Wegen Corona-Pandemie

Esprit beantragt Schutzschirmverfahren für deutsche Gesellschaften

Esprit
"Dies ist der richtige Schritt, da die Corona-Pandemie dramatische Auswirkungen auf unser Geschäft hat", sagt Esprit-Chef Anders Kristiansen.
"Dies ist der richtige Schritt, da die Corona-Pandemie dramatische Auswirkungen auf unser Geschäft hat", sagt Esprit-Chef Anders Kristiansen.

Esprit geht unter den Schutzschirm. Wie der Ratinger Konzern bekanntgab, wurde für mehrere deutsche Tochtergesellschaften ein Schutzschirmverfahren nach deutschem Recht beantragt.

Es soll das Unternehmen vor den Forderungen der Gläubiger in den kommenden Monaten schützen. Das derzeitige Management unter der Führung von CEO Anders Kristiansen soll die Kontrolle behalten, ein gerichtlich bestellter Sachwalter wird das aber überwachen.

Während der Schutzfrist solle ein Restrukturierungsplan erarbeitet werden, der dann von der Gläubigerversammlung genehmigt werden muss. Wie es heißt, habe sich das Management für "diesen proaktiven und vorausschauenden Schritt entschieden, um den laufenden Geschäftsbetrieb sicherzustellen".

"Dies ist der richtige Schritt, da die Corona-Pandemie dramatische Auswirkungen auf unser Geschäft hat. Mit diesem Verfahren können wir die Liquidität erhalten und bei Bedarf restrukturieren", sagt Kristiansen. Man wolle auf Chancen vorbereitet sein, wenn die Corona-Pandemie überwunden sei.

Das Schutzschirmverfahren in Deutschland ist eine besondere Verfahrensart des deutschen Insolvenzrechts. Es verbindet die vorläufige  Eigenverwaltung  mit dem Ziel der frühzeitigen Vorlage eines Insolvenzplans, um so eine Unternehmenssanierung zu erleichtern. Das Verfahren ist mit dem Verfahren nach Chapter 11 des US-Insolvenzrechts vergleichbar.


Esprit werde Verbindlichkeiten und langfristige Mietverträge neu strukturieren. Die deutschen Esprit-Gesellschaften seien "aktuell zahlungsfähig" und hätten sich freiwillig unter den Schutzschirm begeben, heißt es. Das Management-Team werde die Finanzierung der Gehälter für seine in Deutschland beschäftigten Mitarbeiter durch Beihilfen absichern, so der Konzern.

Der Aktienhandel von Esprit an der Börse in Hongkong ist, wie berichtet, seit dem 23. März ausgesetzt. Zur Begründung hieß es, Esprit Holdings Limited habe den Antrag auf Aussetzung gestellt bis zur Veröffentlichung einer "Bekanntmachung über Insider-Informationen".



Esprit hatte ein paar Tage zuvor bereits seine Prognosen für die zweite Hälfte des laufenden Geschäftsjahres (30. Juni) deutlich nach unten geschraubt. Durch die Corona-Pandemie werde es zu "erheblichen Verlusten" kommen. Genaue Zahlen wurden nicht genannt.

In den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2019/20 (Stichtag: 31.12.) waren die Umsätze um rund 15% auf 5,76 Mrd. Honkong-Dollar eingebrochen. Umgerechnet in Euro waren das Erlöse von 679,5 Mio. Euro. Vor Steuern stand abermals ein Verlust von 334 Mio. HKD (ca. 39,4 Mio. Euro).


Deutschland ist der wichtigste Markt für Esprit, hier wurden zuletzt mehr als 35% der Umsätze generiert Im Halbjahr gingen die Verkaufserlöse um 12% zurück. Für Deutschland stand ein Gesamtumsatz von 2,05 Mrd. HKD in der Bilanz, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag bei 148 Mio. HKD. Im Geschäftsjahr 2018/19 (30. Juni) lagen die Deutschland-Erlöse bei rund 6,7 Mrd. HKD. Der Anteil an dem Gesamtumsätzen des Konzerns betrug 52%.
stats