Wie läuft das Geschäft in den Shopping-Centern?

"Das Umsatzminus ist nicht so hoch wie das Frequenzminus"

Foto: URW
Christian Zimmermann: "Je nach Standort und Profil der Center sind jetzt zwischen 50 und 70% der Läden wieder in Betrieb."
Christian Zimmermann: "Je nach Standort und Profil der Center sind jetzt zwischen 50 und 70% der Läden wieder in Betrieb."

Unibail-Rodamco-Westfield ist einer der weltweit führenden Betreiber von Einkaufszentren. Auch in Deutschland ist das Unternehmen mit 24 Centern vertreten, darunter mit dem Centro in Oberhausen, den Höfen am Brühl in Leipzig, den Gropius-Passagen in Berlin und den Riem-Arcaden in München. Wir haben mit Christian Zimmermann, Head of Centermanagement, gesprochen.

TextilWirtschaft: Herr Zimmermann, haben Sie überall dort, wo es möglich ist, den Betrieb Ihrer Center weiter hochgefahren?
Christian Zimmermann: Ja, dabei handelt es sich zunächst um die Center in NRW, Niedersachsen, Hessen, Baden-Württemberg und teilweise auch in Sachsen. In Thüringen geht es am Freitag los. In Berlin dürfen die kleineren Geschäfte seit dem heutigen Mittwoch wieder öffnen, auch in Einkaufszentren. In Bayern warten wir noch auf eine weitere Präzisierung, gehen aber davon aus, dass dort in den Shopping Centern zunächst weiterhin nur die Läden für den Grundbedarf öffnen dürfen.

Waren denn von Beginn an auch alle Händler direkt am Start, die jetzt öffnen dürfen?
Nein, die neuen Regelungen kamen ja leider recht kurzfristig. Aber es werden jeden Tag mehr und bis Freitag rechne ich damit, dass alle Geschäfte, die dürfen, auch geöffnet sind. Ich kenne bislang auch kein Unternehmen, dass nicht eröffnen will.

Inwiefern nutzen größere Geschäfte die Möglichkeit von Teileröffnungen, um unter der Grenze von 800m² zu bleiben?
Bislang ist das in unseren Centern noch nicht realisiert worden, wird aber von einigen Mietern in Absprache mit den Ordnungsbehörden geprüft. Mit dem heutigen Tag wird es beispielsweise in Berlin einige Geschäfte geben.

URW betreibt in Deutschland insgesamt 24 Shopping-Center, darunter die Köln Arcaden (Foto).
Foto: URW
URW betreibt in Deutschland insgesamt 24 Shopping-Center, darunter die Köln Arcaden (Foto).

Wieviel Prozent der Shops sind jetzt durchschnittlich in Ihren Centern wieder geöffnet?
Das ist je nach Standort und Profil des Centers - ob Nahversorger oder beispielsweise Destination-Center - unterschiedlich. Ich schätze den Anteil auf zwischen 50 und 70%.

Welche Sicherheitsvorkehrungen treffen Sie?
Für unsere Center gilt genauso wie für die Läden die Regel, dass sich pro 10m² Fläche, je nach Erlass der Landesregierung teilweise auch 20m², nur ein Besucher aufhalten darf. Über unsere Frequenzzählsysteme können wir nachvollziehen, wie viele Kunden sich gerade im Center aufhalten und so die Besucherströme kontrollieren und regulieren. Die Shops informieren am Eingang über die maximal zulässige Anzahl an Kunden auf der Fläche. Darüber hinaus hängen an den Aufzügen Schilder über die Maximalbelegung sowie Hinweise darauf, bitte auch Treppenhäuser und Rolltreppen zu nutzen. Außerdem organisieren wir zusammen mit den Mietern eventuelle Schlangen mit Kundenleitsystemen oder Bodenklebungen so, dass die Abstände gewahrt bleiben.

Was ist mit der Hygiene?
Grundsätzlich hängen in den Centern überall Hinweise in Bezug auf Abstands-, Schutz- und Hygieneregeln. Es gibt auch regelmäßig Durchsagen dazu. An zentralen Punkten und in den Sanitärbereichen befinden sich Spender mit Desinfektionsmitteln. Wir lassen nach Möglichkeit alle Türen offen, damit die Kunden sie nicht anfassen müssen. Alle anderen intensiven Touchpoints wie die Handläufe an den Rolltreppen oder die Tasten der Aufzüge werden regelmäßig und intensiv gereinigt und desinfiziert. An unseren Rezeptionen haben wir Plexiglaswände, sogenannte Spuckschutze installiert. Bei allen Maßnahmen, ob Sicherheit oder Hygiene, stimmen wir uns zudem eng mit den Behörden ab.

Wie läuft denn der Betrieb in den ersten Tagen?
Insgesamt sind die Frequenzen in den Centern spürbar geringer als in den gewohnten Zeiten. Center mit einem höheren Nahversorgungsanteil wie beispielsweise das Palais Vest in Recklinghausen tun sich etwas leichter als Destination-Center wie das Centro in Oberhausen oder der Ruhr Park in Bochum. Auch die Händler spiegeln uns in Gesprächen natürlich die niedrige Kundenfrequenz. Andererseits hören wir von ihnen, dass die Kunden, die kommen, dann auch kaufen. Das Umsatzminus ist also nicht so hoch wie das Frequenzminus. Alles in allem sind wir dankbar dafür, dass alle Beteiligten, ob unsere Kunden, unsere Miet- und Geschäftspartner, Investoren oder Dienstleistungsunternehmen, so besonnen und gewissenhaft mit der Situation umgehen.

Was die Frequenz betrifft, fehlt Ihnen sicher auch die Gastronomie?
Natürlich, die Gastronomie ist ein wichtiger Faktor. Aber die Situation ist wie sie ist, wir müssen da jetzt durch. Wir versuchen, zu unterstützen wo es nur geht.

Die Einkaufszentren haben ja in den vergangenen Jahren massiv in Aufenthaltsqualität investiert, damit die Leute möglichst oft und zahlreich kommen und lange bleiben. Genau das soll ja im Moment eher vermieden werden. Wie machen Sie das?
Wir haben die Sitzflächen und Lounge-Bereiche auf ein Minimum reduziert und lassen auch keine Gruppenansammlungen von Jugendlichen mehr zu, die sich bei uns treffen. Deshalb haben wir auch das freie Wlan für unsere Gäste deaktiviert. Das „gemütliche Verweilen“ im Center ist aktuell nicht möglich.

Werbung verbietet sich dann ja eigentlich auch.
Ja, wir informieren in den Sozialen Medien über den Betrieb, geöffnete Shops und die Öffnungszeiten, der Dialog mit unseren Kunden ist ja nach wie vor sehr wichtig, sind bei der proaktiven Werbung aber deutlich reduziert.

Die große Hoffnung für eine weitere Öffnung ruht nun auf dem 4. Mai. Glauben Sie, dass dann auch die größeren Geschäfte öffnen dürfen?
Das werden wir sehen. Wir müssen jetzt die Maßnahmen bestmöglich und sorgsam umsetzen, damit wir eine Grundlage schaffen, um dann zu gegebenem Zeitpunkt wieder in einen normalen Betrieb zurückkehren zu können. Uns ist klar, dass uns die Schutz- und Hygienemaßnahmen langfristig begleiten werden.

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