Wäscheanbieter vor den Lockerungen des Shutdown

Mit Cups gegen Corona

Den Menschen geht die Wäsche aus. Denn viele kaufen doch nicht online. Wäschehersteller und Dessoushändler stehen in den Startlöchern. Mit der schrittweisen Öffnung der Textilgeschäfte ab kommender Woche und der Produktionsaufnahme in Asien verbinden viele eine Verbesserung der Situation im Abverkauf und bei der Warenbeschaffung.

Mit der Supreme Body & Beach in München Mitte Februar ging für die Wäschebranche die Orderrunde Herbst/Winter 2020 zu Ende. Die Aufträge waren positioniert, die Frühjahrs-Kollektionen an den Handel geliefert, die Branche zufrieden, da sich die Wäscheumsätze seit Saisons mit einem kleinen Plus im Textilmarkt behaupten. Dann kam Corona. Der Shutdown stoppt abrupt Auslieferungen und den Verkauf im stationären Handel. Doch viele der familiengeführten Wäscheproduzenten aus dem Alb-Raum – Mey, Nina von C., Speidel, Rösch, Trigema – reagieren schnell, innovativ und flexibel. Mit einer Produktionsumstellung auf Community- und Medizinprodukt-Masken. Eine Übergangslösung, „mit der wir jedoch viele unsere Mitarbeiter weiter beschäftigen und ihr Know how im Unternehmen halten können“, sagt Matthias Mey, Managing Director von Mey Bodywear, in Albstadt, wo 130 Mitarbeiter in Vollbetrieb zertifizierte Masken produzieren.


Abseits der Maskenproduktion stehen die Hersteller derzeit aber auch im engen Austausch mit Handel und Lieferanten. Denn die hohen Warenmengen am POS zwingen zu Disziplin, wenn die Geschäfte ab nächster Woche wieder schrittweise öffnen. „Was wir auf jeden Fall vermeiden müssen, ist eine tiefrote Rabattschlacht“, sagt Wäscheberaterin Gaby Hobmaier. „Auch wenn der Warendruck überall hoch ist, eine Verlängerung der Zahlungsziele, eine Verschiebung der Herbst-Lieferungen nach hinten oder auch die Verlagerung ganzer Zwischenserien auf das nächste Frühjahr gäben dem Handel den notwendigen Spielraum, um noch auf die notwendigen Margen zu kommen.“

Doch nicht jeder zeigt sich hier kooperativ. In den Verhandlungen setzt man eher auf individuelle Vereinbarungen, weniger auf allgemein verpflichtenden Aussagen, so hört man aus dem Markt. Fest steht: Im NOS/Basic-Segment haben viele Hersteller die automatische Aufstockung vorerst eingestellt. „Aber auch wir stehen bei unseren Vorlieferanten in der Verpflichtung, haben bereits vorfinanzierte Ware auf Lager“, heißt es beispielsweise bei einem Anbieter für trendige, sehr junge Lingerie. Man empfiehlt daher zum Re-Start eine zügige Reduzierung, sowohl im stationären Handel, als auch online: „Die Sommerware, die jetzt schon einige Wochen am POS und online verfügbar ist, sollte möglichst schnell als Sale verkauft werden. Es macht weder wirtschaftlich noch ökologisch Sinn, die Produkte erneut zu verpacken und an die Hersteller zurück zu schicken. Wir sind selbstverständlich bereit, uns in dieser Situation an höheren Abschriften zu beteiligen, selbst wenn diese einige Prozentpunkte über den liegen, die wir in den Verträgen vereinbart haben. Umso schneller die Ware abverkauft ist, umso eher tritt wieder Normalität am POS ein.“

Grundsätzlich halte der Anbieter an den Ordereingängen Herbst fest. „Selbstverständlich sind auch wir bereit über die Volumina zu verhandeln. Sollte die platzierte Order jedoch um mehr als 20 Prozent zurückgefahren werden, bestehen wir auf den vertraglich vereinbarten Strafgebühren. Das gilt auch gegenüber unseren Online-Partnern“

Dennoch gilt für viele: Dessous und Lingerie, BHs, Slips und Hemdchen können vielfach auch über einen längeren Zeitraum zu regulären Preisen verkauft werden, handelt es sich meist doch um Standards. Deutlich sensibler zeigt man sich bei der Swimwear. „Wenn meine Kunden in diesem Jahr nicht in den Urlaub fahren dürfen, Schwimmbäder und Baggerseen geschlossen bleiben, dann sehe ich schwarz für meine Bademode-Umsätze“, stellt eine Händlerin mit Ernüchterung fest. „Vielen meiner Kundinnen reicht dann für Balkonien oder ihren eigenen Garten noch der Bikini vom letzten Jahr.“ Ihre Hoffnung: „Vielleicht laufen dafür stärker Haus- und Strandkleider.“

Fest steht: Von der schrittweisen Öffnung der Geschäfte ab kommender Woche können, allein schon aufgrund ihrer Größe, überdurchschnittlich viele Multibrand- und Markenstores der Wäschebranche profitieren. Mit welchen Maßnahmen und Problemstellungen Hersteller wie Handel aktuell im Wäschemarkt konfrontiert sind, zeigt eine Momentaufnahme.

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