Umsatzeinbußen von bis zu 25%

Coronavirus beendet goldenes Zeitalter der Luxusindustrie


Louis Vuitton
Louis Vuitton in Shanghai - langsam scheinen sich die Zustände in China wieder zu erholen. Die Lage in Europa und den USA bereitet den Luxuskonzernen jedoch Probleme.
Louis Vuitton in Shanghai - langsam scheinen sich die Zustände in China wieder zu erholen. Die Lage in Europa und den USA bereitet den Luxuskonzernen jedoch Probleme.

Die Luxusindustrie schien in den vergangenen Jahren gegen alle Risiken gefeit. Doch die Covid-19-Pandemie setzt auch ihr zu. Analysten revidieren ihre Prognosen nach unten und warnen vor einem schlimmeren Jahr als 2008, als die Finanzkrise die Weltwirtschaft im Griff hatte.

Die Covid-19-Pandemie erfasst Europa und die USA – und dementsprechend verdüstern sich die Aussichten für die globale Luxusindustrie. Die Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group (BCG) hat ihre Prognose für die Branche deutlich nach unten revidiert.


Statt einem Umsatzminus von 10 bis 15% geht BCG nun für das Jahr 2020 von einem Einbruch um 20 bis 25% aus. Das würde bedeuten, dass dem Sektor, der jährlich 349 Mrd. Euro erwirtschaftet, 70 bis 87 Mrd. Euro entgehen. „Die Luxusindustrie ist einer erheblichen Unsicherheit ausgesetzt“, schreibt BCG-Expertin Guia Ricci in einem Post auf LinkedIn. „Der Retail wird dabei höchstwahrscheinlich härter getroffen als die Produktion. Denn die langen Lead-Zeiten schirmen die Lieferkette ab.“

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Hatte die Luxusindustrie Anfang des Jahres wegen des Coronavirus vor allem mit einem Umsatzeinbruch in Asien zu kämpfen, so weiten sich die Verluste aus. Um die Pandemie einzudämmen, machen die europäischen Länder und die USA ihre Grenzen dicht. In mehr und mehr Ländern müssen die Läden schließen.

Der Luxusbranche, deren Geschäftsmodell auf dem stationären Retail fußt und die deshalb hohe Fixkosten hat, droht deshalb schnell eine finanzielle Schieflage. „Das Szenario ist schlimmer als zur Finanzkrise 2008“, schreibt Luca Solca, Analyst bei der Finanzberatung Bernstein. „Der einzige Hoffnungsschimmer ist das Online-Geschäft.“ Er nennt einen groben Richtwert: „Eine Luxusfirma schreibt operativ Verlust, wenn ihr Umsatz um 25% fällt.“

Wie hart 2020 für die Luxusbranche wird, hängt von der chinesischen Kundschaft ab. Auf sie entfällt inzwischen rund 35% der gesamten Luxusumsätze. Bernstein-Analyst Solca geht davon aus, dass die chinesische Nachfrage im ersten Halbjahr gegenüber der Vorjahresperiode um 30 bis 50% einbricht. Das deckt sich mit der Prognose der Schweizer Bank UBS, die für das erste und das zweite Quartal mit Rückgängen von 50% und 30% rechnet. Erst ab dem Weihnachtsquartal gehe es laut den UBS-Analysten wieder aufwärts. Für das Gesamtjahr stellt die UBS ein Minus von 15% in Aussicht.

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Immerhin mehren sich die Anzeichen, dass China langsam wieder zum Alltag zurückkehrt. Laut den Analysten von Morgan Stanley sind 90% der Luxus- und Sportläden in China wieder auf. Als ermutigendes Zeichen werten die Experten, dass die Canton Fair stattfindet. Dabei handelt es sich um Chinas älteste und größte Handelsmesse. Sie wird wie ursprünglich geplant vom 15. April bis zum 5. Mai ausgetragen. „Das deutet daraufhin, dass in China Schritt für Schritt Normalität einzieht“, schreiben die Morgan Stanley-Experten in einer Studie.

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Während sich die Situation in China stabilisiert, wachsen die Sorgen um Nordamerika. Das Weihnachtsquartal verlief für Brands wie Louis Vuitton, Christian Dior und Hermès in den Vereinigten Staaten und in Kanada insgesamt erfreulich. Bestes Beispiel ist die Kering-Marke Gucci, die nach einem Rückgang von 2% im dritten Quartal ein Plus von 6% im vierten Quartal folgen ließ. Weil sich die Covid-19-Pandemie ausweitet, könnte es für die Luxusbrands in den USA und Kanada ungemütlich werden. Besonders stark hängt der Brillenkonzern EssilorLuxottica von Nordamerika ab. Die Gruppe erzielt dort mehr als die Hälfte ihres Umsatzes. Im Fall von LVMH und Ferragamo ist es immerhin rund ein Viertel.

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