TW-Interview mit Galerist Johann König

"Erst vermitteln, dann verkaufen"

Jürgen Teller
Johann König by Jürgen Teller
Johann König by Jürgen Teller

Johann König gehört zu den erfolgreichsten Galeristen Deutschlands. Er sucht den Austausch mit der Mode und hatte bei sich schon G-Star und Hugo Boss zu Gast. Soeben hatte er einen Auftritt auf dem Instagram-Account des Mailänder Labels Sunnei. Sein Tipp an alle Händler lautet: „Wer im Internet erfolgreich sein will, der braucht die Interaktion.“

Alleine der Ort lohnt schon einen Besuch. Johann Königs Galerie in Berlin befindet sich einem ehemaligen Sakralbau. Genauer gesagt in der St.-Agnes-Kirche. Brutalistische Architektur in Kreuzberg. Darin stellt er Künstler wie Katharina Grosse, Anselm Reyle und Andreas Schmitten aus.

Der 38-jährige König ist eng verbandelt mit der Mode. Er vermietet seine Galerie für Modeschauen,  hat selbst eine kleine Modelinie und ein Magazin, in dem Modefirmen Anzeigen schalten. König ist sehr aktiv auf den sozialen Netzwerken. Er interviewt Künstler auf Instagram. Jetzt war er im Live-Stream auf dem Instagram-Account von Sunnei. König sagt: „Für den Dialog mit dem Publikum habe ich auch kein Problem damit, mir das Handy vors Gesicht zu halten.

TextilWirtschaft: Die Covid-19-Pandemie hat die Modebranche hart getroffen. Wie geht es der Kunstindustrie und Ihnen als Galerist?
Johann König: Wir sind weniger getroffen. Denn im Gegensatz zur Mode richten wir uns ja an einen sehr viel kleineren Kundenkreis, der dazu nur in zeitlich größeren Abschnitten kauft. Allerdings spüren auch wir die Krise. Konferenzen und Abendessen in unserer Galerie sind erst einmal hinfällig. Und die Modelabels schalten mit Ausnahmen von Gucci gerade auch keine Anzeigen in unserem Magazin König. Alles in allem wird auch unser Umsatz sinken.

Kunstzeremonie: Die Galerie König in Berlin.
Roman März
Kunstzeremonie: Die Galerie König in Berlin.

Sie gehören zu den wenigen Galeristen, die den Kontakt zur Mode suchen. Wie kommt’s?
Das ist schon länger mein Anliegen. Ich habe dem Thema sogar ein Kapitel in meinem Buch „Blinder Galerist“ gewidmet. Mir ist die Perspektive des Nicht-Insiders wichtig. Mir geht es um Offenheit und Dialog. Die Mode sucht schon seit jeher den Bezug zur Kunst. Erstens, um sich von Zwängen zu befreien und neue Ideen zu entwickeln. Zweitens, um sich aufzuwerten. Die Kunst gibt sich gern elitär, dennoch ist die Grenze zwischen beiden Welten durchlässig. Christian Dior war zuerst Kunsthändler, dann wurde er Designer. Bei Helmut Lang ist es umgekehrt, er ist jetzt Künstler.

Wann kamen Sie in den Kontakt mit der Mode?
Eine Begegnung auf der Bread & Butter ebnete den Weg für eine Modenschau von G-Star in meiner Galerie. Es folgten Hugo Boss, Yohji Yamamoto und viele mehr. Der ein oder andere Künstler, den wir vertreten, setzt sich auch in seinen Arbeiten mit der Mode auseinander. Das Duo Michael Elmgreen und Ingar Dragset, bekannt als Elmgreen & Dragset, hat einen Prada-Laden in die Wüste gesetzt. Ins Nirgendwo in Texas. Das Kunstwerk heißt Prada Marfa. Nicht zuletzt habe ich auch eine kleine Mode- und Merchandising-Linie. Sie heißt König Souvenir. Da habe ich schon mit MCM, Lala BerlinMSGM und anderen zusammengearbeitet.

Galerie als Location: Idealer Ort für Modenschauen.
Galerie König
Galerie als Location: Idealer Ort für Modenschauen.

Wie die Modeläden sind auch die Galerien geschlossen. Wie gehen Sie damit um?
Eine Grundregel in der Branche lautet: erst vermitteln, dann verkaufen. Bei der Kunst ist die Teilhabe wichtig. Kunst ist einerseits eine Wertanlage, die in der Zukunft zu einem höheren Preis verkauft werden kann. Andererseits ist Kunst wie auch die Mode ein Erlebnis. Sie ist Ausdruck des eigenen Lebensgefühls und der eigenen Weltanschauung. Wie die Mode ist sie auch ein Statussymbol. Wenn ich es mit einer Kunstliebhaberin zu tun habe, dann will ich wissen, welche Skulpturen sie im Garten stehen hat. Kunst will wie Mode erzählt und inszeniert werden. Da können wir Galeristen uns etwas von den Luxusmarken, aber auch von Online-Akteuren wie About You und Highsnobiety abschauen.

Wie vermitteln Sie das Kunsterlebnis über das Internet?
Mein Team und ich führen Interviews mit den Künstlern. Beispielsweise mit Daniel Arsham, Alicja Kwade, Jeremy Shaw und der Kreativagentur Sucuk & Bratwurst. Den Künstler Erwin Wurm beispielsweise habe ich virtuell auf seinem Schloss in Österreich besucht. Ich stelle ihm Fragen. Ob er mir die persönlich oder auch gleichzeitig meinen 5000 Zuschauern auf Instagram beantwortet, macht ja für ihn eigentlich keinen großen Unterschied.

Sie verkaufen auch online?
Ja, das tun wir. Wir verkaufen beispielsweise limitierte Editionen, die etwas günstiger zu haben sind. Auf editionkoenig.com. Aber E-Commerce ist nicht alles. Um heute im Internet erfolgreich zu sein, reicht es nicht aus, nur einen Produktkatalog online zu stellen. Wichtig ist die Interaktion mit dem Publikum. Für den Dialog mit dem Publikum habe ich auch kein Problem damit, mir das Handy vors Gesicht zu halten.

Flyer für den Livestream mit Sunnei
Galerie König
Flyer für den Livestream mit Sunnei

Sie waren vor kurzem zu Gast auf dem Instagram-Account des Mailänder Labels Sunnei. Was haben Sie dort erzählt?
Sunnei war mir schon vorher ein Begriff. Über solch ein Label eine größere Reichweite zu bekommen, finde ich per se interessant. Ich führte durch meine Galerie. Ich erzählte über mich und die Kunst, die ich verkaufe. Bislang habe ich noch keine Rückmeldung bekommen. Aber darum geht es mir bei meinen Projekten auch nicht zuallererst. Wichtig ist mir vielmehr, dass sie schön sind und Spaß machen.

Sie halten auch Vorträge im Internet. An wen richten die sich?
Ich habe neulich vor einem Kreis an Start-up-Unternehmern gesprochen. Ich habe ihnen eine kurze Einführung in den Kunstmarkt gegeben. Das ging alles über Zoom. Meine Erkenntnis: Das war viel effizienter als ein Vortrag in Echt. Alle waren viel konzentrierter. Überhaupt stelle ich mir im Zuge der Covid-19-Pandemie schon die Frage: Muss ich in Zukunft wirklich so viel reisen? Muss ich unbedingt nach Hongkong?

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