet bei Bestseller das Projekt Direct-to-farm, mit dem der Konzern (u.a. Jack & Jones, Vero Moda, Only) langfristig den eigenen Bedarf sichern will.

Irgendwann hatten sie bei Bestseller die Nase voll. Weil sich immer mehr Unternehmen um die immer noch geringen Mengen an Bio-Baumwolle streiten. Weil deshalb die Preise für das Rohmaterial steigen, die Qualität aber oft zu wünschen übrig lässt. Und weil immer wieder Fälle von Korruption publik werden, in denen Baumwolle am Markt angeboten wird, die die Vor-Silbe Bio eigentlich nicht tragen dürfte.

„Wir wollten deshalb selbst einsteigen und direkt mit den Baumwollbauern zusammenarbeiten, um unseren Bedarf zu sichern“, sagt Senior Project Specialist Danique Lodewijks. Und der Bedarf der Dänen ist riesig. „Baumwolle steht für mehr als 50% unseres Bedarfs“, sagt die 38-Jährige, die bei der Bestseller-Gruppe (u.a. Jack&Jones, Vero Moda, Only) verantwortlich ist für das Projekt namens Direct-to-farm. Sie ist seit 2014 für den Konzern tätig, zunächst als Einkäuferin für das Label Selected. Nach einer Pause ist sie vor zwei Jahren ins Unternehmen zurückgekehrt und seitdem Teil des Nachhaltigkeits-Teams. Ihren Job macht sie von Amsterdam aus, wo die Gruppe vor ein paar Jahren ein ehemaliges Kaufhaus in einen ihrer zentralen Büro-Standorte umgewandelt hat.

Durch das Projekt Direct-to-farm steht Bestseller auf einmal in Kontakt mit insgesamt 7000 indischen Bauern in verschiedenen Regionen.
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Durch das Projekt Direct-to-farm steht Bestseller auf einmal in Kontakt mit insgesamt 7000 indischen Bauern in verschiedenen Regionen.

Bestseller hat sich in Sachen Bio-Baumwolle ehrgeizige Ziele gesetzt: Bis 2025 soll der Anteil bei 30% liegen, aktuell sind es laut Lodewijks 20%. Bio heißt für sie: keine Pestizide, keine künstlichen Düngemittel, kein genmanipuliertes Saatgut.

Mit dem Projekt ist Bestseller sozusagen bei Null gestartet. „Wir kaufen bei unseren Lieferanten normalerweise fertige Stoffe und Bekleidung. Beziehungen mit Spinnereien oder Bauern gab es vorher nicht“, sagt Lodewijks. Das ist jetzt anders. Auf einmal stehen die Dänen in Kontakt mit insgesamt 7000 indischen Bauern in verschiedenen Regionen. Das Projekt ist langfristig angelegt. Bio-Baumwolle wächst nicht von heute auf morgen. Schon vor zwei Jahren erfolgte der Startschuss, zwei Ernteperioden haben sie jetzt hinter sich. Zunächst müssen die Bauern dazu bewegt werden, ihren Betrieb umzustellen. „Es dauert drei Jahre, bis ein Bauer den Bio-Status erreicht hat“, sagt sie.



Auch schon in dieser Phase verpflichtet sich Bestseller zu Anfang des Jahres, wenn die Bauern säen müssen, ihnen ihre Ernte Ende des Jahres abzunehmen. Bestseller zahlt dafür einen Bonus 10% auf den Marktpreis – auch bereits während der Übergangsphase.

„Wir sichern uns mit dem Projekt langfristig den Zugang zu guter Bio-Baumwolle in hoher Qualität“, sagt Ludewijk. Auf dem freien Markt sei das leider oft nicht der Fall, im Gegenteil. Das Ziel für 2021 lautet 6000 Tonnen Bio-Baumwolle. „Das reicht für 19 Millionen T-Shirts.“ Und es sollen jedes Jahr mehr werden.

Für Ludewijk profitieren alle von dem Projekt. Win-win-win sozusagen: „Wir, weil wir jetzt direkten Zugang zu guter Baumwolle haben. Die Bauern, weil sie mit uns einen zuverlässigen Abnehmer haben.“ Und natürlich die Natur: „Vorher waren die Böden der Bauern oft ausgeschröpft durch zu viel Dünger und Chemikalien, von denen sie immer mehr benötigten. Jetzt sehen sie, dass die Böden wieder gesund werden, und dass sie dort neben Baumwolle auch Linsen oder Soja mit dem Bio-Siegel anbauen und zu höheren Preisen verkaufen können.“ Nachhaltig eben.

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