TW-Gesichter: Tobias Bayer

Mitten in Mailand

Tobias Bayer ist seit 2016 als Korrespondent für die TW in Mailand tätig.
Tobias Bayer ist seit 2016 als Korrespondent für die TW in Mailand tätig.

Ohne ihre Leser wäre die TW nicht, was sie ist. Ohne ihre Mitarbeiter aber auch nicht. Wir stellen Ihnen in den kommenden Wochen und Monaten einige Gesichter der TW vor. Von Redaktion bis Sales, von Marketing bis Events. Heute: Tobias Bayer, Korrespondent der TW in Mailand.

Mailand, Piazzale Cadorna 15. Das Büro unseres Korrespondenten Tobias Bayer liegt mitten in Zentrum der italienischen Modemetropole. Kurzer Store-Check bei La Rinascente am Dom? Spontanes Interview im Showroom von Aspesi, Brunello Cucinelli, Ermenegildo Zegna oder Kiton? Kein Problem, er ist in wenigen Minuten an fast allen relevanten Plätzen der Stadt. Seit 2016 berichtet Bayer exklusiv für die TextilWirtschaft über den italienischen Markt. Aber nicht nur das. Von Mailand aus hat er darüber hinaus die globalen Luxusmärkte mit internationalen Schwergewichten wie LVMH und Kering im Blick.

Das Internationale passt zu ihm und steht auch für seinen eigenen Werdegang. „Obwohl ich die ersten 20 Jahren den Fuß nicht vor die Tür gesetzt habe“, wie er bekennt. Diese Tür befand sich in Stuttgart. Dort ist Bayer geboren und aufgewachsen. Sein Vater „schaffte beim Daimler“, wie sich das in Stuttgart eben gehört.

Mit 20 hat er dann aber doch den Schritt vor die Tür gewagt, ging für ein BWL-Studium nach St. Gallen. Das Studienfach sei keine Herzensangelegenheit gewesen. „Eher eine Vernunftentscheidung.“ Wohl auch deshalb ist er als einer der ganz wenigen Kommilitonen nach der Uni nicht zu einer der großen Unternehmensberatungen oder Banken gegangen.



Schon während des Studiums hatte er seine Leidenschaft für den Journalismus entdeckt, unter anderem während eines Auslandssemesters in Seoul bei The Korea Herald ein erstes Praktikum gemacht.

Nach dem Studium ging es für Bayer zunächst zur Financial Times Deutschland, danach zur Tageszeitung Die Welt. New York, Hamburg, Frankfurt, Zürich und schließlich Mailand – von all diesen Plätzen hat er berichtet. Von den Turbulenzen an den internationalen Ölmärkten über Geheimkonten im Vatikan bis zur Versöhnung von Al Bano und Romina Power.

Seit 2016 ist der 42-Jährige nun also bei der TW und berichtet über die Modebranche. Ganz neues Terrain war das für ihn nicht: „Wenn man als Korrespondent in Mailand arbeitet, hat man automatisch auch immer Berührung mit Mode- und Lifestyle-Themen.“

Von Anfang an habe ihn die Bedeutung der TW beeindruckt: „Die TW hat in Italien einen Ruf wie Donnerhall, das hatte ich nicht erwartet. Den Unternehmen ist klar: Wer in den deutschsprachigen Märkten etwas erreichen will, kommt an der TW nicht vorbei.“

Mit viel Verve stürzt Bayer sich auf die Geschehnisse der Branche, verfügt über exzellente Kontakte und ist ein ausgesprochener Vielschreiber. Wenn man morgens in der Zentrale in Frankfurt den Rechner hochfährt, ist es nicht selten, dass schon drei Nachrichten aus Italien im System stehen.

Die Spezialisierung auf eine Branche gefällt ihm: „Im Modeland Italien über Mode zu schreiben ist absolut spannend. Ich glaube sehr an die Spezialisierung. Es ist befriedigend, sich ein Netzwerk aufzubauen und tief in Themen einzusteigen.“ Fachmedien berichteten sachlicher und ausgewogener. „Publikumsmedien müssen oft zu sehr polarisieren, um für Aufmerksamkeit zu sorgen.“



Welche Themen machen ihm besonderen Spaß? „Ich mag Portraits und Reportagen. Italien ist immer noch ein Produktionsstandort mit vielen kleinen Unternehmen und faszinierenden Inhabern, die spannende Geschichten zu erzählen haben.“ Immer wieder könne man dort wahre Schätze entdecken. Zum Beispiel in Vigevano, südwestlich von Mailand, wo ein kleiner Betrieb namens Cesare Martinoli Caimar unter anderem die Schuhe von Manolo Blahnik herstellt. Lauter spannende Anekdoten wüssten Unternehmen wie Caimar zu berichten. „Etwa, dass Alexander McQueen, damals noch Student, persönlich jeden Tag mit dem Regionalzug aus Mailand nach Vigevano anreiste und die italienischen Schuhkünstler mit seinen ausgefallenen Entwürfen ins Schwitzen brachte.“

Überhaupt, Italien habe so viele interessante Persönlichkeiten zu bieten. „Ein Interview mit Renzo Rosso zum Beispiel ist immer ein Erlebnis“, sagt Bayer, vor dem sich der Diesel-Macher in seinem Büro sogar schon mal frei machte, um ihm sein neuestes Tattoo zu zeigen. Auch Stone Island-Macher Carlo Rivetti sei ein guter Erzähler.

Und wen würde er gerne als nächstes treffen? Francesca Bellettini, Chefin von Yves Saint Laurent, findet er faszinierend. Die Macher der New Guards Group mit Marken wie Off-White und Palm Angels würde er auch gerne mal wieder interviewen. Oder mit Philipp Plein darüber reden, wie er durch die Krise gekommen ist.

Sein Traum? „Eine Woche lang dem Moncler-Chef Remo Ruffini auf Schritt und Tritt zu folgen und in seine Welt, seine Kreativität, seine visionären Gedanken einzutauchen.“ Wir freuen uns schon darauf.
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