Unabhängig von der Corona-Krise

Studie prognostiziert drastisches Ladensterben

Leerstände in den deutschen Innenstädten werden zunehmen. Eine IFH-Studie sagt ein starkes Ladensterben für die nächsten zehn Jahre voraus.
Leerstände in den deutschen Innenstädten werden zunehmen. Eine IFH-Studie sagt ein starkes Ladensterben für die nächsten zehn Jahre voraus.

Alarmierende Prognose zum Thema Ladensterben in deutschen Innenstädten: Bis 2030 könnten bis zu 64.000 Handelsunternehmen in Deutschland wegfallen, ergab eine Studie des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH) – und dabei sind die Folgen der Corona-Krise noch gar nicht einbezogen.

Ein Wachstum im Einzelhandel sei nur bedingt erkennbar. Bis 2030 könnten bis zu 64.000 Handelsunternehmen in Deutschland wegfallen, lautet das Ergebnis der aktuellen IFH-Studie „Handelsszenario 2030“.


Insgesamt betrage das Handelsvolumen 628 Mrd. Euro. Zwischen 2010 und 2019 habe der Einzelhandel in Deutschland zwar ein Umsatzplus von 134 Mrd. Euro verzeichnet. Ziehe man aber zum Beispiel das Wachstum des Online-Handels, Dienstleistungen im Einzelhandel und andere Bereiche ab, reduziere sich das Handelswachstum auf knapp 53 Mrd. Euro, so das IFH. Abzüglich der Umsatzzuwächse des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) bleibe dem stationären Nonfood-Handel lediglich eine Umsatzsteigerung von 15,1 Mrd. Euro.



In der Modebranche wird der Online-Anteil der Studie zufolge auf 40 bis 49% im Jahr 2030 steigen. Die Anzahl der Geschäfte im Fashion-Fachhandel könne dabei um deutlich mehr als ein Drittel abnehmen, was sich entsprechend auf den Anteil des stationären Fachhandels am Umsatz des Modemarktes auswirke. In hohem Maße betreffe dies den kleinbetrieblichen Fachhandel. Allerdings könne der stationäre Handel wiederum im Online-Handel selbst Anteile
hinzugewinnen.

„Reales Wachstum nur in wenigen Handelszweigen“

„Handelswachstum ist nicht gleich Handelswachstum. Wenn wir uns die Entwicklung der deutschen Handelslandschaft ansehen, müssen wir die einzelnen Formate und Branchen differenziert betrachten. Reales Wachstum finden wir lediglich in wenigen Handelszweigen“, sagt Susanne Eichholz-Klein, Mitglied der Geschäftsleitung am IFH Köln.

Nicht eingerechnet ist die Entwicklung, die sich durch die Coronakrise ergibt. Das Institut geht aber davon aus, dass sich die Pandemie wie ein Zeitraffer auswirken kann und dass der für die Studie angenommene Zeitpunkt – das Jahr 2030 – sich dadurch nach vorn verschiebt.



Die Studie zeigt verschiedene Szenarien für die Entwicklung des deutschen Handels bis 2030 auf – mit Blick auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Konsumenten. Die Szenarien unterscheiden sich beispielsweise in der künftigen Bedeutung des Online-Handels und in der Konsumneigung der Verbraucher, also ob sie zum Beispiel beim Shoppen erlebnis- und mehrwertorientiert sind oder gar stark bedarfsorientiert. Aus allen Szenarien lassen sich drastische Rückgänge ableiten – sie liegen zwischen 26.000 und 64.000 Unternehmen weniger bis 2030 im gesamten deutschen Einzelhandel.

Mehr denn je sei der Handel jetzt gefordert, einen Paradigmenwechsel vorzunehmen, so Boris Hedde, Geschäftsführer des IFH Köln. „Auf das Zeitalter der Perfektion von Prozessen rund um Beschaffung und Absatzoptimierung folgt ein neues Zeitalter, dass die persönliche Nähe in den Fokus setzen muss. Es geht in der Zukunft darum, Handel immer mehr als Freizeitgut zu verstehen und so in der Branche eine komplett andere Wertewelt und ein neues Leistungsversprechen zu erschaffen“, sagt Hedde.

Um aus dem Teufelskreis von weniger Innenstadtbesuchern und schließenden Geschäften auszubrechen, sei der Handel angehalten, sich im Spannungsfeld von Convenience, Erlebnis, lokalen sowie digitalen Angeboten neu zu positionieren und sich verstärkt als Freizeitelement neu zu definieren.

stats