TW 100: Die Vintage-Favoriten der Design-Verantwortlichen

Heiß geliebt

Sara Linke
Absolutes Lieblingsstück, von der großen Schwester übernommen: Sara Linke und ihr Strickpulli.
Absolutes Lieblingsstück, von der großen Schwester übernommen: Sara Linke und ihr Strickpulli.

Was ist Ihr Vintage-Favorit und welche Geschichte steckt dahinter? Das wollten wir von Design-Verantwortlichen wissen. Das Ergebnis: Eine sehr persönliche Bildstrecke, in der auch ein Schweinchen eine Rolle spielt.

Michael Kampe, Creative Director von Armedangels: Die Jeans

Armedangels
„Mein liebstes Vintage-Teil, das mit mir schon in vielen Ländern war, in dem ich viele spannende Menschen kennengelernt habe und das mein Beinbegleiter seit 2015 ist, heißt ‚GRADE- G13 Slim Tapered‘. Damals hatte ich mir eine kleine Denim-Linie namens GRADE aufgebaut. Mit maßgeschneiderter Produktion und ganz gemäß meines Credos ‚Transparency is the new Luxury‘ voller Informationen über Herstellung, Materialien und Pricing. Diese Jeans ist eines der Teile aus dieser Zeit. Hergestellt aus 12,5 oz schwerem Comfort Stretch Kuroki Greencast Selvedge Denim habe ich sie unbehandelt, also raw, eingetragen und auf meinen Reisen für Unternehmen und Universitäten getragen. Von Taipeh und Tokio über San Francisco und St. Petersburg war sie immer an mir und so war auch die Entscheidung, welche Jeans ich zur Geburt unseres Sohnes im letzten Jahr anziehen würde, direkt beschlossen.“

Claudia Hoess, Chefdesignerin von Trippen: Der Filzteppich

Trippen

„2003 habe ich mit Michael und Angela, den Gründern von Trippen, eine Reise in die Mongolei gemacht, wo wir unter anderem ein Projekt in einer Land-Community mit einer kleinen Manufaktur von Filzschuhen starten wollten. Bei Trippen gab es lange Zeit Studierende aus der Mongolei, die während ihres Studiums in Berlin bei uns gearbeitet haben. Durch sie kamen wir darauf. Aus dem Projekt wurde nichts, weil wir feststellen mussten, dass die Leute in dieser Community nicht produzieren wollten. Zumindest nicht für Dritte oder mehr als für den Eigenbedarf. Eigentlich toll, und mit dem nomadischen Hintergrund oder zumindest dessen prägender Vergangenheit auch logisch: Wieso mehr machen als man braucht, dafür aber alles Material immer komplett verarbeiten und so schätzen. Selbstverständlich ist die Zeit in der Mongolei nicht stehengeblieben und Ulan Bator ist kein Nomadendorf, sondern eine sich schnell entwickelnde Großstadt. Und sicher gibt es auch ein großes Interesse an Business, sonst hätte nicht eine unserer ehemaligen Studentinnen Jahre später dort einen Trippen-Store eröffnet. Der gebrauchte Filz-Teppich, den ich von dieser Reise mitgebracht habe, erinnert mich immer wieder mal an diese Geschichte und sagt: ‚Das brauchst du alles nicht! Weniger ist mehr! Schätze und pflege deine Sachen!‘"

Marius Borgards, Head of Product Menswear bei Maerz Muenchen: Das Portemonnaie

Maerz Muenchen

„Bei meiner ersten Storecheck-Reise in New York war ich im Jeanshop. Damals einer der coolsten Denimläden dort. Das Know-how und das Handwerk haben mich sehr beeindruckt und inspiriert, sodass ich mir ein Andenken kaufte: Ein Portemonnaie aus hellem Rindsleder, in dem ich meine Initialen und das Datum verewigen ließ. Mittlerweile begleitet es mich seit knapp zehn Jahren. Irgendwann ein neues Portemonnaie? Niemals! Die Patina erzählt zu viele Geschichten.“

Tobias Haprecht, Head of Design bei Windsor: Der Lounge Chair

Windsor

„Dieser Lounge Chair hat eine lange Reise hinter sich, bevor er in unserem Wohnzimmer landete. Gebaut wurde der Stuhl von dem Großvater meiner Frau und zwar in Tansania, als er dort in den 60er Jahren eine Berufsschule für Tischlerei aufbaute. 1967 kehrte er zurück nach Deutschland und brachte einige selbstgeschreinerte Möbelstücke mit, unter anderem auch diesen wunderschönen Lounge Chair im typischen 60er Jahre-Design. Mittlerweile ist er in unseren Besitz übergegangen – ein Familienerbstück, das wir ganz besonders in Ehren halten und auf dem wir schon unzählige gemütliche Stunden verbracht haben. Der Stuhl verkörpert für mich Handwerk, Qualität, Langlebigkeit und kompromissloses Design! Alles, was ein Vintage-Teil haben muss. Doch was viel mehr wert ist: die vielen schönen Erinnerungen, die wir damit verbinden.“

Guido Maria Kretschmer, Designer: Die Baumwolljacke

Guido Maria Kretschmer

„Mein liebstes Vintage-Teil ist eine kleine, hauchdünne Baumwolljacke, die ich für 15 DM gekauft habe, als ich 15 Jahre alt war. Erstaunlicherweise hat sie sehr lange gepasst, jetzt wäre es, glaube ich, schwierig. Die Jacke war ursprünglich Hellblau mit kleinen Knöpfen vorne. Irgendwann wurde sie grau, dann habe ich sie schwarz gefärbt, wieder entfärbt – sie hat wirklich viel erlebt. Aber ich habe sie immer behalten und hatte sie in den schönsten Zeiten meines Lebens immer dabei. Ich hatte sie auf Ibiza immer an und während des Studiums. Sie hat mir, wie ich da so durch die Welt gelaufen bin, ein Gefühl von Sommer und Freiheit gegeben. Nun hatte ich sie bestimmt schon 25 Jahre nicht mehr an, aber sie hat immer noch einen Sonderplatz im Schrank, ist immer bei jedem Umzug mitgekommen und ist mein liebstes Teil. Ich finde sie immer noch wunderschön! Diese Jacke könnte man mir nicht wegnehmen. Sollte ich sie einmal verlieren, wäre ich sehr traurig. Aber sie lebt ja behütet zu Hause im Schrank und geht nicht mit auf Reisen – da kann eigentlich nichts passieren.“

Christine Beheim, Taschen-Designerin bei Beheim: Der Zeichenkasten

Beheim
„Mein Lieblings-Vintage-Teil ist ein Zeichenkasten von Faber-Castell. Ich habe ihn als Teenager von meinem Opa, dem Firmengründer von Beheim, geschenkt bekommen. Dieser Kasten ist seitdem mein ständiger Begleiter, ist mit mir mehrmals umgezogen und wird immer wieder verwendet. Mittlerweile malt sogar mein vierjähriger Sohn damit.“

Sara Linke, Designerin und Inhaberin Sara Linke GmbH: Der Strick-Pulli

Sara Linke

„Der Strickpullover ist ein echtes Textilwunder, er ist fast so alt wie ich – 27/28 Jahre, schätzt meine Mutter. Der Pullover zeigt kein Pilling, die Bündchen sind nicht ausgeleiert, die Farben nicht ausgewaschen. Würde man ihn gründlich aufbereiten, wäre er wie neu. Der Pulli gehörte meiner ältesten Schwester und als er nach ihrer Teenager-Zeit ausrangiert wurde, ist er in unserem Haus gelandet. In dem Pullover war ich als Kind mit meinen Eltern im Wald, Pilze suchen. Bis heute ist er ein treuer Begleiter und in seinem schwarz/weißen Muster immer aktuell und schön.“

Frauke Schelkes, CPO bei Brax: Die Wolldecke

Brax

„Meine Lieblings-Vintage-Decke liebe ich ganz besonders, weil:
  • sie eine sehr gute Freundin aus alten Wollresten handgestrickt hat,
  • sie sehr weich und gemütlich ist,
  • die vielen fröhlichen Farben gute Laune machen,
  • sie vielseitig einsetzbar ist – im Winter auf dem Sofa, im Sommer abends im Garten oder auch mal als Poncho,
  • aber am allermeisten liebe ich diese Decke, weil sie selbst gestrickt ist!"

Dorothee Schumacher, Gründerin von Dorothee Schumacher: Das Hausschwein

Schumacher

„Über mein liebstes Vintage Item nachzudenken, hat mich vor allem an viele Wegbegleiter, Erlebnisse und Begegnungen denken lassen. Für mich sind es oft die kleinen Momente, die den Anfang der größten Geschichten markieren und erst in der Retrospektive versteht man ihre Bedeutung. Als uns vor 15 Jahren also unser kleiner Glücksbringer geschenkt wurde, war uns noch gar nicht bewusst, wie wörtlich er uns auf eine ganz eigene Art jeden Tag daran erinnern würde, das Glas als halb voll zu betrachten. Mr. Pig ist für mich mein liebster daily Reminder dafür, das Leben und sich selbst manchmal nicht zu ernst zu nehmen und jede Challenge mit einem Augenzwinkern zu betrachten. Ich bin zutiefst davon überzeugt: Wenn man fest genug an das Glück glaubt, dann tritt es auch ein. Keep loving, keep dreaming!“

Claudia Wigge, Head of Design Women bei Mey: Der Blazer

Mey

„Tatsächlich finden sich viele Teile in meinem Kleiderschrank, die schon viele Jahre auf dem Buckel haben, aber mein absoluter Lieblingsblazer, den ich immer wieder gerne heraushole und auch immer noch gerne trage, ist dieses Modell von Gucci. Es hat eine spezielle Geschichte: Dieses Muster wurde bei Zero, dem DOB-Label, für das ich mehrere Jahre gearbeitet habe, mal gekauft, um für den Produktbereich Collection einige Neuentwicklungen im Business-Bereich zu erstellen. Dieses Modell diente als Vorlage im Design, als ich das Design der Business-Anzüge verantwortet habe. Da ich mich durch meine Ausbildung zur Damenschneiderin im Couture-Bereich gut mit handwerklichen Verarbeitungen auskenne, habe ich mich sofort in das Material und die Verarbeitung von diesem Original verliebt. Das Teil müsste aus dem Jahr 2001 sein. Zu dem Zeitpunkt war Tom Ford der verantwortliche Chefdesigner bei Gucci und enorm erfolgreich – ähnlich wie Alessandro Michele heute – nur dass Tom Ford der Gucci-Kollektion mehr Klassik verlieh und den Fokus auf besondere Schnittführungen legte. Und mein Mey-Pressebild in Schwarz/Weiß ist auch in diesem Blazer geshootet.“

Maria Seifert, Designerin und Inhaberin einer Textilfabrik in Eibenstock: Die Lammfelljacke

Maria Seifert

„Mein Lieblings-Vintage-Teil ist die Lammfelljacke meiner Mutter. Sie hat sie 1979 im Exquisit in der Reichstraße in Leipzig gekauft. Im Exquisit wurde teure Mode aus Westdeutschland angeboten. Meine Mama leistete sich diese Jacke von ihrer ‚Jahresendprämie‘ in Höhe von 1900 Mark. Sie überließ sie mir nach jahrelangem Bitten schließlich 2015. Kommenden Frühling bringe ich die Jacke zu einem der letzten Lederprofis aus Leipzig und lasse sie reparieren. Meine Tochter fragt mich nämlich fast täglich, wann sie die Jacke endlich tragen darf.“

Marco Tomasi, Head of Design bei Strellson: Der Woll-Trench

Strellson

„Mein Lieblings-Vintage-Teil ist ein zweireihiger Woll-Trench von Strellson aus der Herbst/Winter Saison 2002 aus echtem Tiroler Loden. Er war von einem alten Schweizer Militär-Mantel inspiriert – ein Style, der mir immer am Herzen lag und der durch seine Schnittführung und sein Material unverwüstlich ist. Dabei hat er nichts an Attraktivität eingebüßt – das Gegenteil ist meiner Meinung nach der Fall. Spannend ist auch, dass genau dieser Mantel Pate stand für die Archive Capsule Collection, die wir im Herbst/Winter 2022 präsentieren werden.“

Katharina Jakob, Creative Director bei Codello: Das Seidentuch

Codello

„Eines meiner ersten Seidencarrés, das ich für Codello gezeichnet habe und von dem ich mich noch nicht trennen konnte. Dieses war damals schon besonders und anders. Vielleicht ist es gerade deshalb so zeitlos, und ich kombiniere es noch immer gern zu vielen Outfits.“
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