Wegen Schließung von YNAP-Distributionszentren

Webshops von Armani, Moncler und Co können nicht liefern

Screenshot: AlexanderMcQueen.com
Hinweis auf Lieferverzögerungen im Webshop von Alexander McQueen.
Hinweis auf Lieferverzögerungen im Webshop von Alexander McQueen.

Die YNAP-Gruppe musste ein Verteilzentrum in Italien aufgrund behördlicher Vorgaben im Rahmen der Corona-Pandemie dichtmachen. Das hat nicht nur Auswirkung auf die Luxus-Webshops Net-a-Porter und Mr Porter, die, wie berichtet, inzwischen temporär geschlossen sind. Auch namhafte Luxus-Marken wie Armani, Moncler und Bottega Veneta sind von dem Ausfall betroffen.

Im Webshop von Armani ist es dasselbe wie bei Moncler, bei Balenciaga sieht es nicht anders aus als im Online-Store von Bottega Veneta, DSquared2 oder Stone Island: „Gemäß den Beschränkungen der italienischen Regierung sind unsere Lieferungen vorübergehend ausgesetzt.” So oder so ähnlich ist der Wortlaut der Meldungen, die aktuell in vielen Online-Shops großer Luxusmarken aufscheinen, spätestens wenn der Kunde beim Checkout angelangt ist, teils aber auch schon direkt als Begrüßungsfenster auf der Seite. Bestellungen seien zwar möglich, würden jedoch erst zu einem unbestimmten Zeitpunkt in der Zukunft bearbeitet, heißt es weiter.

Der Grund: Die YNAP-Gruppe ist nicht nur Betreiber der zwei großen Luxus-Webshops Net-a-Porter und Mr Porter sowie der Offprice-Plattform Yoox, sondern führt auch für zahlreiche Big Brands im Luxus-Sektor das Online-Geschäft durch. Jetzt musste sie Verteilzentren in den USA und Italien schließen. Was zum temporären E-Commerce-Stillstand von über 30 Marken-Shops aus dem Luxus-Fashion-Sektor führt, für die YNAP das Digital-Geschäft abwickelt.

Moncler bestätigt die Beschränkungen auf TW-Nachfrage: „Was Europa betriff so können Bestellungen aufgegeben werden, der Versand ist jedoch so lange blockiert, wie es die Bestimmungen der Regierungen erforden.” Von YNAP selbst heißt es dazu gegenüber der TW: „Wegen der Notsituation mussten die Verteilzentren geschlossen werden. Deshalb sind wir dazu gezwungen, die Lieferungen zeitweise auszusetzen.“

YNAP-CEO Federico Marchetti: "Wir müssen unsere Wünsche auf Pause setzen."
Nikolai von Bismarck
YNAP-CEO Federico Marchetti: "Wir müssen unsere Wünsche auf Pause setzen."
Auskunftsfreudiger zeigt sich YNAP-CEO und Gründer Federico Marchetti in einem Newsletter, der am Freitagabend an registrierte Kunden der Offprice-Plattform Yoox verschickt wurde. Darin schreibt der Unternehmer: „Heute müssen wir als Community einen Schritt weitergehen. Wir müssen unsere Wünsche auf Pause setzen, ohne sie zu vergessen.” Eine Anspielung auf die ausgesetzten Lieferungen und beschränkten Bestellmöglichkeiten. Später im Text wird er konkreter: „Wir haben unsere Logistikzentren in den USA, Italien geschlossen, bald wird Großbritannien folgen.”

Die Schritte seien vor allem eingeleitet worden, um die Sicherheit der Mitarbeiter zu garantieren. Wo immer möglich, habe man die Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt. „In London und New York sind wir diesen Schritt gegangen schon bevor die Städte in den Lockdown versetzt wurden”, schreibt Marchetti weiter.

Neben den Maßnahmen im eigenen Unternehmen will YNAP auch der italienische Regierung dabei helfen, die negativen Auswirkungen der Pandemie möglichst gering zu halten. Und zwar mit Tech-Know-how. Dem Bildungsministerium habe man in einem ersten Schritt rund 100 Computer zur Verfügung gestellt, damit Schülern in Zeiten geschlossener Schulen digital unterrichtet werden können. Auch an der Erstellung digitaler Lerninhalte beteilige man sich.

In London wiederum stelle man eigene Lieferfahrzeuge, die aktuell aufgrund des gestoppten E-Commerce nicht genutzt werden, gemeinnützigen Organisationen zur Verfügung, damit diese so Lebensmittel und medizinische Produkte an Bedürftige, wie etwa ältere Menschen, ausliefern könnten.

YNAP in London



Ungeachtet dessen dürfte der Stillstand im Business der YNAP-Gruppe bereits Anfang kommender Woche Auswirkungen im Luxus-E-Commerce zeigen. Nach TW-Informationen will Wettbewerber Farfetch die Gunst der Stunde nutzen und Konsumenten mit neuen Rabatten auf die eigene Plattform locken. Demnach sollen ab Montag Abschläge von 25% auf aktuelle Produkte gewährt werden.
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