TW-Interview mit Snocks-Gründer Johannes Kliesch

"So viele erreichst du sonst nur beim Finale der Fußball-WM"

Amazon
Ganz oben auf der Startseite: Snocks war am 1. Mai auf der Amazon-Startseite.
Ganz oben auf der Startseite: Snocks war am 1. Mai auf der Amazon-Startseite.

Am 1. Mai war es soweit. Das Start-up Snocks war zum ersten Mal ganz oben auf der Amazon-Startseite. Für Co-Gründer Johannes Kliesch ging ein langgehegter Wunsch in Erfüllung. Ganz billig war die Aktion zwar nicht, doch gelohnt habe sie sich allemal. Das Mannheimer D2C-Label hofft, mehr als 20 Millionen Impressions erzielt zu haben.

Der 1. Mai ist der Tag der Arbeit. Dieses Mal war er auch der Tag der Socken. Denn das Mannheimer Label Snocks stand erstmals ganz oben auf der deutschen Startseite von Amazon. Für Co-Gründer Johannes Kliesch ein großer Moment: "Ja, da ist schon ein Traum in Erfüllung gegangen."

Wo sonst meistens Amazon Eigenwerbung schaltet oder große Konzerne wie Samsung ihre neueste Handyinnovation anpreisen, breitete sich Snocks aus. Auf der sogenannten H1-Position blendete Snocks einen Tag lang einen Banner ein, auf dem Boxershorts, ein Damenslip und Socken zu sehen waren. Dazu schrieb das Mannheimer Start-up: "Heute bis zu 50% auf unsere Produkte."

Hat es sich gelohnt? Co-Gründer Kliesch hätte sich zwar etwas mehr erwartet, ist aber mit einem sechsstelligen Umsatz trotzdem zufrieden. "Durch die Aktion ist die Marke Snocks bekannter geworden."

TextilWirtschaft: Ihr wart am 1. Mai ganz oben auf der Startseite von Amazon. Ist damit ein langgehegter Traum in Erfüllung gegangen?
Johannes Kliesch: Ja, das kann man so sagen. Die Snocks-Geschichte hat vom ersten Tag an auf Amazon begonnen. Amazon FBA hat uns groß gemacht. Wir sind sehr eng mit Amazon und sind extrem gut im Perfomance-Marketing. Vor drei Jahren erzählte uns das deutsche Amazon-Team, dass man die Startseite buchen kann. Das ging mir nicht aus dem Kopf.

Wann fiel die Entscheidung?
2021 war für uns ein tolles Jahr. Im Januar sagte ich zu meinem Marktplatz-Team: 'Lasst es uns versuchen.' Denn ich mache mir immer Gedanken, wie wir eine Schippe drauflegen können. Bereits im April sollte es soweit sein, doch der Termin wurde dann mehrmals verschoben. Schließlich bekamen wir die Zusage für den 1. Mai. Das ist der passende Termin. Das ist unsere Hauptsaison. Zudem schalten wir unsere Kampagnen immer am Anfang oder Ende des Monats, denn da haben die Leute das meiste Geld. Und: Die Umsätze sind sonntags am höchsten.

Dynamisches Duo: die Snocks-Gründer Felix Bauer und Johannes Kliesch
Snocks
Dynamisches Duo: die Snocks-Gründer Felix Bauer und Johannes Kliesch

Wie viel kostet es denn, auf die Amazon-Startseite zu kommen?
Wir haben dafür eine sechsstellige Summe hingelegt. Doch alleine das Geld ist nicht ausschlaggebend. Für Amazon kommst du nur in Frage, wenn du als Marke relevant genug bist. Denn oberste Priorität für Amazon hat die Kundenzufriedenheit. Normalerweise ist die Startseite Amazon selbst vorbehalten, beispielsweise um neue Serien zu bewerben. Ansonsten schalten internationale Konzerne. Wir gehören zu den wenigen deutschen Start-ups, die das Privileg hatten.

Eine sechsstellige Summe ist schon viel Geld. Lohnt sich der Einsatz?
Wenn du bei Amazon in die Champions League willst, musst du einmal die Startseite gebucht haben. Wir hoffen, so mehr als 20 Millionen Impressionen erreicht zu haben. Es gibt fast nichts Größeres. Wo erreichst du in Deutschland auf einen Schlag so viele Menschen? Selbst mit Fernsehwerbung wird dir das nicht gelingen. Vielleicht nur, wenn du das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft sponserst.
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Mit 4000 Euro Startkapital fingen Johannes Kliesch und sein Cousin Felix Bauer 2016 an, Sneaker-Socken über Amazon zu verkaufen. Soeben hat das Duo von dem Fonds Cathay Capital einen zweistelligen Millionenbetrag eingesammelt, um ins Ausland zu expandieren. Die Ziele sind ehrgeizig. "Wir wollen die führende Basic-Fashion-Brand in Europa werden", sagen die Gründer, die aber angesichts der turbulenten Weltlage viel zu tun haben. "Es ist nicht alles rosig."

Hat sich die Investition gelohnt?
Wir haben einen sechsstelligen Umsatz erwirtschaftet. Die Zahl der Neukunden bewegte sich im fünfstelligen Bereich. In acht Kategorien, beispielsweise bei Damenunterwäsche, Thermounterwäsche, Socken und Boxershorts, waren wir an dem Tag die besten.

Also werden Sie es bald wiederholen?

Das kann ich noch nicht sagen. Ich hätte mir ehrlich gesagt einen etwas höheren Umsatz erwartet. Der blieb uns wegen technischer Restriktionen aber versagt. Wir konnten nämlich nicht mehrere Werbemotive testen, wie wir es sonst gewöhnlich tun. Wir hatten nur einen Schuss frei. Nichtsdestotrotz ist die Marke Snocks durch die Aktion bekannter geworden. Das ist viel wert.

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