Was macht eigentlich...?

„Topfit und ohne Langeweile“

Imago/Jürgen Schwarz
Lovro Mandac im Jahr 2004 bei einem Interview als Galeria Kaufhof-Chef.
Lovro Mandac im Jahr 2004 bei einem Interview als Galeria Kaufhof-Chef.

Lovro Mandac war fast zwei Jahrzehnte lang der prägende Mann bei Galeria Kaufhof. Bis er sich 2015 zurückzog. Geschäfte macht er immer noch: Lieber heute als morgen würde er wieder in den Mittleren Osten fliegen.

Geduld war noch nie etwas, das Lovro Mandac besonders gut konnte. Dass er nach seinem recht krachenden Ausstieg bei Galeria Kaufhof im Herbst 2015 in seinem Garten in Köln mit Begeisterung darauf warten würde, dass Rosen oder Salate sprießen, konnte denn auch niemand ernsthaft erwarten, der den langjährigen Kaufhof-Chef, HDE-Vize und Streiter vor allem für die Innenstadt kennt.


"Ich warte darauf, dass sie endlich die Grenzen aufmachen und ich wieder Richtung Mittlerer Osten und Türkei reisen kann. Ich fühle mich gerade etwas eingeengt", sagt der 70-Jährige im TW-Gespräch. Reisen - nicht um die Wüste zu besichtigen, sondern um Deals abzuwickeln. Für die Firma Telamon Beteiligungs GmbH, die er nach der Kaufhof-Zeit und zweijährigem Wettbewerbsausschluss mit seiner Frau in Köln gegründet hatte: "Wir beschäftigen uns vor allem mit An- und Verkauf von Beteiligungen im Mittleren Osten und der Türkei."


Es gehe dabei um Investitionen in beide Richtungen. „Aber auch darum, dort unten in den Malls die Frequenz mit Touristen zu steigern, indem nicht nur Prada und Co dort vertreten sind. Ich berate die Verantwortlichen auch darin, das Angebot mehr in Richtung Mainstream auszuweiten."

Heute berät Lovro Mandac Unternehmen in der Türkei und im Mittleren Osten.
Privat
Heute berät Lovro Mandac Unternehmen in der Türkei und im Mittleren Osten.
Insbesondere in den Vereinigten Arabischen Emiraten sei er als Handelsberater tätig. "Dort hatte ich schon immer sehr gute Kontakte." Und darauf komme es in diesem Geschäft nun mal an. Vor Corona sei er jeden Monat einmal dort gewesen. Jetzt müsse es halt das Telefon tun, die Geschäfte liefen zwangsläufig mal etwas ruhiger. Welche Fashion-Marken er dabei mit welchen Mall-Betreibern zusammengebracht hat, will er nicht sagen, das sei verpönt.


Mandac wirkt zufrieden am Telefon. Sagt, es sei ihm gelungen, viele Kilo abzunehmen. "Ich will ja noch ein paar Jahre mitmischen." Einen Gesundheits-Check habe er gerade bestanden. "Ich bin topfit und ohne Langeweile", lacht er. Und die Zigarette? "Schmeckt noch", sagt der Mann, dessen Büro in der Kölner Kaufhof-Zentrale bis zu seinem Abschied eine der letzten Nicht-Nichtraucher-Gebiete in deutschen Chef-Etagen war. Frische Luft holt er sich heute beim Wandern und − wenn es denn erlaubt ist – beim Tennisspielen.

Lovro Mandac: Stationen des Topmanagers


Daneben macht Mandac noch in Schmuck, bei Amor. Der Modeschmuck-Marke, die zu seinen Kaufhof-Zeiten einer der Publikums-Magneten in den Warenhäusern war. Für ein paar Monate war er auch Interim-Geschäftsführer von Amor. "Aber das war von vornherein nur auf kurze Zeit angelegt." Jetzt sitzt er wieder im Beirat.


Bei Urbanicom ist der ehemalige Warenhaus-Manager weiterhin Vorsitzender, jenem Verein, in dem sich Händler, Vertreter von Kommunen und Architekten um die Stadtentwicklung kümmern. Die City, der Innenstadt-Handel − das war schon immer eines der wesentlichen Themen des gebürtigen Flensburgers. Einschließlich seiner unermüdlichen öffentlichen Vorstöße für liberalere Öffnungszeiten, insbesondere an Sonntagen. Ein Gespräch mit Mandac ohne dieses Thema hat Seltenheitswert, immer noch.


"Das Sterben der Innenstädte geht ja durch den Lockdown nicht mehr schleichend, sondern in rasantem Tempo vor sich", sagt er. Wann die Städte wohl wieder komplett öffnen dürfen? "Das wird nicht so schnell passieren", so Mandac, "sicherlich nicht vor dem Sommer, vielleicht erst im September. Ich befürchte zudem eine gewisse Gewöhnung der Kunden an das Leben ohne Einkaufen in der Innenstadt, wenn die Läden wieder öffnen dürfen. Es ist bisher wegen des Online-Handels ja auch ohne gegangen."


Er glaube nicht, dass der Innenstadt-Handel jemals zu Vor-Corona-Umsätzen zurückkommen werde. Weil aus den Städten viele Händler verschwinden würden. "Diese Gefahr sehe ich vor allem für die Textilhändler." Wer kommt nach, wenn ein Textilit geht? Darauf hat auch er derzeit keine Antwort. Macher Mandac kritisiert hingegen Lokalpolitiker, die das Auto aus den Städten herausdrängen wollen und somit die Erreichbarkeit der City-Geschäfte noch weiter erschwerten.

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Immerhin: "Auch für die kleinen und mittleren Städte sehe ich schon noch gewisse Chancen, auf einem niedrigeren Mieten-Niveau wieder etwas daraus zu machen. Wenn man sich individualisiert, persönlichen Service bietet und sich wirklich dem Kunden zuwendet, kann man sicherlich eine gute Kundenkartei erhalten oder aufbauen. Auch in Warenhäusern."


Das alte Prinzip 'Alles unter einem Dach' könne immer noch funktionieren, sagt der Mann, der viele Jahre als "Mr. Kaufhof" und Online-Skeptiker galt. Nicht zuletzt, weil jetzt so viele kleine Händler verschwänden, deren Aufgabe das gute, innovative Warenhaus übernehmen könne. Ein individuelles Sortiment mit etwas weniger Textil-Sortiment als zuletzt, einem breiten Angebot rund ums Wohnen − dem 'Cocooning' also −, mit Tools, die aus dem E-Commerce bekannt sind sowie möglichst als Frequenz-Generator noch Food-Spezialitäten – in diese Richtung könne es gehen.


Wie viele derartige Warenhäuser könnten in deutschen Innenstädten auf Dauer überleben? "Auf keinen Fall 130", sagt er und nennt damit wie zufällig die aktuelle Filialzahl von Galeria Karstadt Kaufhof, "mit viel Glück vielleicht 80."


Selbstverständlich beschäftigt ihn das Warenhausthema noch immer, es wäre zwecklos, das zu leugnen. Aber er habe sich inzwischen "persönlich" davon verabschiedet, sagt Mandac über Mandac. "Ich wache nicht morgens mit dem Gedanken an das Warenhaus auf", lacht er, "das wäre nach fünf Jahren Abstinenz ja auch schrecklich."


Horten hat er geleitet, dann rund zwei Jahrzehnte lang bis 2013 Kaufhof innerhalb der Metro Group. Immer passabel bis gut im Wettbewerb gegen den seit langem um die Existenz kämpfenden Karstadt-Konzern. Dass die deutschen Warenhäuser unter Führung des von Mandac geführten Kaufhof zusammengeschlossen würden – das hätte gut in sein Weltbild gepasst. Es kam anders.


Metro verkaufte Galeria Kaufhof an die kanadische Hudson’s Bay Company (HBC). Erst überwarf sich der keinem notwendig erscheinenden Streit aus dem Weg gehende Mandac − inzwischen Aufsichtsratschef von Galeria und CEO der Kaufhof Holding, zu der auch Sportarena und der Lobbyismus gehörte - mit den neuen Eigentümern und verließ das Unternehmen im Herbst 2015. Dann rutschte Kaufhof in die roten Zahlen, HBC verabschiedete sich schnell wieder aus Europa und reichte den Kaufhof an Karstadt-Eigentümer Signa weiter. Es folgten mit dem ersten Lockdown die Insolvenz und massenweise Standortschließungen samt Entlassungen.


Mandac schaute erschüttert, hier und da in den Medien deutliche Kritik äußernd, zu. "Du musst Dich aber irgendwann davon verabschieden", sagt er im Verlauf des Gespräches, "sonst bekommst Du Magengeschwüre oder Schlimmeres." Ab und zu telefoniere er noch mit einigen wenigen früheren Kollegen, sagt er, mehr aber auch nicht. "Ich will auch Details wie die Zahlen gar nicht mehr wissen."


Letztlich sei er sehr zufrieden damit, wie sein Berufsleben, das seit 1987 mit dem Kaufhof verbunden war, gelaufen sei. Falsch abgebogen sei er auf diesem Weg nie. Obwohl er einmal "ein Angebot hatte, in die USA zu gehen. Und eines, Harrod’s zu übernehmen". Aber Mandac blieb in Köln. Bis heute.

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