Was macht eigentlich...?

"Ich bin jetzt Facility-Manager in unserem Haus"

Privat
Eigentlich wollte Wolfgang Drewalowski viel reisen, doch Corona machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Bei erster Gelegenheit flog er nach Mallorca, wo vor wenigen Tagen dieses Bild entstand.
Eigentlich wollte Wolfgang Drewalowski viel reisen, doch Corona machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Bei erster Gelegenheit flog er nach Mallorca, wo vor wenigen Tagen dieses Bild entstand.

Was macht eigentlich Wolfgang Drewalowski? Nach 50 Jahren bei Brax hatte er das Herforder Unternehmen Ende 2015 verlassen. 35 Jahre davon war er Geschäftsführer und ein Unikum in der Modebranche.

Sein Profilbild bei Whatsapp zeigt Wolfgang Drewalowski braun gebrannt, in Shorts und weißem Hemd, Bootsschuhe, Sonnenbrille und Panama-Hut vor malerischer Meereskulisse auf Capri. Offenbar hat er geschafft, was er sich vorgenommen hat: loszulassen. Nach 50 Jahren bei Brax hatte Drewalowski die Herforder Ende 2015 verlassen. 35 Jahre davon war er Geschäftsführer. Bereits seine kaufmännische Lehre hatte der heute 72-Jährige dort schon absolviert.

Seit 1979 lenkte er an der operativen Spitze die Geschicke des Unternehmens, das unter seiner Ägide Flächenspezialist wurde und sich vom reinen Hosen- zum Outfitanbieter entwickelte. Drewalowski war ein Treiber, ohne Dinge zu überstürzen. Neue Projekte wollte er stets richtig machen, alles wurde in Drei-Jahres-Rhythmen geplant. Vollmundige Ankündigungen waren nie sein Ding, wohl aber stolze Berichte über Erfolge und gute Ergebnisse. Seinen Ausstieg hat er schließlich gar über vier Jahre geplant. So dass sich Kollegen und Geschäftspartner darauf einstellen konnten. Er nahm sich damals vor, mehr Zeit für Familie und Haus zu haben, mehr Golf zu spielen und Ski zu fahren.




TextilWirtschaft: Herr Drewalowski, wie schwer fiel es Ihnen, der Branche den Rücken zu kehren?
Wolfgang Drewalowski: Naja, drei Monate habe ich schon gebraucht, um nicht mehr nachts davon zu träumen. 2016 habe ich erst mal mit meiner Frau Gina, die ja Brax auch verlassen hat, eine Cabrio-Tour durch Italien gemacht. Sechs Wochen haben wir uns dafür Zeit genommen. Inzwischen habe ich zudem zwei Enkelkinder, und bin Facility-Manager in unserem Haus in Bad Salzuflen. Da verantworte ich den Garten, den Müll und die Getränke.

Und es hat Sie nie gereizt, doch noch was in der Modewelt zu machen?
Nein. Ich habe mich nicht zu einem Beraterjob oder einer Beiratsfunktion verleiten lassen. Nur ein bisschen kann man in dieser Branche nicht aktiv sein. Und es würde mich auch verrückt machen, wenn die nicht umsetzen, was ich sage (lacht). Ich gehe auch nicht zu Kunden oder so.

Aber auf Brax schauen Sie noch oder? Sie sind ja auch noch Gesellschafter.
Ich habe ein paar Anteile. Die sollten auch eine Altersvorsorge sein. Naja – da habe ich jetzt erstmal ein kleines Loch, aber ich bin sicher, dass es auch wieder besser wird. Brax hatte viele exzellente Jahre und eine sehr gute Substanz. Als ich ausgeschieden bin, hatten wir 15 Rekord-Jahre in Folge. Jetzt sind es eben mal drei harte Jahre. Auf jeden Fall war es gut, dass wir 2010 schon in den E-Commerce investiert haben. Und im Juli wird ja Frauke Schelkes neue Chefin. Eine Frau tut dem Männerladen sicher mal ganz gut.

Würden Sie rückblickend etwas anders machen?
Wir hätten international noch aktiver sein können, aber das meiste haben wir ganz gut gemacht. Ich glaube nach wie vor an die alten Grundsätze, nämlich bei Konzept und Produkt eine Alleinstellung zu haben. Mittelmaß wird verschwinden. In meinem Büro hatte ich noch ein Flipchart stehen lassen. Darauf standen die drei Säulen des Erfolges: Kunde, Produkt und Schnelligkeit.

Steht das da immer noch?
(lacht) Nein, das wurde weggeräumt.

Wolfgang Drewalowski: 50 Jahre Brax



Sind Sie noch oft in Herford?
Nein, ich fahre nicht einfach hin und laufe da durch die Firma. Wenn dann melde ich mich an. Alle paar Monate komme ich mal auf einen Kaffee vorbei. Auch wenn ich eine neue Golf-Hose brauche (lacht).

Wo shoppen Sie denn sonst gern?
Mode kaufe ich gerne bei Lodenfrey. Unsere jüngste Tochter studiert in München. Eigentlich ist ihre Wohnung zu teuer, aber weil wir durch sie Hotelkosten sparen, passt das wieder. Wir sind gern und oft in München. Ansonsten habe ich jetzt eine Paketbox vor dem Haus. Manchmal kommen am Tag fünf bis zehn Pakete.

Was kommt denn da an?
Ich bestelle alles mögliche. Zurzeit natürlich vor allem Dinge, die ich stationär nicht bekomme. Neulich brauchte ich neue Unterwäsche. Ich trage seit 20 Jahren die gleichen Produkte und kaufe dann immer gleich zehn Stück auf einmal. Die waren aber stationär nicht vorrätig.



Und die ganzen leeren Kartons?
Dafür habe ich einen extra Raum. Das gehört auch mit zum Facility-Management. Wenn der Raum voll ist, muss ich die Pappe entsorgen.

Zurzeit können Sie ja nicht viel reisen, wie sieht Ihr Alltag aus?
Morgens mache ich Sport, lese dann Zeitung und trinke Cappuccino. Dann ist der Vormittag schon rum. Ich kümmere mich um den Garten, golfe, gehe laufen und nehme mir viel Zeit für die Familie. Außerdem habe ich begonnen, mich mit dem Immobiliensektor zu beschäftigen. Ich vermiete und verwalte Wohnhäuser. Und gerade war ich auf Mallorca. Wir haben die erste Reisemöglichkeit ergriffen.

Apropos lesen: Lesen Sie noch die TW?
Klar, und ich bekomme auch die Online-News.

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