Unitex-Geschäftsführer Gerhard Albrecht über Partnerschaft und eine neue Welt

„Alle Beteiligten sind aufgefordert, bis ans Limit zu gehen“

Unitex
Unitex-Chef Gerhard Albrecht: "Für Einzelkämpfer auf Händler- wie auf Lieferantenseite wird es auf absehbare Zeit noch schwieriger werden."
Unitex-Chef Gerhard Albrecht: "Für Einzelkämpfer auf Händler- wie auf Lieferantenseite wird es auf absehbare Zeit noch schwieriger werden."

Die TW hat Macher aus der Branche gefragt, welche Learnings sie aus der Corona-Krise ziehen, wie sie den Restart gestalten und wie ihre Visionen für 2021 aussehen. Unitex-Geschäftsführer Gerhard Albrecht über Valuta, Gemeinsamkeiten und eine neue Welt.

TextilWirtschaft: Was sind Ihre Learnings aus dem Lockdown?
Gerhard Albrecht: Es sind wieder echte unternehmerische Eigenschaften gefragt. Vieles ist überraschend, neu und manchmal unverständlich. Dennoch gilt es, die wesentlichen Ziele im Fokus zu behalten und alle Handlungen darauf auszurichten. Gerade in solchen Phasen zeigt sich, wer wirklicher Unternehmer/in ist!


Wie könnte ein stufenweiser Re-Start im Handel aus Ihrer Sicht aussehen? Wie wird er kommuniziert? 
In den einzelnen Ländern sieht das doch sehr unterschiedlich aus. Ein gutes Beispiel ist Neu-Ulm auf der bayerischen Donauseite. Hier dürfen die Läden erst ab dem 27. April öffnen. Die gleichen Läden durften auf der Ulmer — also auf der baden-württembergischen Seite — bereits am 20. April öffnen. Das ist schon mehr als unverständlich, auch hinsichtlich der Ladengrößen. Für Re-Opening-Kampagnen haben wir diverse Agenturen beauftragt. Einige Ideen davon sind auf der Unitex-Homepage zu finden.

Stichwort Warendruck: Wie gehen die Händler damit um?
Wir haben dazu eine Reihe von grundlegenden Vereinbarungen mit unseren Zentralregulierungslieferanten getroffen und diese über Newsletter sowie auf der Homepage kommuniziert. Hier wird sich meiner Meinung nach die Spreu vom Weizen trennen. Ich hoffe sehr, dass man im Nachgang sehr genau analysiert, welche Lieferanten sich wirklich partnerschaftlich verhalten haben. Nur 30 Tage Valuta zum Beispiel sind wie die Verabreichung einer Kopfschmerztablette bei einer lebensbedrohlichen Krankheit. Das kann nicht wirklich helfen. Alle Beteiligten sind aufgefordert, bis ans Limit zu gehen.

Welche Visionen haben Sie für 2021?
Hoffnung ist, dass möglichst viele Marktteilnehmer gemeinsam diesen besonders anspruchsvollen Kampf gewinnen. Wir werden mit einer "neuen Welt" konfrontiert. Ich hoffe auch sehr, dass die Menschen unterscheiden können zwischen denen, die nur rhetorisch weit vorne sind und denen, die wirklich geholfen haben und auch weiterhin verlässlich zur Seite stehen. Wir werden im Bereich der Mode noch einen langen und schwierigen Weg zu bewältigen haben. Das wird meiner Meinung nach zukünftig nur in der Gemeinsamkeit, in einer Verbundgruppe möglich sein. Für Einzelkämpfer auf der Händler- wie auf der Lieferantenseite wird es auf absehbare Zeit noch schwieriger werden.

stats