Verlagerung zu E-Commerce

Shutdown: Profitieren jetzt Online-Retailer?

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Nach einer aktuellen Umfrage des bevh verzeichnen 41% der Onliner Nachfragerückgänge, mehr als sechs von zehn Unternehmen erwarten diese im Jahresverlauf.
Nach einer aktuellen Umfrage des bevh verzeichnen 41% der Onliner Nachfragerückgänge, mehr als sechs von zehn Unternehmen erwarten diese im Jahresverlauf.

Es mag naheliegend sein. Läden zu – der Online-Handel profitiert. Sicher möglich, dass der eine oder andere Kunde im Schutze seiner vier Wände das eine oder andere Teil jetzt online bestellt. Das gilt gewiss für Produkte zur Grundversorgung, aber Mode?

Das sagen die Online-Retailer:

„Zum jetzigen Zeitpunkt können wir nicht feststellen, dass die Kunden wegen des Coronavirus mehr online shoppen“, sagt eine About You-Sprecherin. Zalando spürt gar, je nach Region, Rückgänge: „Bis zu den Ausgangssperren in mehreren Ländern haben wir keine größeren Auswirkungen auf das Geschäft verzeichnet. Seit den Einschränkungen des öffentlichen Lebens stellen wir negative Auswirkungen in Form von geringerer Nachfrage in den betroffenen Gebieten fest", sagt eine Zalando-Sprecherin.

„Der Onlinehandel spürt – wie der gesamte Einzelhandel auch – die sich abkühlende Konsumkonjunktur“, sagt ein Unternehmenssprecher der Otto Group. „Die Konzerngesellschaften der Otto Group sind ganz unterschiedlich von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen. In Summe laufen die Geschäfte derzeit auf einem stabilen Niveau. Mittel- und langfristig sind die ökonomischen Folgen allerdings sehr schwer einzuschätzen.“

Corona trifft offline wie online

Wenn Shopping in diesen schwierigen Zeiten zunehmend keinen Spaß mehr macht, geschweige denn Priorität hat, dann gilt das für das Mode-Business offline wie online gleichermaßen. Das untermauert eine aktuelle Studie des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel (bevh). Demnach verzeichnen 41% der Onliner Nachfragerückgänge, mehr als sechs von zehn Unternehmen erwarten diese im Jahresverlauf. Lediglich 11% berichten von mehr Bestellungen.

Lieferengpässe, Verzögerungen, Ausfälle

Gut jeder zweite Online-Händler in Deutschland geht von Umsatz- und Ergebnisminderung durch Lieferengpässe aus. Knapp 60% berichten von Lieferverzögerungen, rund 30% gar von Lieferausfällen. „Ich glaube, dass About You gestärkt aus der derzeitigen Phase hervorgehen kann. Die Frage bei uns ist aber, ob wir in drei Wochen noch ein Lager haben werden“, sagt CEO Tarek Müller im OMR-Podcast.

Anhaltende Beeinträchtigungen sieht Zalando diesbezüglich bisher nicht. „Zalando ist in 17 Märkten tätig, wir beziehen unsere Produkte aus verschiedensten Quellen auf der ganzen Welt, der Großteil unserer Bestände befindet sich bereits in unseren Logistikzentren, unser internationales Netzwerk an Partnern und Marken ist groß; über das Zalando Partnerprogramm bieten diese ihre Produkte zum Teil auch direkt über unsere Plattform an und versenden aus ihren eigenen Logistikstandorten. Darüber hinaus verfügen wir über ein dichtes Logistiknetzwerk“, sagt eine Sprecherin. Probleme in diesem Bereich sieht sie nicht.

Dabei hatten 25% der vom bevh befragten Onliner angegeben, dass geringe Transportkapazitäten den Warennachschub behindern. „Wir begrüßen es zudem, dass die EU bisher ihre Binnengrenzen für den Warenverkehr offen hält. Das Gleiche gilt für die Aufrechterhaltung von grundlegenden Services bei der Post- und Paketzustellung. Diese Schritte werden entscheidend sein, um ökonomische Auswirkungen während der Krise abzufedern", so die Zalando-Sprecherin weiter. Auf der letzten Meile sind die Einschränkungen noch nicht so massiv: Lediglich 5,5% der Bestellungen können laut Studie mangels Transportkapazitäten nicht versendet werden.

Sicherheit bei Versand und Zustellung

Derweil ergreifen E-Commerce-Händler Maßnahmen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen und Kunden mehr Sicherheit zu geben. So hat beispielsweise Net-a-Porter Anfang der Woche alle Newsletter-Abonnenten über die Sicherheitsvorkehrungen bei Versand und Auslieferung informiert: „Wir verfahren gemäß der Empfehlungen der WHO und stellen zu jedem Zeitpunkt sicher, dass alle angemessenen Gesundheits- und Hygienestandards eingehalten werden.“ Zustellfahrer benutzten durchgehend Handdesinfektionsmittel, Lieferwagen würden täglich gereinigt. Mittlerweile hat der Großteil der Onliner ähnlich lautende Emails verschickt.
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