Was macht eigentlich…Udo Ullerich?

"Ich komme gerade von Sylt"

Privat
Udo Ullerich mit zwei seiner drei Enkelkinder: "Es geht mir wirklich sehr gut. Ich habe Zeit, noch mehr Sport zu treiben, kann mich viel intensiver um die Familie kümmern. "
Udo Ullerich mit zwei seiner drei Enkelkinder: "Es geht mir wirklich sehr gut. Ich habe Zeit, noch mehr Sport zu treiben, kann mich viel intensiver um die Familie kümmern. "

Udo Ullerich war Jahrzehnte lang als Geschäftsführer von Fuchs Schmitt eine prägende Figur in der DOB-Branche. Legendär sind seine Modenschauen im Atelier, wo jede Jacke, jeder Mantel eine besondere Bühne bekam. Seit einem Jahr mit nun 66 Jahren schaut er aus dem Ruhestand auf die Branche.

Dass Udo Ullerich einmal ohne Arbeit sein kann, konnten sich viele seiner Wegbegleiter nicht vorstellen. 42 Jahre lang war er für den DOB-Outdoorspezialisten Fuchs Schmitt in Aschaffenburg tätig. Davon 27 Jahre als Geschäftsführer. Mit ihm wuchs das Unternehmen zu einer der wichtigsten Säulen des Multilabel-Handels heran. Der heute 66-Jährige war immer nah am Trend, nah an den Kunden, nah an den Lieferanten. Vor fast genau einem Jahr ist er in den Ruhestand gewechselt, hat zuvor seine Nachfolgerin intensiv eingearbeitet. Andrea Krumme kann jetzt eigene Akzente setzen, findet zudem eine solide Basis vor.

TextilWirtschaft: Herr Ullerich, wie geht es Ihnen ohne den lebenserfüllenden Job?
Udo Ullerich:
Es geht mir wirklich sehr gut. Ich habe Zeit, noch mehr Sport zu treiben, kann mich viel intensiver um die Familie kümmern. Das hat früher meine Frau ganz alleine gemacht. Jetzt genieße ich die Zeit mit unseren drei Enkelkindern, die sie im Hintergrund ja auch gerade lautstark hören. Das macht unglaublich viel Spaß.

Vermissen Sie die Branche nicht?
Einerseits schon. Ich bleibe sehr informiert. Lese die TW, bleibe mit einigen Menschen in Kontakt. Ich verfolge auch nach wie vor die Outdoor-Szene ganz genau. Meine Frau probiert immer noch viele Jacken an, die wir uns im Handel ansehen, das Thema lässt mich nicht los. Jetzt noch empfinde ich es als tragisch, dass das Wetter endlich einmal perfekt war für Outdoorjacken, und dann mussten die Läden so lange geschlossen bleiben.

"Ich war dieses Jahr schon fünf Mal auf Sylt mit meiner Frau."
Privat
"Ich war dieses Jahr schon fünf Mal auf Sylt mit meiner Frau."


Und andererseits?
Ich habe natürlich Glück gehabt, gleich mit dem Start der Pandemie aufzuhören. Was da in der Branche passiert, ist eine Katastrophe für viele Händler und Lieferanten. Wenn ich allein nach Prato schaue…meine ehemaligen Partner dort haben immense Umsatzeinbrüche zu verkraften. Mir tut es auch weh, wenn ich jetzt im Handel bei tollen, hochpreisigen Jacken noch komplette Größenläufe hängen sehe. Diese Teile werden dann zu Spot-Preisen angeboten.

"Was macht eigentlich....?": Udo Ullerich: Bilder bewegter Jahre

Was erkennen Sie heute, wenn Sie mit Abstand auf die Branche schauen?
Alle müssen und werden sich verändern. Das Gute ist ja, wenn man so oft wie ich auf Sylt ist, sieht man, wie sehr sich die Menschen für Shopping interessieren. Aber man muss mehr tun, muss kurzfristiger agieren, wird in Zukunft mehr in Europa fertigen. Auch Nachhaltigkeit ist da ein wachsendes Thema. Meine Nachfolgerin macht auf allen Ebenen da einen sehr guten Job und packt die Dinge an. Ich weiß Fuchs Schmitt in guten Händen.



Wurden Ihnen nach dem Ausstieg Beratungsjobs angeboten?
Klar. Aber ich wollte den Cut und bin auch sehr glücklich damit. Wir haben ein schönes Haus und einen Garten. Ich konnte das doch nie genießen. Ich war dieses Jahr schon fünf Mal auf Sylt mit meiner Frau. Wir kümmern uns um unsere Familie und schauen hin und wieder in den Handel und genießen die neuen Farben, die neuen Ideen. Das mache ich nach wie vor.

 

 

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