TW100: Kristin Heckmann, Hess Natur

Eco-Finish und eigener Recycling-Kreislauf

Hess Natur
Kristin Heckmann arbeitet seit rund zehn Jahren bei Hess Natur in Butzbach.
Kristin Heckmann arbeitet seit rund zehn Jahren bei Hess Natur in Butzbach.

Mit Ende 20 stellte sich Kristin Heckmann die Sinnfrage und beschloss, ihrem beruflichen Leben eine Wende zu geben. Die studierte Betriebswirtin absolvierte noch ein MBA-Programm in Australien mit Fokus auf Nachhaltigkeit. 2012 landete sie schließlich bei Deutschlands Öko-Pionier Hess Natur in Butzbach. Seit 2015 leitet sie als Head of CSR den Nachhaltigkeitsbereich.

TextilWirtschaft: Die Marke Hessnatur gilt als Vorreiter in Sachen Fair Fashion und hat strenge Ansprüche an Produkt und Produktion. Können Sie ein neues Projekt benennen?
Kristin Heckmann:
Natürlich, denn Nachhaltigkeit ist kein Status. Auch wir als Fair Fashion-Pionier möchten uns stetig verbessern. Unsere prägnantesten Projekte betreffen die Bereiche Outdoor und Recycling. Wir haben zum einen ein natürliches Softshell-Material aus Bio-Baumwolle entwickelt, dass durch eine extrem dichte Webstruktur schon wasser- und windabweisend ist. Wir haben aber noch ein Öko-Finish draufgesetzt. Das ist eine große Innovation. Wir wollten schon immer funktionale Outdoor-Produkte anbieten, die im Einklang mit der Natur entstanden sind.

Wie entstehen solche Innovationen?
Neue Technologien entwickeln wir immer zusammen mit unseren langjährigen Partnern. Mal kommt der Impuls von ihnen, mal sagen wir, was wir gern erreichen wollen.

Die Marke Hessnatur hat ein natürliches Softshell-Material aus Bio-Baumwolle entwickelt, das durch eine extrem dichte Webstruktur schon wasser- und windabweisend ist. Darauf kam dann noch ein Öko-Finish.
Hess Natur
Die Marke Hessnatur hat ein natürliches Softshell-Material aus Bio-Baumwolle entwickelt, das durch eine extrem dichte Webstruktur schon wasser- und windabweisend ist. Darauf kam dann noch ein Öko-Finish.
Wie lange haben Sie an der neuen Softshell-Qualität getüftelt?
Rund ein Jahr. Solche Prozesse dauern. Erst war das Material zu dick und zu steif. Wir müssen ja bei all unseren Ansprüchen auch immer dem Kund:innenwunsch gerecht werden. Wir freuen uns sehr, dass die Kollektion gut ankommt. Zudem wurde unser Nature Shell kürzlich mit dem Bundespreis Ecodesign 2021 ausgezeichnet.

Sie erwähnten eingangs außerdem ein Recycling-Projekt.
Wir haben in diesem Jahr unseren 45. Geburtstag gefeiert und aus diesem Anlass eine Kapselkollektion herausgebracht, in der recycelte Schnittreste zum Einsatz kommen. Die haben wir bei unseren Partner gesammelt, geschreddert und vermischt mit frischen Fasern zu neuem Garn verarbeitet. Für Fleece-, Jersey- und Denim-Artikel. Damit haben wir unseren eigenen Kreislaufprozess entwickelt, unser Better Recycling-Programm, bei dem wir auch wissen, dass die Materialien unsere hohen Standards erfüllen. Diese Produktionsüberschüsse sind wertvoll und kein Abfall. Unser Vorteil dabei ist, dass wir zu 75% mit Mono-Materialien arbeiten, der Rest sind Mischungen aus Naturfasern. Das erleichtert den gesamten Recycling-Prozess. Dennoch ist es schwierig, vor allem bei Baumwolle, den Recycling-Anteil im Garn weiter zu erhöhen, was jedoch unser Ziel ist.

Hessnatur hat zum 45. Geburtstag eine Kapselkollektion herausgebracht, in der recycelte Schnittreste zum Einsatz kommen.
Hess Natur
Hessnatur hat zum 45. Geburtstag eine Kapselkollektion herausgebracht, in der recycelte Schnittreste zum Einsatz kommen.
Sie verarbeiten den sogenannten Pre-Consumer-Waste. Gibt es auch ein Wiederverwertungskonzept für Altkleider, also Post-Consumer-Waste?
Wir arbeiten da tatsächlich an einer Idee. Aber wenn es nicht um unsere eigenen Kollektionen geht, stellt das Alttextil-Recycling für uns eine extreme Herausforderung dar, nicht nur aufgrund der Materialmischungen und der sonst so oft verwendeten Kunstfasern, die wir komplett vermeiden, sondern auch wegen der Ausrüstung und Finishes der Bekleidung.
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