Warenhauskrise eskaliert

Galeria rettet sich ins Schutzschirmverfahren

Einer von rund 170 Standorten: Galeria-Haus in Hannover
Einer von rund 170 Standorten: Galeria-Haus in Hannover

Die Geschäftsführung von Galeria Karstadt Kaufhof hat am Mittwoch beim  Amtsgericht Essen einen Antrag auf Einleitung eines Schutzschirmverfahrens gestellt. Betroffen ist auch Karstadt Sports, die Neuerwerbung SportScheck jedoch nicht. Galeria hatte zuletzt bereits die Mietzahlungen und die Überweisungen an Lieferanten eingestellt.



Damit ist das Unternehmen zunächst einmal vor Zugriffen von Gläubigern geschützt. In der vergangenen Woche hatte bereits Esprit das Schutzschirmverfahren für seine deutschen Gesellschaften beantragt.

„Das Schutzschirmverfahren ist der richtige Schritt in die Zukunft. Aus Verantwortung für das Unternehmen, seine Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten und auch für die deutschen Innenstädte", erklärte Miguel Müllenbach, CFO von Galeria Karstadt Kaufhof. Der Konzern beschäftigt rund 28.000 Mitarbeiter.


Die bisherige Geschäftsführung bleibt an Bord. Restrukturierungsexperte Arndt Geiwitz – früher Insolvenzverwalter bei Schlecker und Weltbild – kommt als Generalbevollmächtigter hinzu. Sachwalter ist Frank Kebekus, einst Insolvenzverwalter von Wehmeyer. Über beide hatte die TW schon in den vergangenen Tagen im Zusammenhang mit der Galeria-Krise berichtet.

Eigentümer Signa stellt weitere 140 Mio. Euro zur Verfügung, um das Unternehmen dauerhaft zu erhalten. "Die harten wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise für den innerstädtischen Non-Food-Handel und die langwierige Umsetzung staatlicher Hilfe über die Hausbank haben diesen Schritt notwendig gemacht", heißt es in der Pressemitteilung.

Die Verhandlungen um staatliche Unterstützung haben somit nicht das gewünschte Ergebnis gebracht.

Unternehmenschef Stephan Fanderl taucht in der Mitteilung zur Anmeldung des Schutzschimverfahrens nicht auf. Im Unternehmen gilt die Nummer eins derzeit als krank.

„Die Sanierung und Zusammenführung der Warenhäuser von Galeria Karstadt Kaufhof war vor dieser Krise auf einem sehr guten Weg. Wir haben uns dieser historischen Aufgabe gestellt und sehr hart daran gearbeitet, dem Warenhaus in der deutschen Innenstadt eine langfristige Zukunft zu geben", so Müllenbach. Seit dem 18. März sind wegen Corona allerdings alle Häuser des Konzerns geschlossen. Der Umsatzverlust pro Woche liege bei 80 Mio. Euro, hatte das Unternehmen erklärt.

Müllenbach: „Wir haben uns ab dem ersten Tag des Shut Down mit aller Kraft auch um die versprochene staatliche Hilfe bemüht." Er kritisierte – wie schon andere Handelsmanager vor ihm – das Verhalten einiger Gechäftsbanken: "In der Umsetzung der staatlichen Garantien kommt den Geschäftsbanken die entscheidende Rolle zu. Dieser Prozess ist sehr bürokratisch, kostet wertvolle Zeit, ist mit zusätzlichen Hürden verbunden – und hat deshalb einen ungewissen Ausgang." Das hätten die Gespräche mit der langjährigen Hausbank gezeigt. "Auf eine Lösung können wir aber nicht noch weitere Wochen der Krise warten, sondern müssen jetzt handeln“, so Müllenbach.

Nach TW-Informationen hatte Eigentümer Signa in den Verhandlungen mit der Politik einen dreistelligen eigenen Betrag zur Rettung angeboten - in der Hoffnung, im Gegenzug 700 bis 800 Mio. Euro Staatshilfe zu bekommen.

Galeria erklärte am Mittwoch, Signa habe in den vergangenen Monaten bereits über 500 Mio. Euro in das Unternehmen gesteckt. In dieser Woche seien weitere 140 Mio. Euro überwiesen worden.

"Für das laufende Geschäftsjahr rechneten wir mit einem Ebitda von mehr als 100 Mio. Euro", so Müllenbach. "Nun tun wir unter dem Schutzschirm alles dafür, dass wir diesen Weg weitergehen können." Das Team sei bereit, nach der Wiedereröffnung wieder für die Kunden da zu sein.

Im Juni 2009 war die Kernmarke Karstadt bereits in die Insolvenz geraten, damals als Teil des Arcandor-Konzerns. Zunächst unter dem neuen Eigentümer Nicolas Berggruen und dann unter der österreichischen Signa liefen Betrieb und Sanierung weiter. Vor eineinhalb Jahren gelang Signa dann nach mehreren Anläufen auch die Übernahme des Wettbewerbers Galeria Kaufhof. Als Galeria Karstadt Kaufhof sollte der Neustart gelingen.



Signa ist über eine seiner Gesellschaften nicht nur Betreiberin des operativen Geschäftes, sondern an vielen Standorten gleichzeitig auch Vermieter. Ein Großteil der Immobilien, in denen Galeria das Geschäft betreibt, gehört jedoch Externen.

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