TW 100: Frank Schell, Living Crafts

Feinstrumpfhosen aus Rizinusöl

Living Crafts
Frank Schell hat auch schon für Esprit, Schiesser und Marc O'Polo gearbeitet.
Frank Schell hat auch schon für Esprit, Schiesser und Marc O'Polo gearbeitet.

Seit 2009 führt Frank Schell den Mode- und Naturtextilienhersteller Living Crafts und setzt auf stetige Weiterentwicklung. Jüngster Zuwachs: eine Feinstrumpfhose ohne fossile Rohstoffe.

TextilWirtschaft: Feinstrumpfhosen aus Pflanzenöl. Wie kamen Sie da drauf?
Frank Schell: Unser Sortiment ist sehr breit, aber vor allem Socken sind als klassische Mitnahmeartikel für uns wichtig. Die 234 Rippsocke aus 100% Bauwolle war eins der ersten Living Crafts-Produkte vor 36 Jahren, und es gibt sie bis heute. Eine Feinstrumpfhose hat uns im Sortiment gefehlt, das Sourcing gestaltete sich aber schwierig. Bis zu dem Tag, als ich einen Termin mit der Firma Esda hatte und sie mir ihre neueste Innovation gezeigt haben: Feinstrumpfhosen aus einem EVO-Garn eines italienischen Spinners. Das Garn besteht aus Rizinus-Öl, gewonnen aus den Bohnen der Pflanze. Die werden gepresst und aus dem Öl Bio-Polymere hergestellt, die dann in biologisch abbaubarer Spinnmasse zu hochwertigen, resistenten Bio-Filament Garnen versponnen werden. Das ist keine Naturfaser im engeren Sinn, aber es ist eine Feinstrumpfhose für die keine fossilen Rohstoffe verbraucht werden. Aus Baumwolle lassen sich Feinstrumpfhosen leider nicht wirklich herstellen.


Wie kommt das Produkt an?

Wir sind vor etwa einem Jahr mit einer kleinen Auflage gestartet. Auch auf Anregung der Kundinnen haben wir 2021 das Angebot, was Farben und DEN-Stärken angeht, ausgebaut. Wir wollen jetzt kein Feinstrumpfhosenspezialist werden. Das Beispiel hat mir nur gezeigt, wie wichtig es ist, rechts und links zu schauen und immer offen zu bleiben. Das Garn haben wir nicht neu entwickelt, und es wird auch schon in vielen Bereichen eingesetzt, aber eben nicht in unserer Eco-Nische. Ich verstehe mich da schon als Goldsucher für unseren Bereich.

Sie sind nach Schiesser, Esprit, Puma und Marc O‘Polo seit 2009 bei Living Crafts. Wie hat sich die Nische verändert?

Vor allem die Wahrnehmung von Nachhaltigkeit hat sich verändert. Das merke ich an der Reaktion, wenn ich sage, was ich mache. In den ersten Jahren, nachdem ich die konventionelle Branche verlassen hatte, hieß es: 'Oh spannend, aber hast Du was geraucht?' Jetzt heißt es: 'Oh super, erzähl doch mal.' Dieses Gefühl, etwas dazu beizutragen, damit die Modeherstellung nachhaltig ist, ist erfüllend. Wer verstanden hat, warum es wichtig ist, so zu produzieren und wie schädlich die konventionelle Herstellung ist, kann nicht mehr zurück.

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