TW 100: Sarah Grohé, Erlich Textil

Transparente Wäsche

Erlich Textil
Sarah Grohé und Benjamin Sadler haben 2016 ihre nachhaltig produzierte Wäschekollektion für Männer und Frauen lanciert. Sie sollte ehrlich sein, der Markenname schreibt sich jedoch altdeutsch ohne h.
Sarah Grohé und Benjamin Sadler haben 2016 ihre nachhaltig produzierte Wäschekollektion für Männer und Frauen lanciert. Sie sollte ehrlich sein, der Markenname schreibt sich jedoch altdeutsch ohne h.

"Unser Konzept war von Anfang an auf Nachhaltigkeit ausgelegt", sagt Sarah Grohé, die vor rund fünf Jahren zusammen mit Benjamin Sadler das Wäsche-Label Erlich Textil gegründet hat. Deshalb muss sie kurz nachdenken, welches das jüngste Sustainability-Projekt war.

Inzwischen gibt es unter Erlich auch Kosmetik, Home-Artikel, Activewear und Nachtwäsche. Dafür musste das Kölner Unternehmen die Produktionsstrukturen erweitern. Denn die bisherigen Betriebe seien auf Strick fokussiert, nicht auf Webstoffe. Für die Wäsche ist Erlich Textil Auftraggeber bei den Bodywear-Spezialisten Susa und Con-ta (Gebrüder Conzelmann) in Heubach und Albstadt. Diese haben etliche Prozessschritte noch in Deutschland angesiedelt, genäht wird in Betrieben in Rumänien. Die Heimtextilien, Socken und Basic-Shirts kommen aus Portugal.

Die neue Web-Nachtwäsche ist Made in Germany. Die Firmengründer haben sich für Maria Seifert entschieden, die Ende 2019 eine kleine Textilfabrik im sächsischen Eibenstock übernommen hat. "Stoffe und Garne beschaffen wir für die Produktion selbst, was für uns ungewohnt ist. Aber wir finden ihr Konzept sehr unterstützenswert", sagt Grohé.

Im Januar kommt die zweite Kollektion in den eigenen Online-Shop und in eine Handvoll ausgewählter Boutiquen. Klassischen Wholesale wollen sie nicht betreiben, dafür sei keine Marge eingeplant. Obwohl durch die Stoffe und die Produktion im Inland die Kollektion am oberen Preisrand des Labels liegen – teuerster Artikel ist ein Oversized-Schlafshirt für 99 Euro –, kämen die Teile gut an.



Mit Blick auf ihre Zulieferer haben Grohé und Sadler auch beschlossen, noch mehr für Kontrolle und Transparenz zu tun. Zusammen mit dem Düsseldorfer Start-up Retraced sind alle Lieferanten, zunächst die der Stufen Tier 1 und 2, in ein Monitoring-Tool eingebunden. "So können wir alles lückenlos nachverfolgen und werden auch daran erinnert, wenn Zertifikate zu erneuern sind."

Auch der CO2-Fußabdruck könne berechnet werden. Dafür arbeitet Retraced wiederum mit ConClimate zusammen. "Vorher haben wir das hier alles mit Excel-Sheets berechnet. Jetzt läuft es als Beta-Testphase über das neue Tool", berichtet Grohé. Sechs Nähereien und rund 15 Zulieferer werden so überwacht. Eigentlich macht sich Grohé auch gern selbst ein Bild vor Ort, aber coronabedingt mussten einige Besichtigungen verschoben werden. Die Lieferkette soll in Zukunft auch online transparent gemacht werden.
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