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Umstellung der Produktion

Masken statt Mode

Eterna
Eterna hat am ersten Produktionstag 13.000 Schutzmasken hergestellt, der Output soll schnell auf bis zu 25.000 Exemplare täglich hochgefahren werden.
Eterna hat am ersten Produktionstag 13.000 Schutzmasken hergestellt, der Output soll schnell auf bis zu 25.000 Exemplare täglich hochgefahren werden.

Die Produktion aufrechterhalten und eine hohe Nachfrage bedienen: Mehrere Unternehmen der Fashion-Branche haben auf den großen Bedarf nach textilen Schutzmasken reagiert und ihre Produktion entsprechend umgestellt.

Das Wäsche-Label Mey in Albstadt beispielsweise: „Die Anfragen von medizinischen Einrichtungen haben sich in den letzten Tagen derart gehäuft, dass wir uns dazu entschlossen haben, zeitnah in die Fertigung eines funktionalen Mund- und Nasenschutzes einzusteigen", erklärt Matthias Mey, Managing Partner der Mey-Unternehmensgruppe. Der Vorteil der Produkte sei, dass sie aus Baumwollstoffen gefertigt werden, die bei 90 Grad waschbar sei, die Masken und somit mehrmals wiederverwendet werden könnten „Die letzten Tests und Prototypen werden heute fertiggestellt und wir beginnen Anfang nächster Woche mit der Konfektion." Die Produkte sollen ausschließlich im Wholesale an Kliniken und medizinische Betriebe geliefert werden. Mey: "Wir hoffen, mit dieser Maßnahme einen kleinen Beitrag im Kampf gegen das Coronavirus leisten zu können."

Mey startet in Albstadt mit der Produktion von Mund- und Nasenschutz.
Mey
Mey startet in Albstadt mit der Produktion von Mund- und Nasenschutz.
Medienberichten zufolge hat auch die spanische Inditex-Gruppe (u.a. Zara, Massimo Dutti) einen Teil ihrer Produktion umgestellt, um Schutzmasken für Erkrankte und medizinisches Personal herstellen, die gespendet werden sollen. Demnach hat Inditex bereits 10.000 Masken an die spanischen Behörden kostenlos abgegeben und will bis zum Ende dieser Woche weitere 300.000 OP-Masken spenden. Auch die Südtiroler Oberalp-Gruppe (u.a. Salewa. Dynafit) produziert nun in kleinen Mengen Schutzbekleidung und -Masken, hat aber vor allem Distributionskanäle aktiviert und die Abwicklung übernommen.

Nachdem die Produktion von Hemden und Blusen aufgrund der Krise massiv zurückgefahren werden musste, hat Eterna in Passau ähnlich reagiert. Innerhalb kürzester Zeit hat das Unternehmen im eigenen Produktionsbetrieb in der Slowakei alle Produktionsabläufe umgestellt. Seit vergangener Woche werden Schutzmasken produziert, die wegen der anhaltenden Corona-Pandemie zu Mangelware geworden sind. Auftraggeber ist der slowakische Staat, der seine Bestände an dringend benötigter Schutzausrüstung für medizinisches Personal und Patienten damit aufstockt. Nach Angaben von Eterna wurden am ersten Produktionstag 13.000 Stück hergestellt, der Output soll schnell auf bis zu 25.000 Exemplare täglich hochgefahren werden. Damit seien alle Mitarbeiter weiterhin vollbeschäftigt und drohende Kurzarbeit konnte abgewendet werden.



Der Vorteil für die Bayern: Nach eigenen Angaben bringt der konzerneigene Betrieb alle Voraussetzungen mit für die sensible Produktion des Mundschutzes: Moderne und saubere Produktionsstätten, qualifiziertes Personal und unbürokratisches Handeln der Mitarbeiter. Dort, wo sonst Hemden genäht werden, werden freie Kapazitäten genutzt, um zu helfen. Derzeit sei die Produktion nur für die Slowakei zugelassen, Eterna arbeite aber mit Hochdruck daran, die rechtlichen Bedingungen und Einhaltung der Vorschriften für eine Lieferung nach ganz Europa möglich zu machen. Außerdem wolle Eterna Kapazitäten aufbauen für die Produktion weiterer Teile von Schutzkleidung.

Auch Trigema hat die Produktion am Unternehmenssitz Burladingen am Donnerstag umgestellt. Wie Bonita Grupp, Tochter von Inhaber Wolfgang Grupp, in einem Podcast auf der Website des Unternehmens sagt, produziert Trigema seit gestern textile Schutzmasken in zwei Versionen. Beide Versionen seien zweilagig, waschbar bei bis zu 95 Grad und könnten mit Desinfektionswaschmitteln gereinigt werden. Die Masken seien daher mehrfach verwendbar. Trigema werde die Produkte in Verpackungseinheiten von zehn Stück zum Preis von 120 Euro verkaufen. Abgegeben werden die Masken vorrangig an Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen. Aber auch Privatleute sollen beliefert werden. Das Unternehmen rechnet mit einer Produktionskapazität von etwa 10.000 Stück pro Tag und arbeitet aufgrund der hohen Nachfrage aus samstags.

Huthersteller Mayser in Lindenberg hat die Produktion von Kopfbedeckungen stark heruntergefahren und fertigt im eigenen Werk in der Slowakei nun Mund- und Nasenschutz-Masken. Die Herstellung der neuen Produkte läuft seit einer Woche, nach eigenen Angaben wurden inzwischen über 10.000 Stück aus Baumwolle für Mitarbeiter, Geschäftspartner, Pflegepersonal und Kliniken genäht. Die Masken sind waschbar bei bis zu 90 Grad und wiederverwendbar.

Bei Mayser steht jetzt die Herstellung von Schutzmasken im Vordergrund.
Mayser
Bei Mayser steht jetzt die Herstellung von Schutzmasken im Vordergrund.

Strenesse hat ebenfalls auf die Krise reagiert und Ressourcen freigestellt, um regionale Unternehmen zu unterstützen. Im Headquarter in Nördlingen werden in der eigenen Näherei mit Hochdruck behelfsmäßie Mund- und Nasenschutzmasken aus atemdurchlässiger Baumwolle produziert.

Wie das Unternehmen bekannt gibt, sollen davon vor allem Mitarbeiter des Lebensmitteleinzelhandels profitieren, die die Grundversorgung gewährleisten aber bei der staatlichen Lieferkette medizinischer Masken nicht berücksichtigt werden. Anfang nächster Woche werde der Behelfs-Mund- und Nasenschutz auch online (strenesse.com) für den privaten Bedarf angeboten.

In diesen schwierigen Zeiten heißt es zusammenzuhalten und wir freuen uns, eine Möglichkeit gefunden zu haben, unsere Mitmenschen zu unterstützen. Mein Dank gilt hier insbesondere unseren Mitarbeitern vor Ort, die dieses Projekt so engagiert möglich gemacht haben.“ sagt Micaela Sabatier, Geschäftsführerin des Nördlinger Modeunternehmens.

Das Unternehmen spricht von behelfsmäßigen Masken, da sie nicht für den medizinischen Gebrauch zertifiziert sind. Dennoch sind sie bei bis zu 90 Grad waschbar und daher mehrfach verwendbar. Sie bestehen aus Baumwolle, es gib sie in Schwarz und Weiß. Die wiederverwendbare Schutzmasken bestehen aus 100% hautfreundlicher Baumwolle.

Große Mengen von bis zu 500 Stück können unter info@strenesse.com zum Kostenbeitrag netto 3 Euro/Stück bestellt werden.

Statt festlicher Herrenbekleidung produziert Wilvorst im niedersächsischen Northeim, Teil der Bugatti Holding in Herford, jetzt Mund- und Nasenschutzmasken. Mit einer Kapazität von mindestens 50.000 Stück pro Woche – Tendenz steigend – möchte das Unternehmen eigenen Angaben zufolge seine Nähkapazitäten vor Ort nutzen, Schutzbekleidung in Form von Mundschutzmasken herzustellen.

Wilvorst produziert in Northeim wöchentlich 50.000 Masken und will die Kapazität steigern.
Wilvorst
Wilvorst produziert in Northeim wöchentlich 50.000 Masken und will die Kapazität steigern.

Die Stoffmasken sind waschbar und wiederverwendbar. Sie seien vor allem für den privaten Gebrauch sowie für Unternehmen, Behörden und Pflegeeinrichtungen gedacht. Nicht jedoch für den intensivmedizinischen Einsatz, da sie nicht zertifiziert seien.

Statt Wäsche zu produzieren, hat die italienische Calzedonia-Gruppe  Anfang dieser Woche einige Werke auf die Produktion von Masken und Kittel umgestellt. Hergestellt werden die Sanitätsprodukte in den italienischen Betrieben in Avio und Gissi sowie allen kroatischen Fabriken der Gruppe. Die Umstellung sei sowohl durch den Kauf von Spezialmaschinen als auch durch die Umstellung der Nähmaschinen auf die neue Produktionsart möglich geworden.

In der Anfangsphase sei die Herstellung von täglich 10.000 Masken möglich, es werde mit einem Anstieg der Kapazität gerechnet. Eine erste Charge sei Anfang der Woche an das Krankenhaus und die Gemeinde Verona gespendet worden.

Auch in Kanada hat die Pandemie Auswirkungen auf die Produktionsabläufe. So setzt Canada Goose die eigene Fertigung in Toronto und Winnipeg ein, um im Rahmen des Canada Goose Response Programmes medizinische Schutzkleidung für Personal und Patienten herzustellen. Zunächst wurde mit der Produktion von Kitteln begonnen. Diese seien im ganzen Land kaum zu bekommen. Die ersten sollen in der kommenden Woche an Krankenhäuser verteilt werden. Zunächst seien in jedem Werk etwa 50 Mitarbeiter mit der Herstellung beschäftigt.

„In ganz Kanada riskieren Menschen jeden Tag ihr Leben an der Front von COVID-19 in medizinischen Einrichtungen und sie brauchen unsere Unterstützung. Jetzt ist es an der Zeit, unsere Fertigungsressourcen und -fähigkeiten für das Wohl der Allgemeinheit einzusetzen“, sagt Dani Reiss, President & CEO von Canada Goose.

Anstatt die Produktion stillzulegen, hat auch die italienische Plissè Spa Fashion Group in Padua flexibel reagiert und stellt nun Schutzmasken her.Wir stehen vor einer der größten Herausforderungen, mit der wir uns zuvor noch nie befasst haben, aber es liegt nicht in unserer Natur aufzugeben“, erklärt Morena Bragagnolo, die zusammen mit Paolo Mason, CEO als auch Gründer der Plissè Group ist.

Die Plissè Fashion Group in Padua fertigt medizinische Schutzkittel und -masken, die zum Selbstkostenpreis abgegeben werden.
Plissè Group
Die Plissè Fashion Group in Padua fertigt medizinische Schutzkittel und -masken, die zum Selbstkostenpreis abgegeben werden.


Die Rohstoffe für die Herstellung der Masken seien unter Anleitung von Experten gekauft worden, ein lokaler Lieferant habe den Stoff für die Herstellung der medizinischen Schutzkittel gespendet. Nach der Fertigung sollen die Produkte im Werk sterilisiert werden, damit sie sofort einsatzbereit seien.

In dieser Woche sollen etwa 15.000 Masken und 1.000 medizinische Schutzkittel an die örtliche ASL (Local Health Authority) gespendet werden. Alle weitere Masken und Kittel sollen zum Selbstkostenpreis abgegeben werden.







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