Warenvolumen fällt um 45%

Stresstest für The Real Real

www.therealreal.com
Wetten auf den Resale-Markt: The Real Real
Wetten auf den Resale-Markt: The Real Real

Die Resale-Plattform The Real Real zählt zu den Innovatoren in der Modebranche. Doch die Coronavirus-Pandemie trifft das Unternehmen hart. Seitdem die USA Restriktionen verhängt haben, geht es abwärts. Um das Geld in der Kasse zu halten, werden Mitarbeiter entlassen und beurlaubt.

Neue Geschäftsmodelle in der Mode sind nicht immun gegen die Covid-19-Pandemie. Der Resale-Anbieter The Real Real aus San Francisco, über dessen Seite Kundinnen gebrauchte Luxusware verkaufen und kaufen können, berichtet von einem starken Rückgang der Transaktionen seit Mitte März. Das ist der Moment, ab dem der US-Bundesstaat Kalifornien Restriktionen verhängt hat. Seit dem 17. März sei das Bruttowarenvolumen um 40 bis 45% gesunken. Anfang März habe es noch 30%, in der zweiten Märzwoche noch 12% über dem Vorjahr gelegen. In den ersten drei Monaten seien damit Waren im Wert von 258 Mio. Dollar (236 Mio. Euro) ge- und verkauft worden, was einem Plus von 15% entspreche, teilte The Real Real mit. Die Zahlen sind noch vorläufig.


„Wir waren auf einem guten Weg im ersten Quartal. Doch dann änderte sich alles, als sich die Covid-19-Pandemie auszubreiten begann“, sagte The Real Real-CEO Julie Wainwright. „Wir sind betroffen, weil die Kunden zu Hause bleiben und Abstand halten müssen.“ Angesichts der Tatsache, dass die Dauer der Pandemie nicht vorhergesagt werden könne, werde The Real Real die Kosten senken. „Wir achten auf die Liquidität, um die kurzfristigen Herausforderungen zu meistern.“

The Real Real hat angekündigt, die laufenden Kosten um über 70 Mio. Dollar zu senken. 10% der Belegschaft sei entlassen, 15% beurlaubt worden. Die Retail-Expansion wird gestoppt. Die Eröffnung des Ladens in Chicago sei verschoben worden, teilte das Unternehmen mit. Stand Ende März hatte The Real etwas mehr als 300 Mio. Dollar in der Kasse. Der Puffer ist vonnöten, schließlich schreibt das Unternehmen Verluste. Im ersten Quartal dürfte ein Minus von bis zu 40 Mio. Dollar auflaufen.

Die Ankündigung von The Real Real zeigt, dass die Covid-19-Krise eine Bedrohung für die Innovatoren in der Mode darstellt. The Real Real-Gründerin Wainwright wettet darauf, dass die Kundinnen mit Blick auf ihre Finanzen und die Umwelt mehr und mehr den Secondhand-Markt nutzen. Nichtsdestotrotz stellt sich die Frage, inwiefern dieses Modell finanziell tragfähig ist.

Denn es erfordert Personal und Läden. The Real Real beschäftigt hoch qualifizierte Experten, die die Authentizität der Ware prüfen, hat mehrere Läden in den USA und bietet einen White Glove-Service an. Dabei wird die Ware von einem Mitarbeiter, der weiße Handschuhe trägt, zu Hause abgeholt. Wegen der Covid-19-Pandemie ist diese Dienstleistung erst einmal ausgesetzt. The Real Real probiert es alternativ mit Online-Beratungen. Über Videochats wird den Kundinnen bei der Inventur ihres Kleiderschranks geholfen.

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