Maßnahmenpaket gegen die Corona-Krise

Gap zieht Milliarden-Kredit und stoppt Mietzahlungen

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Gap hat alle nordamerikanischen Stores wegen der Corona-Krise vorübergend geschlossen.
Gap hat alle nordamerikanischen Stores wegen der Corona-Krise vorübergend geschlossen.

Der US-amerikanische Modekonzern Gap Inc. (u.a. Gap, Old Navy, Banana Republic, Athleta) hat eine Reihe von Maßnahmen beschlossen, um sich finanziell gegen die Folgen der Corona-Krise zu wappnen.

Das in San Francisco ansässige Unternehmen, das im März wegen der Pandemie alle nordamerikanischen Filialen und zahlreiche ausländische Läden geschlossen hat, schöpft seinen kompletten Kreditrahmen von 500 US-Dollar (464,69 Mio. Euro) aus, stoppt Mietzahlungen für die wegen der Pandemie geschlossenen Läden, zieht seine am 12. März veröffentlichte Prognose für das laufende Geschäftsjahr zurück, stoppt das Aktienrückkaufprogramm, reduziert die Kapitalausgaben in diesem Jahr um 300 Mio. Dollar und stellt alle operativen Ausgaben auf den Prüfstand.

Darüber hinaus hat das Management die Auszahlung der bereits beschlossenen Dividende für das erste Quartal auf unbestimmte Zeit verschoben. Für die darauffolgenden Quartale des laufenden Geschäftsjahres werde es definitiv keine Dividenden geben.


Große Einschnitte gibt es auch im Personalbereich: Mehr als die Hälfte der Store-Mitarbeiter in den USA und Kanada werden bis zur Wiedereröffnung der Läden beurlaubt, bekommen aber weiterhin Vorteile wie Prämien für Krankenversicherungen. Zudem muss das gesamte Führungsteam inklusive Verwaltungsrat (Board of Directors) Gehaltskürzungen hinnehmen. Ferner soll die Zahl der Mitarbeiter weiter gesenkt werden.

Weitere Maßnahmen sind u.a. die Reduzierung der Ausgaben für den Einkauf von Waren sowie die Verlängerung der Zahlungsziele für Waren und Dienstleistungen.

Ob all das reicht, steht offenbar noch in den Sternen: „Es kann keine Garantie dafür geben, dass wir diese Maßnahmen erfolgreich abschließen werden“, heißt es in einer Börsenpflichtmitteilung. Der Grund: „Es gibt keine vergleichbaren Ereignisse aus jüngster Zeit, die Anhaltspunkte dafür liefern, welche Auswirkungen die Ausbreitung von Covid-19 als globale Pandemie haben könnte.“ In der Folge seien die Auswirkungen auf das Geschäft „höchst ungewiss und ständigen Änderungen unterworfen“. Das Gleiche gelte für die Schritte, die der Modekonzern möglicherweise unternehmen muss, um auf die künftigen Auswirkungen zu reagieren.


Die Krise kommt für Gap zur absoluten Unzeit. Schließlich sieht es für die Kalifornier finanziell eh nicht besonders rosig aus: Im vierten Quartal des vergangenen Geschäftsjahres rutschte der Modehersteller in die roten Zahlen: Das Nettoergebnis sank von 276 Mio. Dollar auf minus 184 Mio. Dollar. Für das gesamte Geschäftsjahr verbuchte der Gap-Konzern zwar einen Gewinn von 351 Mio. Dollar. Das waren allerdings fast zwei Drittel weniger als im Vorjahr. Der Umsatz ging um 1% auf 16,38 Mrd. Dollar zurück.

Wegen des schwächelnden Geschäfts wurde bereits Anfang 2019 ein gewaltiges Umstrukturierungsprogramm angeschoben. Dieses beinhaltet u.a. die Schließung von etwa 270 der insgesamt 3919 Stores. Zwischenzeitlich sollte auch die Konzernmarke Old Navy abgespalten und getrennt an die Börse gebracht werden. Nach dem Abgang von Konzernchef Art Peck wurde das Projekt aber wieder abgeblasen.

Immerhin hat sich nach längere Suche eine neue Führungsspitze gefunden: Die bisherige Old-Navy-CEO Sonia Syngal stieg im März zur Konzernchefin auf.

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