TW-Studie Digitalisierung

Bleibt Order ein People-Business?

Tommy Hilfiger

Alles digital, oder? Eine aktuelle TW-Studie zeigt, wie hoch der Digitalisierungsgrad im Modehandel ist. Im Fokus: die digitale Order. Wie virtuell wird der Einkauf? Welche Plattformen bringen‘s?

Lockdown. Fluch und Segen. Für die einen so, für die anderen so. Für viele: ein massiver Push des Digitalisierungsgrades. Ob mobiles Arbeiten oder mobiles Verkaufen. Jedes Unternehmen wird nach der Corona-Krise sicherlich ein anderes sein. Einige Zeichen deuten darauf hin, dass der Shift nachhaltig sein wird. Was bleibt? Wo wird nachjustiert? Wo investiert? "Wir haben den Digitalisierungsprozess in unserem Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten stark vorangetrieben." Das sagen 71% der Befragten der TW-Studie „Digitalisierung im Modehandel 2021“. 79% kündigen an, sie würden das Thema Digitalisierung weiter ausbauen.

Nicht wenigen ist in der Krise die zuweilen zu zaghafte Transformation des eigenen Geschäftsmodells schmerzlich vor Augen geführt worden. So nutzen ebenso nicht wenige diese Zeiten, um angeschobene Digital-Projekte zu finalisieren, sei es, Order virtuell zu tätigen oder in die Orchestrierung der Prozesse zu investieren. Sie sind offen, andere Kommunikations- und Verkaufskanäle zu testen. "Erst aufgrund von Corona haben wir uns mit digitalen Verkaufskanälen beschäftigt", sagen 47%. Instagram, WhatsApp, TikTok. Teleshopping? Oder doch noch einen eigenen Online-Shop starten? Jetzt schnell rauf auf die Plattformen?

Zum ersten Mal hat die TextilWirtschaft explizit nach Digitalisierungsstrategien gefragt, nach dem Status quo, nach der weiteren Agenda. Über 380 Inhaber, Geschäftsführer und Führungskräfte haben geantwortet. Dabei bescheinigt sich fast die Hälfte (42%) eine hohe digitale Kompetenz im Unternehmen, die andere Hälfte (46%) beschreibt sie als weniger hoch. Die meisten Befragten (78%) managen den Großteil der Digitalisierung in Eigenregie – also ohne die Hilfe von Dienstleistern und Beratern.


Weit oben auf der Digital-Agenda: die Kommunikation mit Lieferanten. 67% der teilnehmenden Händler haben digitale Orderplattformen besucht, 55% haben auch darüber geordert. Dabei wurden 20% der Order für Herbst/Winter 2021 digital abgewickelt, 17% sollen es in der Zeit nach Corona werden. Bleibt Order ein People-Business? Die ersten Messen kündigen Präsenzveranstaltungen an, Termine in Showrooms sind gemacht. "So viel auch heutzutage digital umsetzbar ist – es ersetzt das physische Zusammenkommen nicht. Das merken wir in diesen Zeiten stärker denn je", sagt Premium-Chefin Anita Tillmann. Wie das Zusammenspiel von online und offline in der Zukunft aussehen könnte, wird momentan genau ausgelotet.

Gute Bedienbarkeit und Versorgung mit ausreichend Content ist für die meisten Befragten der TW-Studie unverzichtbar mit Blick auf Digitale Order-Anbieter.
TextilWirtschaft
Gute Bedienbarkeit und Versorgung mit ausreichend Content ist für die meisten Befragten der TW-Studie unverzichtbar mit Blick auf Digitale Order-Anbieter.
Sieht so die Zukunft der Order aus? Hybrid, punktuell analog, sonst digital? Wenn es nach den Messe-Machern geht: ja. Wenn es nach den Plattform-Anbietern geht: nein. Sie docken stetig relevante Lieferanten an – inklusive vollständiger Integration zu ERP und Warenwirtschaft, investieren massiv in die realistischere Darstellung der Kollektionen, bieten ein Füllhorn an Content für die Vermarktung an. "Auf unserer Seite zählen wir derzeit über 4000 teilnehmende und ordernde Einkäufer und rund 60 Marken. Dazu kommen weitere 100 Marken, die mit Quintet über Videocalls ordern", sagt Hannes Rambold, CEO von MobiMedia, in Deutschland Vorreiter, wenn es um die Digitalisierung des Vertriebs geht.

Zur Studie
Basis der TW-Studie „Digitalisierung im Modehandel 2021“ ist eine personalisierte Online-Befragung von 387 Inhabern, Geschäftsführern und anderen Führungskräften im Fashion-Handel. Die Studie beleuchtet den Status quo der Digitalisierungsprozesse – mit Fokus auf Order, Verkauf und Kommunikation zum Kunden – in den Unternehmen. Was steht jetzt auf der Digital-Agenda? Wie hoch ist die digitale Kompetenz? Wo fehlt Knowhow? Wo wird investiert? Immer in Bezug auf den coronabedingten Push für die Digitalisierung. Und damit eine Bilanz der ersten Erfahrungen mit digitalen Messen, Click&Collect, Verkauf über Instagram & Co. Feldzeit war im März 2021.
Und die Händler? "Die digitalen Ordermöglichkeiten sind so gut, dass wir zukünftig sicherlich auf viele Besuche in Showrooms verzichten können." Das sagen 15% der Befragten, die zuvor angegeben haben, Order-Plattformen zu besuchen. Zu den meistfrequentierten B2B-Portalen gehört Fashion Cloud, 2015 als digitaler Content Broker an den Start gegangen, erscheint es vielen Herstellern für die digitale Vermittlung ihrer Inhalte offenkundig als natürlicher Partner. Daneben Joor, NuOrder, Colect und Quintet24.


Unverzichtbar bei einer Order-Plattform ist die intuitive Bedienbarkeit. Dieser Aussage stimmen 55% der in der TW-Studie Befragten zu. Ein Muss für Händler: Versorgung mit Bild- bzw. Marketingmaterial (43%), Sofortorder-Möglichkeiten (27%), Nachorder-Möglichkeiten (25%), breites Angebot an relevanten Lieferanten (24%), Anbindung ans Warenwirtschaftssystem (14%), Vororder-Möglichkeiten (13%).
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