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Marc Cain

Dreidimensional im Design

Marc Cain
Alena Glimpel ist Teamleader 3D-Mode-Development bei Marc Cain.
Alena Glimpel ist Teamleader 3D-Mode-Development bei Marc Cain.

Berufe in Mode: Die Branche ist im Wandel und mit ihr die Berufsbilder. Die TW stellt in loser Folge Jobs und ihre Protagonisten vor.  Alena Glimpel ist Teamleader 3D-Mode-Development bei Marc Cain.

Am Anfang waren alle skeptisch, erinnert sich Alena Glimpel. Als sie vor drei Jahren nach Bodelshausen kam, hatte sie es ziemlich schwer, die Designer bei Marc Cain von der neuen 3-D-Technik zu überzeugen. Sie hatte gerade ihren Abschluss als Design-Ingenieurin von der Hochschule Niederrhein in der Tasche und als eine der ersten Studentinnen dort ihre Bachelor-Kollektion mit 3-D-Schnitttechnik entworfen. Parallel schaute sie sich um, wer das im Mode-Markt schon nutzt. Das waren nicht viele, sagt sie. Und dann stieß sie im Januar 2016 auf die Stellenausschreibung von Marc Cain. Gesucht wird ein 3-D-Produktentwickler Design, hieß es da.

Arbeit mit der Design-Software Clo3D 

Glimpel bekam sofort eine Zusage, auch weil es kaum andere Bewerber gab. Ihre erste Aufgabe hieß: "Implementieren Sie 3-D in die Produktentwicklung. Ersetzen Sie die Papiermodelle durch 3-D-Visualisierungen". Wie auch schon an der Uni arbeitete sie mit der Design-Software Clo3D.

Anfangs gab es viele Ausreden, erinnert sie sich. Einige Designer fanden den Avatar zu dick oder nicht schön genug. Andere Schnittmacher achteten auf jeden Millimeter, kritisierten, wenn eine Teilungsnaht nicht ganz gerade war. Da musste die 31-Jährige viel Überzeugungsarbeit leisten. Mit viel Feingefühl. "Ich musste erst einmal Vertrauen aufbauen, weil die meisten Designer ja von Haus aus lieber mit der Hand zeichnen und basteln. Aber die Digitalisierung ist auch im Design nicht mehr wegzudenken. Und meine Kollegen haben schnell gemerkt, wie viele Erleichterungen ihnen das Entwerfen und Schnitterstellen am Computer bringt", sagt sie. Und welche wären das?

Austausch auf Knopfdruck 

Die Vorteile sprudeln nur so aus ihr heraus: "Schneller, effizienter, flexibler." Beispiel Bluse. "Nach dem Baukasten-Prinzip können Ärmel und Kragen, Stoffmuster und Farben, Falten und Volants auf Knopfdruck ausgetauscht und ausprobiert werden", sagt Glimpel. Dabei kann auf die große Design-Datenbank bei Marc Cain zugegriffen werden, die sie nebenbei digitalisiert. Es sind keine großen Absprachen zwischen Designer und Schnitttechniker nötig und kaum noch Missverständnisse möglich. Ein Entwurf geht nicht mehr durch drei Hände, das Modell ist wie auf einer Fotografie zu sehen und kann von allen Seiten begutachtet werden. Lediglich wegen der Haptik wird noch ein Musterteil gebraucht.

Derzeit laufen Schulungen

Anfangs war Glimpel der Chefin der Schnittabteilung unterstellt. Seit einem Jahr hat sie ihr eigenes vierköpfiges Team, ihre eigene Abteilung zwischen Schnitt und Design. Derzeit laufen die Schulungen. Auch das ist Glimpels Aufgabe. Ein Tag Grundausbildung, dann wird zwei Wochen in der Praxis an den Feinheiten gearbeitet. In fünf Jahren soll alles umgestellt sein. Dann wird die Technik schon wieder so weit fortgeschritten sein, dass sie mit den Updates anfangen kann.
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