Wilhelm-Lorch-Stiftung / Die Preisträger 2021

Die Ökonomen

Thomas Fedra
Aus der Arbeit von Christin Jarchow
Aus der Arbeit von Christin Jarchow

Ein ausgezeichneter Jahrgang: 70.000 Euro schüttet die Wilhelm-Lorch-Stiftung in diesem Jahr aus. Neun junge Frauen und Männer werden für ihre Abschlussarbeiten ausgezeichnet, drei Preise werden im Bereich Aus- und Weiterbildung im Einzelhandel vergeben. Zudem fördert die Stiftung ein Projekt der Hochschule Trier. In den kommenden Tagen stellen wir alle Preisträger vor. Heute: die drei Gewinner aus dem Bereich Wirtschaft.

In der Kategorie Wirtschaft werden drei Preise vergeben. Johanna Diederichs zeigt die Notwendigkeit rechtlicher Umwelt-Vorgaben auf. Christin Jarchow beleuchtet die rapide Modernisierung der chinesischen Bekleidung-Industrie. Lou Walker hat in ihrer Masterarbeit für Schöffel ein System zur Lieferanten-Bewertung entwickelt.

Johanna Diederichs: "Nachhaltigkeit braucht Regeln und Gesetze"

Zwei entscheidende Dinge wurden Johanna Diederichs in die Wiege gelegt: die Begeisterung für die Modebranche und die doppelte Staatsbürgerschaft. Letztere verdankt sie der Tatsache, dass sie in Boston geboren wurde, weil ihre Eltern damals dort arbeiteten. So bekam sie neben dem deutschen Pass auch den der USA. Aufgewachsen ist die heute 22-Jährige allerdings in Berlin. Die Affinität zu den Vereinigten Staaten blieb eine Konstante in ihrem Leben. Wie ihre Schwester ging sie auf eine deutsch-amerikanische Schule und machte dort neben dem Abitur auch den Highschool-Abschluss.

Johanna Diederichs
Johanna Diederichs
Dass sie schon früh großes Interesse an der Modebranche entwickelte, lag an ihrer Mutter. Die arbeitet als Exportleiterin bei einem deutschen Damenmode-Hersteller und nahm die Tochter schon früh mit auf Messen. In der elften Klasse nahm Johanna Diederichs an einem Schnuppertag der LDT in Nagold teil – und wusste sofort: Dort will ich studieren. Nach dem Abitur sammelte sie jedoch erst einmal ein wenig Lebenserfahrung. Sie ging zunächst für ein halbes Jahr nach Santiago de Chile und machte dann mehrere Praktika, unter anderem bei EY, Oberpollinger und Herrlicher.

Im August 2018 begann sie ihr Studium an der LDT. In ihrer Abschlussarbeit, für die sie nun ausgezeichnet wird, beschäftigt sie sich intensiv mit Nachhaltigkeit. Sie zeigt dabei auf, dass Appelle an die Unternehmen und an die Konsumenten nicht ausreichen. "Nachhaltigkeit braucht zudem klare Regeln und Gesetze", sagt sie. Auch in ihrem Bachelor-Studium ("Global environmental and sustainability studies") an der Leuphana-Universität in Lüneburg, das sie derzeit absolviert, beschäftigt sich Diederichs mit dem Thema. Das Preisgeld will die leidenschaftliche Hobby-Köchin für das Studium nutzen, eventuell für die Finanzierung von Auslands-Praktika.

Christin Jarchow: Hightech-Mode aus dem Reich der Mitte

China ist schon lange nicht mehr die verlängerte Werkbank des Westens mit Fokus auf Basics und Massenware. Von der politischen Führung forciert, ist die Bekleidungsindustrie des Landes mittlerweile technologisch auf höchstem Stand und in der Lage, hochwertige und topmodische Ware zu liefern. Das zeigt Christin Jarchow eindrucksvoll in ihrer Bachelorarbeit, die sie im Rahmen ihres Studiums "Mode- und Design-Management" an der AMD Berlin geschrieben hat. "In Sachen Technologie und Digitalisierung in der Bekleidungsindustrie ist uns China heute sogar schon einen Schritt voraus", sagt die 24-Jährige. Geboren und aufgewachsen ist Christin Jarchow in Berlin. Die letzten Schuljahre verbrachte sie jedoch in einer Internationalen Schule in St. Legier am Genfer See. Dort machte sie ihren Abschluss im Jahr 2015. Als Schwerpunkte hatte sie die Fächer "Economics" und "Visual Arts" gewählt. "Weil mich sowohl das Thema Wirtschaft als auch der Bereich Kunst und Design sehr interessieren, gefällt mir die Modebranche so gut", sagt sie heute.

Christin Jarchow
Christin Jarchow
Nach dem Schulabschluss ging sie zurück in ihre Heimatstadt. Bevor sie das Studium an der AMD aufnahm, sammelte sie erste Berufserfahrung in der Branche als Teilzeit-Verkäuferin bei Peek & Cloppenburg. Das Studium schloss sie im Februar 2020 ab. Das Thema China beschäftigt sie jedoch weiterhin. Derzeit arbeitet Jarchow als Projekt-Managerin für das "Cooperation Network Berlin and China". Das vom Berliner Senat und der EU geförderte Projekt soll Firmen aus der deutschen Hauptstadt, die sich mit Digitalem Design und mit Grünen Technologien beschäftigen, die Möglichkeit bieten, sich mit chinesischen Partnern zu vernetzen.
Mehr zum Thema
WLS-Stiftung Preisträgerinnen und Preisträger 2019 Überblick
TW
Drei Jahrzehnte Wilhelm-Lorch-Stiftung

333 Preisträgerinnen und Preisträger

Beim 30. Forum der TextilWirtschaft, im Juni 1988, stellten Geschäftsführer und Gesellschafter des Deutschen Fachverlages der Branche die Wilhelm-Lorch-Stiftung vor. Benannt nach dem 1966 verstorbenen Gründer des Verlages und der TextilWirtschaft soll die Stiftung Berufsbildung, Wissenschaft und Forschung in der Modebranche fördern. Ein Jahr später, 1989, wurden die ersten Preisträgerinnen und Preisträger ausgezeichnet, über die Jahre folgten ihnen mehr als 300 weitere.

Nach dem Abschluss des Projekts, wahrscheinlich im Sommer nächsten Jahres, möchte Christin Jarchow dann mit dem Master-Studium beginnen. Bei der Suche nach der geeigneten Hochschule schaut sie auch nach Asien. Obwohl sie sich in ihrer Bachelorarbeit so fundiert mit China beschäftigt hat, war sie selbst bisher noch nie dort. Das möchte sie auf jeden Fall ändern. Deshalb büffelt sie derzeit schon fleißig Mandarin.

Lou Walker: "Es macht Spaß, über Strukturen nachzudenken"

Den Nachnamen verdankt sie ihrem schottischen Großvater, aber abgesehen davon ist Lou Walker durch und durch Berlinerin. Sie ist in Prenzlauer Berg aufgewachsen und hat sowohl ihren Bachelor als auch ihren Master an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Berlin absolviert. "Für Mode und die Bekleidungsbranche habe ich mich schon während meiner Schulzeit sehr interessiert", sagt die 26-Jährige. Und so absolvierte sie nach dem Abitur erst einmal ein Praktikum bei dem Berliner Casualwear-Label Starstyling. Dort gefiel es ihr so gut, dass sie während ihrer gesamten Studienzeit weiter bei dem Unternehmen jobbte.

Lou Walker
Lou Walker
Während des Praktikums merkte sie auch, dass ihr die organisatorischen und technischen Aspekte der Branche noch mehr liegen als die Kreation. "Eine Zeit lang hatte ich mir auch vorstellen können, Modedesign zu studieren. Doch dann wurde mir klar, dass meine Stärken eher in den Bereichen Wirtschaft und Technik liegen." Deshalb entschied sie sich für das Studium der Bekleidungstechnik an der HTW. In ihrer Bachelor-Arbeit entwickelte sie ein Baukasten-System für ein Berliner Kindermode-Label. Um ihre Masterarbeit zu schreiben, ging sie nach Schwabmünchen. Für Schöffel entwickelte sie ein System zur Bewertung der Konfektions-Lieferanten. Damit überzeugte sie die Verantwortlichen der Sportmode-Marke so sehr, dass die ihr gleich auch noch den Auftrag gaben, für die Stoff-Lieferanten ebenfalls ein solches System zu entwickeln. Eine Aufgabe, die sie sehr gern erledigt hat. "Es macht mir Spaß, über Strukturen nachzudenken."

Derzeit arbeitet Lou Walker bei dem Lebensmittel-Unternehmen "Unverpackt für alle". Zusammen mit einem Freund hatte sie das Crowdfunding für dieses Start-up auf die Beine gestellt. Außerdem hat sie ein weiteres Studium begonnen. Wirtschafts-Informatik, wieder an der HTW. Dafür möchte sie auch das Preisgeld einsetzen. Ihre berufliche Zukunft sieht Lou Walker in der Bekleidungsbranche. "Das ist mein Herzensprojekt."
stats