TW-Interview mit OTB-CEO Ubaldo Minelli

„In China sind die Vermieter sehr kooperativ“

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Ubaldo Minelli
Ubaldo Minelli

Die OTB-Gruppe (u.a. Diesel, Maison Margiela, Marni, Viktor & Rolf und Brave Kid) gehört zu den größten Modeunternehmen Italiens. OTB-CEO Ubaldo Minello spricht im TW-Interview über Sorgen um die Lieferkette, Verhandlungen mit den Vermietern und erste Lichtblicke im Ursprungsland der Covid-19- Pandemie.

Die Aufgaben bei der OTB-Gruppe sind klar verteilt: Gründer Renzo Rosso gibt die Vision vor, ist der kreative Kopf und tritt in den Medien auf. CEO Ubaldo Minelli ist der Manager, der diese Vision umsetzt, sich um die operativen Details kümmert und dabei weitgehend im Hintergrund bleibt.

In der Covid-19-Pandemie rückt Minelli in den Vordergrund. Der Top-Manager muss die Gruppe, die im Geschäftsjahr 2019 einen Umsatz von 1,53 Mrd. Euro erzielte, sicher durch die Krise steuern. Dabei hat er auch indirekt die Verantwortung für die vielen kleinen und mittelständischen Zuliefererbetriebe, die jetzt wie nie zuvor auf OTB angewiesen sind.

TextilWirtschaft: Die Covid-19-Pandemie trifft den ganzen Globus und reißt die Wirtschaft nach unten. Was erwarten Sie in Italien?

Ubaldo Minelli: Was die Produktion anbelangt, fertigen die Marken unserer Gruppe, sofern wir Diesel ausklammern, zu 90% in Italien. Wir sind seit jeher an die Exzellenz von Made in Italy gebunden. Dementsprechend sind wir besorgt, wie sich diese Krise auf die Lieferkette und die kleinen und mittelständischen Unternehmen auswirkt. Dass die italienische Regierung früher als andere drastischere Restriktionen verhängt hat, lässt uns immerhin hoffen, schneller aus der Notsituation zu kommen und damit die Lieferzeiten einzuhalten. Was den Verkauf anbelangt, so entfallen rund 10% des Umsatzes der OTB-Gruppe auf Italien. Aber das Virus kennt keine Grenzen. Weltweite Auswirkungen für unsere Gruppe werden deshalb nicht zu vermeiden sein.

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Können Sie schon abschätzen, wie sich die Pandemie auf den Verkauf der Frühjahrskollektion und der nächsten Herbstkollektion auswirkt?
Wir behalten stets im Blick, wie sich die Situation täglich entwickelt. Eine Kristallkugel haben wir keine. Aber wir arbeiten an Recovery-Plänen. Dabei spielen wir mehrere Szenarien durch. Damit versuchen wir, den negativen Effekt auf unser Geschäft so gering wie möglich zu halten.

Die italienische Regierung appelliert an die Bürger, von zu Hause aus zu arbeiten. Für wie viele Mitarbeiter in Italien haben Sie Smart Working eingeführt?
Die OTB-Gruppe beschäftigt weltweit 7000 Personen. Davon arbeiten 2400 in Italien, wo sich der Hauptsitz der wichtigsten Marken und die Firmen der Gruppe befinden. Wir halten uns peinlich genau an die Vorgaben der Regierung. Alle Mitarbeiter sind in der Lage, aus der Distanz zu arbeiten, und sind deshalb in Sicherheit. In der Firma sind nur die Angestellten persönlich anwesend, deren Rolle eine physische Präsenz voraussetzt. Sie wechseln sich allerdings in Schichten ab.

Mailand Fashion Week: Marni H/W 2020/21



Wie hat sich die OTB-Gruppe intern organisiert? Wie wird kommuniziert?
Wir haben umgehend einen Krisenstab eingerichtet, der sich täglich mehrmals zusammenfindet. Dabei nutzen wir alle digitalen Technologien, die uns zur Verfügung stehen. Von der einfachen WhatsApp-Gruppe bis zu Videokonferenzen.

Die größte Priorität der Firmen ist momentan die Liquidität. Insbesondere den kleineren Zulieferbetrieben droht ein Barmittelengpass. Die OTB-Gruppe ist gut kapitalisiert, seit 2013 hilft sie ihren Lieferanten mit ihrem Programm C.A.S.H. Setzen Sie dieses Instrument jetzt auch ein?
Sicherlich. C.A.S.H. ist nützlich, um Liquiditätsengpässe im Zuge der Covid-19-Pandemie zu überbrücken. Die OTB-Gruppe, allen voran Staff International, hilft den kleinen und mittleren Betrieben in ihrer Lieferkette, um weiterhin zu 90% in Italien fertigen zu können.

Die italienische Regierung hat angeordnet, alle Läden zu schließen. Was geschieht mit der Ware? Und was geschieht mit dem Verkaufspersonal?
Alle Läden der Gruppe in Italien sind temporär geschlossen. Das gesamte Verkaufspersonal ist zu Hause. Wir entscheiden in diesen Tagen, wie wir mit dieser abnormalen Situation am besten umgehen. Die Ware befindet natürlich weiterhin in den Läden. Sicherlich werden wir einen Teil online verkaufen. Zum einen über die Online-Shops der einzelnen Marken. Zum anderen indirekt über andere E-Commerce-Kanäle.

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Die Geschäfte sind geschlossen. Zahlen sie weiterhin die Miete?
Momentan bezahlen wir regulär die Mieten und halten unsere vertraglichen Verpflichtungen ein. In Kürze setzen wir uns mit den verschiedenen Vermietern zusammen und besprechen, wann und wie die Vereinbarungen geändert werden. In China laufen die Verhandlungen bereits. Die Vermieter sind sehr kooperativ.

Der E-Commerce läuft ungebrochen. Spüren Sie bereits einen positiven Effekt?
Der E-Commerce läuft ungebrochen; die Logistik ist im Einsatz. Auch hier respektieren wir sämtliche gesetzlichen Auflagen zum Schutz des Einzelnen und der Gesellschaft. Nach einem anfänglichen Stopp, der schlichtweg auch den Lieferschwierigkeiten der Kurierdienste geschuldet, scheint sich das chinesische Online-Geschäft, wieder der Normalität anzunähern.

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