Valuta, Skonto, Lieferstopp

Die Industrie und ihre Strategien

Foto: Olymp
Ein Brandbrief der Katag hat die Industrie unter Zugzwang gebracht. Viele Modeanbieter kommen den Forderungen des Einkaufsverbands nun nach.
Ein Brandbrief der Katag hat die Industrie unter Zugzwang gebracht. Viele Modeanbieter kommen den Forderungen des Einkaufsverbands nun nach.

Wer zahlt wann was? Wer liefert noch? Wer nicht? Nach und nach reagieren immer mehr Bekleidungshersteller auf die Forderungen des Handels, die Warenauslieferungen unverzüglich zu stoppen, Stornierungen zu ermöglichen sowie großzügigere Zahlungsziele zuzulassen.

Vor allem ein Brandbrief der Katag hatte die Industrie unter Zugzwang gebracht. Der Einkaufsverbund fordert darin einen sofortigen Stopp der Lieferungen an den Handel. Viele Modeanbieter kommen den Forderungen nach. Die TW berichtete. Nun äußern sich weitere Bekleidungshersteller zu ihren Krisenstrategien in Bezug auf ihre Partner im Wholesale.

„Wir werden die Lieferungen bis auf Weiteres stoppen, diese aber umgehend nachholen, sobald die Schließungen des Einzelhandels aufgehoben sind. Dies bedeutet, dass unsere Lieferverpflichtung und ihre Abnahme- und Zahlungsverpflichtung – hoffentlich geringfüg – verschoben, aber nicht aufgehoben werden“, äußert sich Markus Dotterweich, Executive Vice President Gerry Weber, gegenüber den Handelspartnern.

Eine Unterbrechung der Lieferungen gibt es auch bei Lerros: „Wir verstehen, dass unseren Handelspartnern insbesondere dieses Thema aufgrund der aktuellen Situation unter den Nägeln brennt. Ab sofort werden sie bis auf Weiteres keine Warenlieferungen von uns mehr erhalten. Sowohl die Auslieferung der aktuellen Vororderware, als auch die NOS & Seasonal-Nachzüge haben wir für alle unsere Marken und Konzepte komplett gestoppt“, heißt es aus dem Unternehmen. Der Appell an die Händler: „Sie werden verstehen, dass dieser Schritt auch für uns einen massiven Einschnitt bedeutet. Wir gehen daher davon aus, dass wir im Umgang mit der jetzt zurückbehaltenen Ware nicht alleine gelassen werden und nach dem gemeinsamen Überwinden dieser Ausnahmesituation eine für alle Seiten gute Lösung hierfür finden.“

Christoph Brandts, Geschäftsführer Fynch-Hatton: „Es ist unfassbar was passiert, wir sind wie paralysiert und haben heute einen Lieferstopp verhängt, da uns schon Retouren von Kunden erreicht haben und wir unnötige Kosten vermeiden wollen. Wir haben volles Verständnis für die Situation unserer Partner, allerdings können wir ihnen auch keinen Freifahrtschein ausstellen, denn sie haben sich zur Abnahme unserer Ware verpflichtet und wir wollen keine Probleme wegen Lieferverzug bekommen. Daher suchen wir nun den Dialog. Stornierungen zum Herbst können wir nicht akzeptieren. Eingeplante Extra-Lagermengen zum Herbst haben wir allerdings gekappt - wir hatten mit einem Plus auf Lager geplant, doch das ist nun absolut illusorisch. Wenn die Lage so bleibt, wird das Unternehmen, bis auf eine Notbesetzung für zwei Wochen in Betriebsurlaub gehen. 70.000 Teile liegen nun bei uns auf Lager, viele T-Shirts und Polos, die wir jetzt zum Sommer ausgeliefert hätten."

Zurückhaltend ist man derzeit noch bei dem DOB-Premiumlabel Marc Cain. Geschäftsführer Frank Rheinboldt will sich erst einen profunden Überlick verschaffen und sagt: „Natürlich bieten wir verschiedene Valuta-Lösungen an und sind permanent mit unseren Partnern im Gespräch. Aber ich halte nichts von voreiligen Äußerungen und Entscheidungen. Wir machen derzeit eine genaue Bestandsaufnahme mit entsprechenden Hochrechnungen, um dann genau zu planen, wie wir vorgehen.“



Der Wäsche-Anbieter Triumph teilt den Händlern mit: „Als Reaktion auf die sich dynamisch entwickelnde Situation haben wir am 16.03.2020 eine automatische Liefersperre aller laufenden Aufträge der Marken Triumph und sloggi veranlasst. Alle seither offenen Auftragsbestände werden nun bis zur weiteren Freigabe Ihrerseits zurückgehalten und Waren nur dann aus unseren Lagern an Sie versandt, wenn ausdrücklich eine Belieferung durch Sie angewiesen wurde, sofern unsere Distributionszentren in Betrieb sind.“ Weiter äußert sich die Geschäftsführung: „Wir möchten auch darauf hinweisen und bitten um Verständnis, dass bereits erfolgte Lieferungen nicht an uns retourniert werden können. Dies würde erhebliche zusätzliche Kosten für alle Seiten verursachen und kann von unserer Seite auch logistisch nicht verarbeitet werden.“ Zudem schreiben die Manager: „Wir evaluieren Valuta-Lösungen für die Herbst-Winter 2020 Ware, um Ihre Liquidität nicht zusätzlich mit dem Ankauf von Saisonware zu belasten.“

Bei der Agentur Jellinghaus in München mit den Labels Johnstons of Elgin, John Smedley, Pampuschen u.a., bekommt man dieser Tage unzählige Anrufe und Mails von Handelskunden, die sich sorgen, dass stationäre wie Online-Händler aufgrund des Warendrucks nach Wiedereröffnung der Läden sofort in die Sale-Phase gehen werden. Gerade für mittlere und kleine Einzelhandelsgeschäfte wäre das das Aus, gibt Anke Jellinghaus zu bedenken. Man wünsche sich eine Gesetzesregelung, die Schlussverkäufe auf die in der Vergangenheit gültigen Termine Ende Juli und Ende Januar festlegt, heißt es. Der Handel benötige nun dringend ein längeres Zeitfenster für den regulären Verkauf seiner Waren. So müssten kommende Saisons ausgedehnt werden, um Margen erzielen zu können und verzögerte Liefertermine aufgrund der schwierigen Produktionsabläufe/Beschaffung möglich zu machen.

Carolin Kittel, Geschäftsführerin des Womenswear-Anbieters Frank Walder, sagt: „Da wir bis zum heutigen Zeitpunkt das Ausmaß der Corona-Pandemie nicht ermessen können, werden wir warten, bis wir wissen, wie die staatliche Hilfe aussehen wird, um dann gemeinsam und besonnen mit unseren Partnern Maßnahmen zu beschließen. Vorerst haben wir alle Lieferungen gestoppt.“

Mark Bezner, Geschäftsführer Olymp: "Wir werden in der nächsten Zeit wahnsinnig viel planen müssen, um uns in Sachen Beschaffung und Produktion auf die Lage einzustellen. Es hat uns enorm viel gekostet, die Frühjahrs- und Sommerware pünktlich und in vollem Umfang aus Asien hierher zu transportieren und jetzt kann sie nicht ausgeliefert werden. Auch wir haben einen Lieferstopp. Das ist bitter. Aufgrund unserer langfristigen Beschaffungszyklen, können wir da nicht einfach alles umstellen oder stoppen. Auch in den kommenden Wochen wird uns neue, weitere Ware erreichen, wofür wir wahrscheinlich externe Lagerkapazitäten anmieten werden. Schaden ist uns auch schon durch unser großes NOS-Programm entstanden, das wir unseren Kunden zu Verfügung stellen und auf dessen Abnahme wir nicht bestehen werden können. Was das Thema Online betrifft, läuft hier das Geschäft natürlich in unserem eigenen Shop und bei unseren Partnern weiter. Aber wir beobachten schon jetzt, dass es momentan beim Kaufverhalten keine Priorität für Kleidung gibt. Warum soll ich mir ein neues Hemd kaufen, wenn ich zuhause sitze und meine Freunde nicht sehen darf? Es überwiegen Angstkäufe statt Lustkäufe.“

Bei Rich& Royal heißt es: „Ab sofort stoppen wir alle Auslieferungen deutschlandweit. Sollten Sie Ware annehmen können, teilen Sie uns dies bitte schriftlich mit, dann werden wir Sie individuell beliefern. Dieser Auslieferstopp wird nach Beendigung der behördlich angeordneten Geschäftsschließungen automatisch von uns wieder aufgehoben. Die dann noch zu liefernde F/S-Ware werden wir ab Liefertag um 30 Tage valutieren (mögliche bereits bestehende Valutazusagen werden dabei angerechnet).“

Der Schuhhersteller Gabor erklärt: „Gabor hat sich in der Vergangenheit stets als verlässlicher Partner des Handels gezeigt. Dazu gehört auch, dass wir Ihnen das größte Nachlieferprogramm der Branche anbieten. So konnten sich unsere Handelspartner stets eng an der Saison- Nachfrage orientieren, das Warenrisiko lag und liegt dafür vollständig auf unserer Seite. Diese Situation, kombiniert mit einer stark rückläufigen Erstorder für Herbst- Winter-Ware, bedeutet aktuell eine enorme Belastung für unser Unternehmen. Aus diesem Grunde können wir weitergehende Valuta- und sonstige Wünsche nicht akzeptieren. Diese Diskussion wird uns in den nächsten Tagen weiter begleiten.
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