Umstellung der Produktion

Schutzmasken: Nachfrage könnte rasant steigen

Textilunternehmen, die ihre Produktion auf Schutzmasken umgestellt haben, könnten bald von einer noch größeren Nachfrage überrannt werden.

In der kommenden Woche will Jena (110.000 Einwohner) in Thüringen das Tragen einer Gesichts-Schutzmaske zur Pflicht machen in Läden, dem öffentlichen Nahverkehr und öffentlichen Gebäuden. Andere Kommunen könnten folgen.


Die Maskenpflicht wurde vom Fachdienst Gesundheit angemahnt. Dadurch werde die Sicherheit von Personal im öffentlichen Leben erhöht. Neben Masken sollen auch Tücher oder Schals als Schutz anerkannt werden. Diese müssten aber auch die Nase und den Mund abdecken. Auf der Website der Stadt ruft die Verwaltung dazu auf, Schutzmasken selbst zu nähen.

Die österreichische Bundesregierung hat zuvor bereits eine Mundschutzpflicht unter anderem für Einkäufe in Supermärkten angekündigt. Und der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) fordert, die Produktion von Schutzkleidung und Beatmungsgeräten in Deutschland deutlich zu erhöhen und spricht sogar von der Umstellung der Produktion auf eine „Notfallwirtschaft“. Auch wenn der CSU-Chef vor allem zertifizierte Schutzbekleidung für Kliniken meint, zeigen die Beispiele, dass der Bedarf auch an nicht zertifizierten Schutzmasken für den Alltag im öffentlichen Leben zunehmen wird.
Der hessische Staatsminister Tarek Al-Wazir und das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen (HMWEVW) bitten Unternehmen darum, stillstehende oder nicht ausgeschöpfte Produktionslinien auf die Herstellung von Atemschutzmasken, chirurgische Mundnasenschutzen, Schutzbrillen und -kittel, Einmalhandschuhe und Ganzkörperschutzanzüge umzustellen, um einen Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie zu leisten und die eigene Auslastung zu verbessern. Der Stab Beschaffung im Krisenstab der hessischen Landesregierung stehe bei Fragen hinsichtlich der Verwendung solcher neuen Produkte sowie auch bei der Zertifizierung gerne zur Verfügung.

Inzwischen haben immer mehr Textil- und Bekleidungshersteller ihre Produktion umgestellt und fertigen Schutzmasken und zum Teil auch Schutzanzüge. Zertifiziert als Medizinprodukte nach den einschlägigen Normen sind sie größtenteils nicht. Das Verfahren, für das Zertifizierungsunternehmen wie beispielsweise der TÜV beauftragt werden müssen, ist in der Kürze der Zeit kaum möglich.
Allerdings ist es durch eine Initiative der europäischen Normungsorganisationen CEN und CENELEC für alle Unternehmen einfacher geworden, sich darüber zu informieren, welche Anforderungen an normgerechte Schutzbekleidung gestellt werden. Die Organisationen, bei denen auch das Deutsche Institut für Normung eV (DIN) Mitglied ist, haben die Normen für medizinische Schutzprodukte aufgrund der Krise kostenlos zur Verfügung gestellt. Sie können beim Berliner Beuth-Verlag, einem DIN-Tochterunternehmen, kostenlos heruntergeladen werden (www.beuth.de/go/kostenlose-normen).
Eine neue Idee zur Herstellung von Mundschutzmasken haben derweil die Werkstattmitarbeiter an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule in Halle/Saale mit Unterstützung der Stadt entwickelt. Sie haben eine frei zugängliche Software modifiziert, um Schutzmasken mit 3D-Druckern herzustellen. Erste Prototypen haben die Werkstattmitarbeiter mit Druckern daheim produziert. Die Schutzmasken bestehen aus einem thermoplastischen Werkstoff, in die Atemöffnung wird eine mehrlagige textile Stofffiltermatte eingelegt. Die Produktionskapazität beträgt bis zu 20 Stück pro Tag und soll erhöht werden. Nach Angaben einer Sprecherin wird noch mit verschiedenen Werkstoffen experimentiert und an der Größe für eine optimale Passform getüftelt.

Schutzmasken aus dem 3D-Drucker: Ausgetüftelt von Werkstattmitarbeitern an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule in Halle/Saale.
Burg Giebichenstein Kunsthochschule in Halle/Saale
Schutzmasken aus dem 3D-Drucker: Ausgetüftelt von Werkstattmitarbeitern an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule in Halle/Saale.
Die Masken sollen der Stadt Halle kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Wahrscheinlich Ende dieser Woche werde der Katastrophenschutzstab der Stadt in Absprache mit dem in der Stadt ansässigen Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen die Masken prüfen und abnehmen. Die Hochschule ist noch auf der Suche nach dem optimalen Material für die textile Filtermatte. Sobald die reguläre Produktion der Schutzmaske erfolgt, werden sie der städtischen Hauptwache der Feuerwehr zur Verfügung gestellt.

Die Kapazität beträgt momentan 20 Stück pro Woche und soll gesteigert werden.
Burg Giebichenstein Kunsthochschule in Halle/Saale
Die Kapazität beträgt momentan 20 Stück pro Woche und soll gesteigert werden.
Außerdem entwickeln Studierende und Mitarbeiter der Studienrichtungen Mode und Textil der Kunsthochschule verschiedene Anleitungen für einen textilen Mund-Nasen-Schutz aus festem und leicht zu reinigendem Baumwollstoff. Geplant ist, die Masken an der Hochschule herzustellen.

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