TW-Interview mit einem chinesischen Produzenten in Shanghai

"Die meisten Leute werden länger Masken tragen"

imago images / Kyodo News
Menschen mit Schutzmasken in einem Einkaufszentrum in Peking Ende März
Menschen mit Schutzmasken in einem Einkaufszentrum in Peking Ende März

Bon Ge ist General Manager des chinesischen Casualwear-Labels Hazzys mit Firmensitz in Shanghai. Das zur Saint Angelo Group gehörende Unternehmen betreibt ein großes Filialnetz in China, Taiwan, Thailand und Japan. Mit der TextilWirtschaft spricht er über die ersten Schritt zurück zur Normalität nach dem Shutdown.


TextilWirtschaft: Inwieweit hat sich das Leben in China inzwischen wieder normalisiert?
Bon Ge:
Ich denke, bis Mitte, spätestens Ende April wird in China wieder Normalität einkehren. Das bedeutet, dass es dann keine besonderen Regulierungen wegen des Virus mehr geben wird. Wir werden jedoch weiterhin die Außengrenzen, vor allem an den internationalen Flughäfen, kontrollieren, um Infektionen von außen zu verhindern. Und die meisten Leute werden länger Masken tragen. Sie sind immer noch sehr vorsichtig.

TW: Wie ist die Stimmung generell unter ihren Landsleuten?
Die Chinesen sind sehr diszipliniert. Ich denke, wir werden in Zukunft noch mehr auf den Schutz von Gesundheit und Hygiene achten. Atemschutzmasken werden zur Normalität im täglichen Leben. Die Menschen werden mehr Respekt vor Ärzten und Krankenschwestern zeigen.

Inwieweit wird die Corona-Krise das Konsumverhalten verändern?
Es ist noch zu früh, zu sagen, dass der Virus unser Leben und Arbeiten definitiv verändern wird. Immerhin hat China es erfolgreich geschafft, die Ausbreitung des Virus innerhalb von drei Monaten zu stoppen. Wir hoffen, dass das so bleibt. Für das Kaufverhalten insgesamt heißt es: Mehr Online-Shopping. Mode ist immer noch wichtig. Aber die Menschen werden definitiv mehr Geld für ihre Gesundheit ausgeben.

Gab es in China einen Boom im Online-Business?
Ja, die meisten Einzelhändler haben begonnen, ihr Online-Geschäft zu stärken. Jeder weiß, dass es der einzige Weg ist, wenn Menschen zu Hause bleiben müssen. Die meisten Verkäufer kommunizieren mit ihren Kunden inzwischen mit einer Live-Übertragung durch Taobao-Wechat.

In Deutschland kämpfen viele, vor allem kleinere Läden ums Überleben. Wie ist das bei Ihnen?
Alle Ladenbesitzer haben sehr große Verluste erlitten. Die lokale Regierung unterstützt vor allem die kleinen und mittleren Unternehmen. Einige Händler haben die Gehälter ihrer Mitarbeiter zeitweise gekürzt. Einige Einkaufszentren senken die Mieten. Insgesamt sind wir sind sehr zuversichtlich, uns jetzt Schritt für Schritt zu erholen.

Und haben die Konsumenten wieder Lust auf Mode? Gehen sie shoppen?
Je weniger Neuinfektionen es gibt, desto besser wird die Stimmung. Inwischen werden Ansteckungen fast nur noch von den Flughäfen gemeldet. Mehr als 90% der Geschäfte öffnen wieder. Noch sind nicht so viele Leute in den Einkaufszentren wie sonst, aber es werden täglich mehr.

stats