Was erwarten Sie von der neuen Regierung, Herr Terberger, Herr Jost?

"Keine weiteren Belastungen und Chancengleichheit"

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Deutschland hat gewählt und die Beratung Fashionconsult lud zur Diskussionsrunde mit Katag-Chef Daniel Terberger und BTE-Präsident Steffen Jost. Die Unterschiede in der Behandlung von Großen und dem Mittelstand müssten endlich verschwinden, lautet eine ihrer zentralen Forderungen.
Deutschland hat gewählt und die Beratung Fashionconsult lud zur Diskussionsrunde mit Katag-Chef Daniel Terberger und BTE-Präsident Steffen Jost. Die Unterschiede in der Behandlung von Großen und dem Mittelstand müssten endlich verschwinden, lautet eine ihrer zentralen Forderungen.

Deutschland hat gewählt, und die Beratungsfirma Fashionconsult lud zur Diskussionsrunde mit Katag-Chef Daniel Terberger und BTE-Präsident Steffen Jost ein. Die Unterschiede in der Behandlung von Großen und dem Mittelstand müssten endlich verschwinden, lautet eine ihrer zentralen Forderungen. Und überhaupt sind sich beide in vielen Punkten einig, auch darüber, welche Farben die neue Koalition haben sollte. In der Kanzlerfrage indes herrscht Dissens.

Es waren drei Fragen, die TW-Redakteurin Sarah Speicher-Utsch, die das Panel moderierte, Terberger und Jost zu Anfang stellte. Die Schwierigkeit: Sie durften nur mit einem Wort antworten: Welches Bündnis wünschen Sie sich? "Jamaika", kam es wie aus der Pistole geschossen von Beiden. Wer soll Kanzler werden? Terberger: "Armin Laschet." Jost: "keiner von Beiden." Was herrscht bei Ihnen nach dem Wahlergebnis vor? Terberger: "Skepsis." Jost: "Aufbruchstimmung."

Der BTE-Präsident hofft, dass nun vieles, was unter der Regierung Merkel liegengeblieben sei, geregelt werde. Räumt aber ein, dass Aufbruch auch negativ behaftet sein könnte, beispielsweise in Bezug auf die Entscheidungen für die Innenstädte. Beim Katag-Chef herrscht Skepsis vor. Die politischen Player dächten zuerst an sich selbst, für eine Koaltion mit vielen Partnern hieße das, es müssten ständig Kompromisse gefunden werden. Im Zweifel verständige man sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner. "Meine Erwartung ist sehr niedrig, aber es gibt gute Chancen."

Innenstadt

Wichtig sind Terberger drei Punkte: eine marktwirtschafliche Grundorientierung, keine Steuererhöhungen, Chancengleichheit für den Mittelstand. Jost folgt dieser Einschätzung, wenn er sagt: "Beim Klimaschutz muss viel verändert werden, aber mit einem marktwirtschaftlichen Anteil. Mit Jamaika hoffe ich, erlauben wir uns keinen Linksrutsch." Und auch beim Thema Innenstadt sehen Beide noch sehr viel Arbeit. Deutschland brauche eine strategische Entwicklung der Citys mit einem vernünftigen Mix. Jost: "Die Grünen betreiben eine Politik der Verkehrsverdrängung aus den Innenstädten. Wir müssen aber erst die Erreichbarkeit mit dem öffentlichen Nahverkehr hinbekommen, bevor wir die Autos verbannen."

„Nachhaltigkeit wird das Thema, egal unter welcher Regierung, und das kostet viel Geld.“
Steffen Jost

Digitalisierung

"Wir alle sind die Digitalisierung sehr lax angegangen", räumt Terberger ein. Fehler bei neuen Entwicklungen würden immer gemacht, "aber jetzt müssten es wirklich alle verstanden haben". Er plädiert für einen Schulterschluss der Branche, man brauche nicht in allen Bereichen eine eigene Einzellösung. Jost beobachtet, dass für viele Händler Digitalisierung noch immer nur eigener Webshop heiße. Doch das Feld sei deutlich größer, gerade im Backoffice. "Die Innovationen im Handel haben sich in den vergangenen Jahren stark in Grenzen gehalten." Aber mit Digitalisierung müsse man sich selbst beschäftigen, das Feld könne nicht vollständig an Dienstleister abgegeben werden. Das bedeutet aber auch, wer in die neuen Technologien investiere, müsse sehr viel Geld in die Hand nehmen, das aber auch durch die Pandemie bei vielen einfach nicht mehr vorhanden sei. "Da hoffe ich auf weitere Unterstützung durch die Politik."

„Wir können nur hoffen, dass uns die Politik nicht noch kostenintensive Dinge obendrauf drückt.“
Daniel Terberger

Finanzierung

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, muss der Handel investieren. Bei den Banken allerdings hatte und hat er aktuell noch mehr schlechte Karten. Dazu kommt, dass auch die KfW-Kredite ab 2022 wieder bedient werden müssen. "Nachhaltigkeit wird das Thema, egal unter welcher Regierung, und das kostet viel Geld", sagt Jost. Er erwarte, dass der Staat bei den Aufgaben, die er den Bürgern und Unternehmen stelle, auch mithelfe.

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Terberger sieht das ähnlich, wenn er sagt: "Wer Nachhaltigkeit will, der darf die Kosten dafür nicht ausschließlich dem letzten Glied in der Kette aufdrücken." Investitionen in die Nachhaltigkeit von Gebäuden könnten abgeschrieben werden. Sonderabschreibungsmöglichkeiten für die Modebranche müsste es demnach auch geben. "Da kann man sich einiges vorstellen, was auch funktionieren würde." Aber das müsse dann wirklich für die Großen und für die Kleinen in gleichem Maße gelten. Aktuell würden von Zuschüssen und Erleichterungen aber nur Alibaba, Zara und Co profitieren. Terberger: "Wir können nur hoffen, dass uns die Politik nicht noch kostenintensive Dinge obendrauf drückt."

Josts wichtigste Forderungen an die neue deutsche Regierung lauten: "Ausgaben-Disziplin und Neuaufstellung der Strukturen in Deutschland von der Bildung bis zum Handel." Terberger verlangt: "Keine weiteren Belastungen für den Mittelstand. Keine Steuererhöhungen, Chancengleichheit für den Mittelstand in allen Belangen."
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