TW 100: Bettina Bär, Neonyt

"Rohstoffe dauerhaft in Kreisläufen halten"

Neonyt/Messe Frankfurt
Bettina Bär ist Show Director der Fair Fashion-Messe Neonyt.
Bettina Bär ist Show Director der Fair Fashion-Messe Neonyt.

Vor wenigen Wochen ist Bettina Bär als neue Chefin der Fair Fashion-Messe Neonyt angetreten. Bei den Ausstellern achtet die Messe Frankfurt auf strenge Nachhaltigkeits-Kriterien. Aber auch der Veranstalter selbst nimmt sich nicht aus. Eine der Hauptherausforderungen: der Abfall.

TextilWirtschaft: Was sind für einen Messeveranstalter die großen Herausforderungen bei der Abfallvermeidung und -entsorgung?
Bettina Bär:
Beim Auf- und Abbau der Neonyt wandern große Mengen Standbaumaterialien und Güter durch die Messehallen und über das Gelände. Sie werden geliefert und wieder abtransportiert. Dabei entstehen viele Tonnen Abfall, wir versuchen jedoch, so viel wie möglich davon zu recyceln. Mit Erfolg – fast alles wird in den Materialkreislauf zurückgeführt: Im Sinne der Kreislaufwirtschaft verwerten wir die Abfälle, die auf dem Frankfurter Messegelände anfallen, mit einer Wiederverwertungsquote von bis zu 90%.

Was haben Sie zuletzt konkret unternommen, um hier nachhaltiger zu agieren?
Bereits seit Anfang der 1990er Jahre betreibt die Messe Frankfurt ein effizientes Wertstoff-Management: Wir recyceln Papier und setzen es als Rohstoff für neue Papierproduktion ein, gebrauchtes Holz teilweise zur Herstellung neuer Spanplatten und als Brennmaterial im Bio-Kraftwerk Flörsheim/Wicker. Kunststoffe werden nach Sorten getrennt zu Granulat verarbeitet und ebenfalls zur Produktion eingesetzt. Bei der Neonyt haben wir 2018 zusammen mit Trash Galore rund eine Tonne Restmaterial in Form von Molton, Farbresten, Holz, Kunststoffplanen und Teppichen als Spende an soziale und gemeinnützige Initiativen gespendet. So ist es möglich, keine Ressourcen zu verschwenden und so viel wie möglich wiederzuverwenden. Außerdem: Recycling und Verzicht auf Einmalverpackungen sind auf der Neonyt Pflicht – das gilt sowohl für den Standbau als auch für das Catering, sofern es sich vermeiden lässt; letzteres aktuell aufgrund verstärkter hygienischer Vorschriften durch Corona leider nicht möglich. Aber grundsätzlich: Unserer Meinung nach ist Verzicht auf Verpackungsmüll eine Selbstverständlichkeit.

Was ist das langfristige Ziel?
Langfristig wollen wir uns natürlich so weiterentwickeln, dass durch die Neonyt wenig bis gar keinen Abfall mehr entsteht. Ein ganz zentrales Stichwort: Kreislaufwirtschaft. Unser Ziel ist es, die Rohstoffe, nachdem sie einmal beschafft wurden, dauerhaft in Kreisläufen zu halten. Verwendete Ressourcen sollen am Ende der Messe nicht im Müll landen – alle Materialien werden entweder wieder verwendet oder zu einem Rohstoff gerecycelt oder upgecycelt, damit daraus langlebige andere Produkte hergestellt werden können. So verhält es sich auch mit den buchbaren Komplettständen der Neonyt: Diese wurden einmalig für uns entwickelt und werden nun von Veranstaltung zu Veranstaltung eingelagert und wiederverwendet, kleinere oder größere Reparaturen sind ganz normal, weggeworfen wird nichts.

Was kann man als Aussteller oder Messebesucher selbst tun, um grüner unterwegs zu sein?
Ein wesentlicher Punkt ist die Anfahrt – das Gelände der Messe Frankfurt ist super zentral gelegen und optimal mit dem öffentlichen Nah- und Fernverkehr zu erreichen. Das Catering kann auch einen Unterschied machen – es gibt auf der Neonyt ausschließlich vegetarisches und veganes Essen ohne Einwegmaterial, so gelingt es uns, die Umweltauswirkungen so gering wie möglich zu halten. Und auch bei Übernachtungen kann man eine umweltfreundlichere Alternative wählen – vor allem in der Metropolregion Rhein-Main haben wir eine große Auswahl an nachhaltigen Hotels.

Sind grüne Messestände eigentlich teurer?
Langlebige, hochqualitative Ausstattungen und grüne Alternativen in Hinblick auf den Messebesuch haben ihren Preis. Aber hier ist es wie mit vielem: Qualität zahlt sich auf lange Sicht aus und es kommt nicht nur der Umwelt zugute, wenn man Materialien länger einsetzen, wiederverwerten oder recyceln kann, sondern auch dem Menschen.

Haben Sie eine Nachhaltigkeits-Routine im Alltag? Privat oder natürlich auch im Job?
Meine Routine heißt Fahrrad und Auto stehen lassen. Grundsätzlich versuche ich mein gesamtes Handeln und Konsumieren bewusst zu machen und dadurch − soweit das möglich ist − mein generelles Handeln und Konsumieren nachhaltig zu gestalten.

Wo vermissen Sie noch nachhaltige(ere) Alternativen im Alltag?
Für Laubbläser, die mit Diesel betrieben werden, im Supermarkt die (Plastik)-Verpackung von regionalem Gemüse und eine bessere Alternative zu den Wachstüchern als Abdeckung von Speisen etc.

TW 100 - Sustainability: Die Projekte. Die Köpfe.
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