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CBR: Street One und Cecil wachsen 2019 in allen Kanälen profitabel

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CBR-Chef Jim Nowak: "Unser Retail ist hochprofitabel"
CBR-Chef Jim Nowak: "Unser Retail ist hochprofitabel"

Der Finanzinvestor Alteri kann sich nach nur zwei Jahren schon über Gewinne der CBR Group freuen. Die Gruppe habe mit beiden Labels Street One und Cecil 2019 like-for-like ein hohes einstelliges Umsatzplus im Vergleich zum Vorjahr erzielt, sagt CBR-Chef Jim Nowak Gespräch mit der TextilWirtschaft.

„Auch den Ertrag konnten wir signifikant zum Vorjahr steigern“, so der CEO. „Das Erfreuliche ist, dass beide Marken und alle Kanäle – also der Wholesale inklusive unserer Partnereinzelhandelsumsätze, der Retail, unsere Outlets und der E-Commerce – ein deutliches Wachstum verzeichnen konnten.“ Genaue Zahlen für 2019 kann Nowak erst nach der Bilanzveröffentlichung nennen. Im Jahr 2018 erlöste CBR 565 Mio. Euro.

Alteri hatte die Gruppe Anfang 2018 vom Finanzinvestor EQT übernommen, der den Modekonzern eigentlich 2015 an die Börsen bringen wollte. Doch das IPO, mit dem EQT bis zu 292 Mio. Euro einnehmen wollte, wurde zum Ende der Zeichnungsfrist abgesagt. EQT hatte CBR 2007 von den Private Equity-Fonds Apax und Cinven übernommen. Diese hielten CBR knapp drei Jahre. Gezahlt haben soll EQT damals mehr als 1,2 Mrd. Euro. Alteri, die auf Restrukturierung und Problemfälle im Einzelhandel fokussiert sind und hinter denen der Finanzinvestor Apollo steht, dürfte 2018 deutlich weniger für CBR gezahlt haben.

Eigener Retail erreicht bestes Ergebnis der Unternehmensgeschichte

Bisher geht die Strategie von Alteri auf, die Nowak 2019 zum CEO gemacht haben. Während der eigene Retail zum Beispiel bei vielen Mainstream-Marken das Sorgenkind ist, hat die CBR Group hier 2019 nach eigenen Angaben das beste Ergebnis ihrer Unternehmensgeschichte erreicht. „Unser Retail ist hochprofitabel“, sagt Nowak, der für die beiden Labels Street One und Cecil zuständig. 2018 war die Gruppe mit ihren 80 eigenen Läden leicht im Plus, davor verdiente das Unternehmen in diesem Geschäftsbereich kein Geld. Auch mit der Gesamtentwicklung ist Nowak mittlerweile sehr zufrieden.

Damit hebt sich das Unternehmen aus Isernhagen positiv von seinen Konkurrenten ab. Esprit, mit einem Umsatz im Geschäftsjahr 2018/19 (per 30.6.) von umgerechnet 1,49 Mrd. Euro mehr als doppelt so groß, schrumpft Jahr für Jahr und schreibt seit fünf Jahren tiefrote Zahlen. CEO Anders Kristiansen, der den Konzern mit Sitz in Hongkong und Ratingen seit Mitte 2018 umbaut, hat zwar unprofitable Läden geschlossen, die Kollektionen gestrafft und den Verlust zuletzt im ersten Halbjahr 2019/20 (31.12.) stark eingedämmt. Er hat es aber noch nicht geschafft, den Schrumpfkurs des börsennotierten Konzerns zu stoppen. In allen Ländern, auch im mit einem Anteil von 35% größten Heimatmarkt Deutschland, bröckelten die Umsätze.



Bei S.Oliver gingen die Erlöse 2018 – neuere Zahlen sind noch nicht bekannt – um 2,5% auf rund 1,3 Mrd. Euro zurück. Der Gewinn brach um die Hälfte auf 45 Mio. Euro ein. Unternehmensnahen Kreisen zufolge wurden die selbstgesteckten Umsatzziele auch 2019 stark verfehlt. Das vierte Quartal soll besonders schwach verlaufen sein. Nachholbedarf hat die Gruppe offenbar bei Takt und Tempo. Das zeige sich sowohl bei der Entwicklung von Saisonthemen als auch bei der Frage, wie diese Themen schnell und pointiert zum Point of Sale gelangen. Gehandelt werden muss darüber hinaus bei der Zuspitzung von NOS-Programmen. Der neue S.Oliver-CEO Claus-Dietrich Lahrs, erst seit November im Amt, nannte der TextilWirtschaft kurz vor seinem Antritt als einen Knackpunkt die Flächenkompetenz – im Wholesale wie im Retail.

"LUG über fünf"

Nowak von CBR betreibt im eigenen Retail zwar deutlich weniger Stores als S.Oliver (rund 350) und Esprit (389, davon 114 in Deutschland). Aber auch er hat das Problem, dass einige Standorte nicht gut laufen. Zum Beispiel der Laden im Shopping-Center Skyline Plaza in Frankfurt. CBR verdiene aber trotz einiger schlecht performender Läden Geld. Für Nowak ist der Retail ein wichtiger Indikator: Wenn es in den eigenen Stores nicht laufe, könne die Ware auch im Wholesale nicht funktionieren, ist er überzeugt. Die LUG liege immer über fünf. Viele Händler loben CBR derzeit in den höchsten Tönen. Partner Franz Michael Huber, der 19 Franchise-Läden von Cecil, Comma, Esprit, Mango, S.Oliver S.Oliver Black Label und Street One in Süddeutschland betreibt, sagte der TW im Dezember: „Größter Gewinner 2019 war Street One mit stabilen Kollektionen und stabilen Umsätzen.“



Ein wichtiger Grund für die positive Entwicklung ist laut CEO Nowak die hohe Verlässlichkeit der Kollektion – bei Street One wie bei dem kleineren Label Cecil. Das war nicht immer so: Nach den Boom-Jahren unter den CBR-Gründern Detlev Meyer und Friedhelm Behn wurden die Strukturen immer komplexer, es hatte Liefer- und Qualitätsprobleme gegeben. Nowak versichert: „Wir fangen nicht an, verrückt zu werden. Wir machen einfach jeden Monat frische, moderne Ware.“ Was sich langweilig anhöre, sei harte Arbeit: Qualität und Passform seien das A und O.

Um beides konstant zu gewährleisten, setzt Nowak anders als in der Vergangenheit stark auf die Vororder. „Früher hatten wir in unseren Kollektionen einen deutlich höheren Repeat- und Flash-Anteil, den wir mittlerweile aber reduziert haben“, erklärt der Chef – und agiert damit anders als viele Wettbewerber, die schnelle Kollektionsteile forcieren, um zeitnah auf modische Trends reagieren zu können. „Wir bleiben bei unserer Geschwindigkeit“, beteuert er. „Gute Qualitäten kann ich nur durch eine hohe Vororder bekommen.“

Interview: Was Alteri mit CBR vorhat
Nach der Übernahme 2018: TW-Gespräch mit Jim Nowak und Alteri-CIO Magnus Mattson
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Ein weiterer Grund für den Erfolg: „Wir sind 2019 viel später und weniger aggressiv in den Sale gestartet und damit sogar stärker gewachsen.“ Einen Pre-Sale habe es erstmals gar nicht gegeben. Außerdem setzt Nowak auf verlässliche Partnerschaften. Er arbeite mit rund 60 Lieferanten zusammen, die größten davon beliefern sowohl Street One als auch Cecil. „Das war früher mal getrennt, was natürlich Quatsch ist.“ Grund: Wenn CBR größere Aufträge an Lieferanten vergibt, sei das für die Partner lukrativer und sie legten sich mehr ins Zeug, gute Qualitäten zu beschaffen.

Februar läuft trotz Corona gut

Auch die CBR Group mit ihren 80 eigenen Läden hat vor allem samstags die Kaufzurückhaltung der Kundinnen zu spüren bekommen. „Der Samstag war richtig schlecht, und das lag eindeutig am Traffic“, sagt Nowak. Insgesamt hätten Street und Cecil den Februar in den eigenen Stores aber mit einem hohen einstelligen Plus abgeschlossen – obwohl die Vorlage 2019 extrem hoch gewesen sei. Wegen des Coronavirus sorgen Nowak aber etwaige Verschiebungen der Sourcing-Länder, auch wenn CBR nur rund 10% der Ware in Asien beschafft. Bisher hatte er Glück. „Der Anteil der Artikel, die für die Auslieferungstermine März, April und Mai aus Asien kommen, ist sehr gering.“ Bisher sei die Gefahr überschaubar, dass Artikel storniert werden.

Für die Herbst-/Winter-Kollektionen kämen wegen des höheren Anteils an Strick und Jacken aber mehr Artikel aus Asien. „Wir müssen jetzt für die Musterung der Herbst-/Winter-Kollektionen andere Länder quotieren“, so Nowak. Denn er könne nur die nötige Qualität erreichen, wenn auch die Produktentwicklung in dem neuen Land stattfindet. Die ersten Orders für Herbst/Winter würden in zwei bis drei Monaten platziert.
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