Wirbel um Ladenschließungen

Jetzt also doch: Geschäfte in NRW müssen schließen

Land NRW
NRW-Ministerpräsident Armin Laschet
NRW-Ministerpräsident Armin Laschet

Doch kein Alleingang Nordrhein-Westfalens: Auch in Deutschlands bevölkerungsreichstem Bundesland sollen die Geschäfte geschlossen bleiben – und zwar ab dem heutigen Mittwoch. Das geht aus einer Veröffentlichung des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf vom späten Dienstagabend hervor. 


Noch am frühen Abend hatte ein Erlass, den das Ministerium veröffentlicht hatte, für Überraschung gesorgt. Dieser war aufgrund fehlender anderslautender Hinweise als Freibrief für den Weiterbetrieb der Geschäfte aufgefasst worden – unter anderem auch vom HDE.

"... sind zu schließen"

In einer im Laufe des gestrigen Abends verfassten Fortschreibung des Erlasses findet sich nun aber doch eine ergänzte Passage: „Alle anderen Verkaufsstellen des Einzelhandels sind ab dem 18.03.2020 zu schließen.“

Ausgeschlossen von der Schließung werden weiterhin der Einzelhandel für Lebensmittel, Wochenmärkte, Abhol- und Lieferdienste, Getränkemärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Tankstellen, Banken und Sparkassen, Poststellen, Frisöre, Reinigungen, Waschsalons, der Zeitungsverkauf, Bau-, Garten- und Tierbedarfsmärkte und der Großhandel.

"Sehr überrascht"

Die Verwirrung bei vielen Modehändlern in NRW war nach dem Hin ud Her ebenso groß wie der Ärger. Denn mancher Mitarbeiter war am Mittwochmorgen im Laden erschienen in der Erwartung, dass man öffnen werde.

"Wir waren am Dienstagabend sehr überrascht davon, dass NRW von der Bundeslinie abweichen wolle. Wir hatten mit einem Öffnungsverbot auch bei uns gerechnet", erklärte Peter Achten, Hauptgeschäftsführer des HDE NRW, der TW. Er habe sich im Ministerium am Dienstagabend sogar noch einmal vergewissert, ob er den Erlass richtig verstanden habe. Unter anderem per Homepage wurden am Abend die Mitglieder informiert, dass es kein Öffnungsverbot gebe.

Gegen 23 Uhr dann musste der HDE seinen NRW-Mitgliedern jedoch mitteilen, dass sie nun doch nicht öffnen dürfen, wie eine kurz zuvor veröffentliche "Fortschreibung des Erlasses" klarstellte.

"Einen Kommentar zur Politik spare ich mir, der wäre nicht druckfähig", erklärt Sinn-Chef Friedrich Wilhelm Göbel.

"Kopfschütteln und Unverständnis"

"Kopfschütteln und Unverständnis über die Landesregierung NRW" registrierte die Bielefelder EK Servicegroup bei ihren Mitgliedsunternehmen: "Viele sind ziemlich genervt und fühlen sich jetzt benachteiligt, weil sie noch keine Kurzarbeit beantragt haben" für diesen Mittwoch - man habe ja erwartet öffnen zu dürfen. Immerhin seien Händler ausserhalb NRWs froh, dass es jetzt keinen Shopping-Tourismus in das Bundesland geben werde.

"Wir haben in den Filialen ausreichend Arbeit", sagt Göbel und nennt als Beispiele das Abarbeiten von Wareneingängen und Ausgängen, die Bewachung der Läden oder die Vorbereitung der Wiedereröffnung. "Die Basiscrew", so der Sinn-Chef, "ist beschäftigt". Die für Donnerstag geplante Eröffnung der neuen Sinn-Filiale in Unna hat sich mit der Konkretisierung des Minister-Erlasses selbstverständlich erledigt.

"Salto rückwärts"

Auch die die Mitarbeiter der EK-Mitglieder gäbe es am Mittwoch noch genug zu tun, heißt es in Bielefeld: "Sie sind für heute ja eh bezahlt und im Geschäft, weil kaum ein Händler den Salto rückwärts über Nacht mitbekommen hat."

So ging es auch dem Geschäftsführer eines in NRW ansässigen Herstellerunternehmens mit großer Verbreitung bei Wholesale-Händlern. "Wann kam denn diese Änderung? Ich habe das erst heute morgen im Radio gehört."

Eine Stellungnahme des Arbeitsministeriums in Düsseldorf steht noch aus.



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