Was läuft bei den Schwesterherzen Modehäusern, Gaby Flatinger?

"Luftiges und Leichtes"

Schwesterherzen
Bei Schwesterherzen verantwortet Gaby Flatinger das Personal und den Einkauf.
Bei Schwesterherzen verantwortet Gaby Flatinger das Personal und den Einkauf.

Gemeinsam mit ihren Schwestern Sonja Kaiser und Linda Güntner führt Gaby Flatinger das Familienunternehmen Schwesterherzen. Sie betreiben insgesamt fünf DOB-Läden in Baden-Württemberg. Angesichts extrem hoher Temperaturen in der 31. Woche 2022 fällt die Antwort auf die Frage "Was läuft?" sehr eindeutig aus.


TextilWirtschaft:
Wie sind Sie mit den Schwesterherzen-Läden in den August gestartet?
Gaby Flatinger:
Nach dem Juli, den wir im Plan abgeschlossen haben, haben wir auch die 31. Woche stabil abgeschlossen. Der Fokus der Kundinnen lag vergangene Woche klar auf Hochsommer. Bei durchgängig über 30 Grad und tropischen Nächten musste es vor allem luftig und leicht sein.

Was suchen die Kundinnen derzeit?
Teile aus Materialien, die bei diesen Temperaturen angenehm auf der Haut sind. Darauf achten die Kundinnen besonders. Das wird künftig immer wichtiger, in so langanhaltenden Hitzephasen wie jetzt kommt man mit einer Baumwolle-Synthetik-Mischung nicht mehr weiter.

Welche Rolle spielt dabei der Preis?
Wir haben unsere Sommersaison dahingehend verlängert, dass wir Juni/Juli sehr leicht eingekauft haben. Ready-to-wear sozusagen. Diese neuen sommerlichen Teile laufen regulär. Das gilt auch für die NOS-Programme, vorausgesetzt natürlich, dass sie lieferfähig sind. Wenn zum Beispiel leichte Shorts im NOS sauber nachgeliefert wurden, haben wir diese sehr gut und zum regulären Preis verkauft, weil auch alle Größen da waren.

Wie nehmen Sie im Moment die Kaufstimmung wahr?
Es gibt natürlich die Kundinnen, die jetzt absolut preisaffin sind und sich über Schnäppchen freuen. Die brauchen wir als Händler ja auch. Gerade letzte Woche, hier in Baden-Württemberg die erste Ferienwoche, haben wir aber auch ungewöhnlich viele Männer in unseren Läden gesehen. Die sind mit ihren Frauen mal shoppen gegangen. Kurz vor dem Start in den Urlaub oder statt Reisen wurde zusammen eingekauft. Da spielte der Preis oft keine Rolle.

Und lassen sich da Trends ablesen?
Auffallend gut liefen Animalprints auf leichten Stoffen. Ansonsten steht eindeutig das Material im Vordergund. Wir haben zum Beispiel wunderschöne unifarbene T-Shirts, 49 Euro im VK. Die fühlen sich aber so gut an, dass der Preis für viele keine Rolle spielt.

Wie planen Sie das nächste Frühjahr?
Auf dem Niveau von diesem Jahr. Wir haben durch Corona unsere Warensteuerung optimiert und unsere LUG deutlich gesteigert. Wir steuern weniger Ware ein und sorgen dafür, dass sie sich schneller rausdreht. Wenn wir jetzt mehr Ware einsteuern würden, würden wir wieder volllaufen. Die Flächen sind luftiger, das erleichtert auch die Warenpräsentation. Unser Einkauf ist insgesamt modischer und Kombi-orientierter geworden. Da sind wir als Berater wieder gefragt.

Mehr zum Thema
Sonja Kaiser
Schwesterherzen
TW 100: Sonja Kaiser, Geschäftsführerin von Schwesterherzen

Auf zur App

Die TextilWirtschaft stellt 100 Akteurinnen und Akteure vor, die im Krisenjahr 2020 mit innovativen Ideen und Konzepten gegen die Auswirkungen der Corona-Pandemie gekämpft haben. Eine von ihnen ist Sonja Kaiser. Gemeinsam mit ihren Schwestern Gaby Flatinger und Linda Vogt führt sie das DOB-Modehandelsunternehmen Schwesterherzen mit fünf Filialen. Den ersten Shutdown nutzten sie, um weiter in die Digitalisierung ihres Unternehmens zu investieren.

Für gute Beratung braucht es Personal. Wie stellt sich bei Ihnen die Personalsituation dar?
Momentan ist der hohe Krankenstand ein Riesenthema. Das zehrt an den Mitarbeiterinnen. Sie müssen entlastet werden, weswegen wir jetzt unsere Mitarbeitersuche intensiviert haben.

Wie läuft die Suche?
Seitdem wir unser Bewerbungsprogramm umgestellt haben, haben wir sehr viele gute Bewerbungen vorliegen. Ich habe gerade eine Stelle besetzt, da musste ich mich zwischen drei guten Bewerberinnen entscheiden. Das hatte ich schon lange nicht mehr.

Was haben Sie am Verfahren verändert?
Wir haben sowohl das Verfahren als auch den Inhalt verändert. Das Herzstück ist unsere eigene Unternehmens-App, mit der wir intern kommunizieren und nun auch die Mitarbeitersuche darüber gestalten. Es ist keine Kunden-App, sondern eine Mitarbeiter-App. Die Anzeigen in den Sozialen Netzwerken laufen auf das Ziel App-Download und werden daher optimierter ausgespielt und kommen mit sehr wenig Budget aus.
Die inhaltliche Veränderung des Bewerbungsverfahrens wird über die App ebenso deutlich. Wir stellen uns in einem digitalen Betriebsrundgang den Interessenten vor. Wir müssen den Interessenten von unserer Einzigartigkeit und von unserem Unternehmen überzeugen. Wir müssen herausstellen, warum es toll ist, bei uns zu arbeiten. Genau dann haben wir die Chance, den Interessenten zum Bewerber zu machen.

Welche Bewerber suchen Sie?
Wir haben uns noch stärker auf die Frage fokussiert: Wer ist die Person, die wir suchen? Sie sollte vor allem gut mit Menschen umgehen können. Ein niedrigschwelliges, aber dennoch aussagekräftiges Bewerbungsverfahren war für uns wichtig. Dafür gibt es ein Formular auf unserer Homepage mit sechs Fragen. Wir fragen ihre Wunscharbeitszeiten ab, wo sie die letzten fünf Jahre gearbeitet haben, und was sie sich von ihrem Traumarbeitsplatz wünschen. Unsere ideale Mitarbeiterin ist nicht die, die den besten Lebenslauf schreiben kann. Wir haben eine große Facebook-Kampagne gestartet und unsere App so angepasst, dass man sich dort über uns als Arbeitgeber ausführlich und anonym informieren kann. Wichtig ist uns, dass schon im Bewerbungsverfahren deutlich wird, wie viel Wertschätzung wir unseren Mitarbeiterinnen entgegenbringen. Die Verkäuferin bei uns auf der Fläche, die erwirtschaftet unser aller Gehalt. Nur wenn sie mit Freude dabei ist, werden wir als Unternehmen erfolgreich sein. Dieses Zusammenspiel der App, der Inhalte und des einfachen Bewerbungsverfahrens hat uns in den vergangenen vier Wochen mehr Bewerbungen eingespielt als in den zehn Monaten zuvor, bei deutlich geringeren Kosten.


Seit ein paar Jahren bieten Sie Private Shopping-Termine für bis zu fünf Freundinnen im Kleiderzimmer an. Wie läuft das derzeit?
Eigentlich sehr gut, leider konnten wir die hohe Nachfrage nach Terminen nicht bedienen. Im Kleiderzimmer machen wir pro Kunde den drei- bis vierfachen Umsatz im Vergleich zum regulären Betrieb.

Die Energiepreise steigen und steigen. Wie gehen Sie damit um?
Wir haben konsequent geschaut, wo wir sparen können. Jetzt im Sommer laufen zwar die Klimaanlagen, aber wir kühlen nicht so stark wie sonst runter. Wir arbeiten daran, eine bessere Marge zu erzielen, um diese zusätzlichen Kosten abdecken zu können. Außerdem haben wir mit den Vermietern über langfristig stabile Mieten verhandelt. Bei den meisten Filialen ist uns das auch gelungen.

Sie starten also positiv gestimmt in den Herbst?
Ja, zumal bei uns auch einige Neuerungen anstehen. Ab September führen wir mit Name it auch KOB in unseren Häusern. Wir hoffen so, junge Mütter wieder stärker anzusprechen. Und in Bretten ziehen wir mit unserem Store um.

stats