Wiedereröffnung in Wien

Peek & Cloppenburg zeigt neue Handschrift

Philipp Lipiarski

Deutlich fokussierter, kuratierter und auf 11.000 m² verkleinert präsentiert sich Peek & Cloppenburg nach dem Komplettumbau auf der Mariahilfer Straße in Wien. Klar gestärkt wurden u. a. die Bereiche Athleisure und Activewear.

Der stationäre Modehandel hat zu viel Fläche. Ein bekanntes Problem, auf das immer mehr Filialisten mit Schließungen reagieren. Für Peek & Cloppenburg ist Wien die einzige Stadt in Österreich, in der zwei sogenannte "Weltstadthäuser" betrieben werden. Das bleibt auch weiterhin so – doch nun wurde das Haus in der Mariahilfer Straße zumindest bedeutend verkleinert, konkret von 16.600 auf 11.000 m² Verkaufsfläche. Komplett bespielt wird das ehemalige Herzmansky-Haus nur noch bis zum 1. OG, während die Verkaufsflächen im 2. und 3. OG verkleinert und die 4. Etage komplett aufgelassen wurde. Dort und in der 5. Etage entsteht in Kürze ein neues Hotel.


Die Konzentration auf eine kleinere Fläche tut dem Modehaus gut. Die verbliebenen Flächen sind – zumindest zum Start – deutlich klarer gegliedert, deutlich verständlicher aufgebaut – und natürlich mit dem modernsten Ladenbau aller bedeutenden Markenpartner ausgestattet. In Wien finden sich nun zum Beispiel die ersten Shop-in-Shops von Hugo und Boss nach dem Relaunch. Komplett weggefallen ist lediglich die Kinderabteilung, wie General Sales Manager Sebastian Jänisch erklärt.

Weniger Warendruck, dezentrale Kassen

Im Untergeschoss ist wie bisher das junge "Boutique"-Konzept untergebracht. Wichtigste Neuerung hier: eine zentrale Sneaker-Fläche. Witziges innenarchitektonisches Element: Die Kasse ist in einem stilisierten Schiffscontainer untergebracht. Schon hier fällt auf: Die Umkleidekabinen sind deutlich großzügiger, ebenso die Aufenthaltsbereiche – und das wird sich im ganzen Haus durchziehen. Ebenfalls neu für das gesamte Haus sind dezentrale Kassen in jedem Stockwerk.
Umkleidekabinen und Aufenthaltsbereiche sind nach dem Umbau deutlich großzügiger.
Philipp Lipiarski
Umkleidekabinen und Aufenthaltsbereiche sind nach dem Umbau deutlich großzügiger.

Das Erdgeschoss – hier fand sich in der Vergangenheit vor allem der Artikelbereich für Damen und Herren – gehört nun ganz den Herren. Neu hier unter anderem: eine Athleisure-Fläche mit Marken wie Adidas und Puma, aber auch der Armani-Sportswearlinie EA7 und Boss.

Zentraler Service Point

Im 1. Obergeschoss findet sich die Damen-Abteilung: bekannte Casual- und Mainstream-Brands ergänzt durch eine Activewear-Fläche sowie eine ebenfalls deutlich erweiterte Loungewear/Homewear-Abteilung, beides wohl dem durch die Pandemie veränderten Konsumverhalten geschuldet. Eine weitere Neuheit ist der zentrale Service Point, u. a. für Abholungen von Online-Bestellungen oder Themen rund um die Kundenkarte. Nicht bis zur Eröffnung fertig wurde übrigens das neue Gastronomie-Konzept: Bis Sommer soll im 1. OG ein von P&C selbst betriebenes Café mit Blick auf die Mariahilfer Straße eröffnen.
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Trading-up

Im 2. OG findet sich nun die Damen-Konfektion samt der Premium-Flächen und der Cocktail-Abteilung, im 3. und zugleich obersten Geschoss die (Premium-)HAKA. Hier wie da fährt man mit der Rolltreppe genau auf die neue Boss-Fläche zu – eines der Highlights im immer noch sehr großen Angebot des Modehauses. Generell ist durch die neue Segmentierung des Angebots ein leichtes Trading-up zu bemerken, wie Sebastian Jänisch bestätigt. "Neu im Angebot haben wir nun zum Beispiel Emporio Armani oder Versace Couture", die Edelmarke Zegna sei aber weiterhin dem Haus in der Kärntner Straße vorbehalten. Auf die eher avantgardistischen Kundinnen und Kunden wiederum schielt man mit dem sogenannten "Cage"-Konzept und Marken wie Wood Wood, Iceberg und Daniele Alessandrini.

Dass man sich mit dem Umbau und dem Trading-up in gewisser Weise auch schon auf die Eröffnung des Wiener KaDeWe-Hauses im Jahr 2024 vorbereitet hat, will Jänisch nicht bestreiten. "Wir erwarten uns durch so einen prominenten Mitstreiter eine Aufwertung der Lage und auch zusätzliche Frequenz."



Dieser Text erschien zuerst auf www.textilzeitung.at.

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