TW 100: Mathias Eckert, Fynch-Hatton

Eco Warrior

Fynch-Hatton
Fynch-Hatton CEO Mathias Eckert: "Spätestens 2025 wollen wir eine 'FH-Foundation' gründen, die in eigener Verantwortung soziale und ökologische Projekte unterstützt."
Fynch-Hatton CEO Mathias Eckert: "Spätestens 2025 wollen wir eine 'FH-Foundation' gründen, die in eigener Verantwortung soziale und ökologische Projekte unterstützt."

Der Baum im Logo von Fynch-Hatton steht seit der Gründung im Jahr 1998 für Nachhaltigkeit. Eine weitsichtige Entscheidung des Inhabers Roger Brandts, die sich fortsetzt.

"Wir wollen bis 2023 in allen Produkten nachhaltig sein. Das betrifft sowohl die Beschaffung als auch die sozialen Standards der Fabrikanten und unseres Unternehmens – von der Photovoltaik-Anlage bis zum Hybrid-Auto. Die Verantwortung sehen wir über das reine Produkt hinaus. Und sie muss verständlich sein", sagt Fynch-Hatton CEO Mathias Eckert der TW im Juli. Bis zum genannten Termin sollen alle produzierten Artikel aus nachhaltigen Rohstoffen bestehen oder diese enthalten. Bis 2025 will Fynch-Hatton klimaneutral sein – inklusive Transparenz der Lieferketten.


TextilWirtschaft: Auf welchem Stand sind Sie aktuell?
Mathias Eckert: Bei Fynch-Hatton steht nachhaltiges Handeln klar im Fokus. Wir haben ein großes Programm, an dem wir permanent und intensiv arbeiten. Und setzen uns von Jahr zu Jahr konkrete Ziele. Aktuell haben wir unsere erste Ziellinie sogar schon überschritten, denn Stand heute werden wir schon 2022 erreichen, dass wir in 100% unserer Produkte nachhaltig sind. In der Sommerkollektion für 2022 weisen fast 63,5% der Kollektion nachhaltige Attribute auf. Unsere Nachhaltigkeitsbestrebungen betreffen die Lieferkette genauso wie die Arbeitsbedingungen und sozialen Standards am Standort in Mönchengladbach. Unsere Warenumsatzquote ist hoch, dabei haben wir eine niedrige Reklamationsquote. Im Online-Business mit Breuninger, P&C, About You oder Zalando beispielsweise liegt unsere Retourenquote unter 20%. Auch das ist ein Riesen-Beitrag zur Nachhaltigkeit. Da bekommt ein CO2-Fußabdruck gleich eine ganz andere Relevanz.

Wie sehen diese konkreten Zielsetzungen aus, von denen Sie sprechen?
Das sind ganz klare Vorgaben, die wir mit unseren Abteilungen erarbeiten. Wie erwähnt werden wir den ersten Punkt, die Sicherung einer transparenten Lieferkette und die Umstellung von konventionellen Fasern auf nachhaltige Alternativen in 2023, schon im kommenden Jahr realisiert haben – wenn die Qualitäten ausreichend verfügbar sind. Der Wettkampf um Organic Cotton ist derzeit groß, denn die Menge, die derzeit abgerufen wird, kann womöglich nicht gedeckt werden.

Sie haben seit einem Jahr mit Laura Steinhauer eine Qualitäts- und Nachhaltigkeitsmanagerin im Unternehmen. Wie hat sich das ausgewirkt?
Laura Steinhauer lebt das Thema Nachhaltigkeit und bezeichnet sich selbst als eine Art Eco Warrior. Zu ihrem Job gehört es unbequeme Fragen zu stellen, immer wieder neu auf Missstände hinzuweisen, um diese zu verbessern. In jeder Abteilung des Unternehmens. Es ist auch einer ihrer Erfolge, dass das Unternehmen innerhalb eines Jahres eine eigene Nachhaltigkeitsstrategie hat, die über alle Abteilungen hinweg Nachhaltigkeitsstandards und konkrete Ziele und Maßnahmen definiert. Es geht uns nicht nur um das Zertifizieren von Produkten und eine transparente Lieferkette, sondern um ein in jedem Handeln verantwortungsvoll nachhaltiges Unternehmen durch alle Abteilungen hindurch. Auf unserer Agenda stehen soziale Verantwortung, ökologisches Engagement und ökonomische Verpflichtung. Die Maßnahmen reichen vom E-Auto, der Photovoltaik-Anlage und Stromtankstelle für Kunden bis hin zur Glühbirne, dem Kräutergarten für die Mitarbeiter und der Mülltrennung. Unsere E-Com-Versandtaschen und Kartons sind plastikfrei und aus zertifizierten und/oder recycelten Materialien und wir arbeiten nahezu papierlos.

Und die Kollektionen?
Was die Produkte betrifft, fragen wir uns immer wieder, wie können wir sie unseren Anforderungen gerecht anpassen: Garne, Lieferanten, Verarbeitung, alles was dazu gehört. Modische und qualitative Aspekte zusammenzubringen, das ist eines der Kernprojekte bei Fynch-Hatton. Neben der Nachhaltigkeit müssen wir aber auch immer die ökonomische Komponente bedenken, um weiterhin die Chance zu haben, zu investieren. Wir wollen langzeitigen Mehrwert schaffen und transportieren. Retouren werden wiederaufbereitet, nichts wird geschreddert. Nachhaltigkeit ist in unsere Abläufe integriert und schon eine Selbstverständlichkeit.

Welches Feedback bekommen Sie aus dem Handel?
Es besteht ein großer Bedarf an nachhaltigen Produkten, auch emotional. Die Konsumentinnen und Konsumenten wollen Nachhaltiges kaufen, erwarten nachhaltige Produktionen. Was dann aber über die Ladentheken geht, steht auf einem anderen Blatt. Das bestätigen die Kundebefragungen unserer Handelspartner.

Wie kommunizieren Sie die Nachhaltigkeit Ihrer Produkte?
Mit Qualität und Lieferkette beschäftigt sich Fynch-Hatton schon sehr lange, schon vor 20 Jahren wurde damit begonnen, langjährige Partnerschaften aufzubauen. Davon profitieren wir für die Transparenz unserer Lieferketten, die wir überwachen und reinen Gewissens kommunizieren können. Wir setzen auf entsprechendes Labelling, nach dem auch immer mehr Händler fragen.

Wie leben Sie selbst Nachhaltigkeit, Herr Eckert?
Meine Söhne – 22 und 25 Jahre – geben mir immer wieder Input und als Familie achten wir schon lange darauf, gewinnen Strom per Photovoltaik, kaufen ohne Verpackung ein, essen weniger Fleisch, kaufen in regionalen Hofläden, trinken Wein aus unserer Gegend in Kitzingen. Man muss im Kleinen beginnen. Es geht nicht darum, die globale Brechstange auszupacken. Wir müssen im Kleinen beginnen, kritisch sein, mit uns selbst, aber auch kompatibel Lösungen finden.

Was sind die nächsten Projekte bei Fynch-Hatton?
Wir wollen in der Eifel einen Wald pflanzen und denken über Bienenstöcke am Standort nach. 2022 werden 100% unserer Lieferanten auf sozialer Ebene zertifiziert sein und weisen mindestens eine weitere Zertifizierung auf ökologischer Ebene auf. Beispielswiese Oeko-Tex- oder GOTS.ISO-Zertifizierung. Für 2023 haben wir uns zum Ziel gesetzt, dass alle unsere produzierten Artikel aus nachhaltigen Stoffen bestehen oder diese enthalten und aus zertifizierten Produktionsstätten stammen. 2023/2024 werden wir unsere Lieferkette bis mindestens zur Spinnerei bzw. zur Produktion des Garns zurückverfolgen können, unterstützt durch ein digitales System zum Lieferantenmonitoring und eigene Audits über externe Zertifizierer hinaus. Spätestens 2025 wollen wir eine "FH-Foundation" gründen, die in eigener Verantwortung soziale und ökologische Projekte unterstützt. Außerdem werden wir dann am Standort Mönchengladbach klimaneutral sein.

Den Nachhaltigkeitsstandards gerecht werden, ob bei den Rohwaren, in der Produktion, in der Finanzierung. Für Fashion Brands und Retailer ist das zur selbstverständlichen Ambition geworden. Deshalb stellt die TextilWirtschaft zum Jahresende 100 konkrete Eco-Projekte und die Menschen dahinter vor.
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