Working in Fashion 2022: Adidas-Managerin Marina Moguš im Gespräch

"Wir können durch Sport Leben verändern"

Adidas
Marina Moguš ist seit Juli 2021 General Manager Central Europe Adidas. Sie schwärmt von der besonderen Kultur und den emotionalen Events.
Marina Moguš ist seit Juli 2021 General Manager Central Europe Adidas. Sie schwärmt von der besonderen Kultur und den emotionalen Events.

Die Mitarbeiter haben gewählt: Insgesamt 6855 Beschäftigte haben in der "Working in Fashion-Studie 2022" die 40 größten Modefirmen in zehn Kategorien bewertet. Adidas ist erneut auf Platz eins im Ranking des Gesamtimages. Marina Moguš, General Manager Central Europe des Herzogenauracher Sportartikelherstellers, über das besondere Teamgefühl, Sicherheit auch in schwierigen Zeiten und das Potenzial in der Kategorie "Soziale Verantwortung".

Adidas steht seit 2012 ohne Unterbrechung auf Platz Eins unserer Working in Fashion-Studie. Was macht Adidas in der Personalarbeit anders als andere?
Marina Moguš:
Wir legen sehr viel Wert darauf, ein attraktives Arbeitsumfeld für unsere Mitarbeiter zu schaffen.  Umso mehr freue ich mich über diese Auszeichnung. Für mich persönlich sind es unsere Mitarbeiter und unser einzigartiger Campus, die den Unterschied machen. Das Durchschnittsalter der Beschäftigten liegt bei 32 Jahren. Dazu kommen die Internationalität und der wenig formelle Umgang und das Teamgefühl.

Was bieten Sie Ihren Mitarbeitern für dieses besondere Teamgefühl?
Wir bieten unseren Mitarbeitern zahlreiche Sportmöglichkeiten wie ein Fitnessstudio, ein Fußballplatz, Tennis-, Basketball- oder Padelplätze und seit diesem Jahr auch ein Sportschwimmbecken. Und es ist eben auch akzeptiert, dass der Sport zum Arbeitsalltag gehört. Das ist nicht überall so. Auf unserem Campus wird es entsprechend nie langweilig. Als Sportunternehmen arbeiten wir nicht nur eng mit Athleten zusammen, sondern haben auch Kooperationen mit internationalen Stars wie Beyoncé oder Pharrell Williams, um nur einige zu nennen. Nicht nur für mich persönlich sind die Besuche der Sportler oder Stars ein Highlight. Im Sommer hat zum Beispiel der DFB mit der Frauen- und der Männer-Fußballnationalmannschaft sein Trainingslager auf unserem Campus abgehalten. Das gibt es sonst nirgendwo.

Erstmals auf Rang Eins sind Sie in der Kategorie „Sichere Arbeitsplätze“. Wie kommunizieren Sie bspw. die derzeitigen Unruhen mit dem überraschenden Wechsel in der Unternehmensführung, den Lieferengpässen und Umsatzeinbrüchen in China?
Wir haben auch in den schwierigsten Phasen der Pandemie alles daran gesetzt, die Arbeitsplätze zu erhalten. Das ist uns auch gelungen. Und zusätzlich haben wir schnell reagiert und Lösungen gefunden, um ein flexibles Arbeiten in der Pandemie unkompliziert zu ermöglichen und damit auf die Bedürfnisse der Beschäftigten einzugehen. Ich denke, das haben viele Mitarbeiter honoriert und gesehen, dass wir uns als Unternehmen wirklich sehr um die Beschäftigten bemühen.

In der Kategorie „Mobiles Arbeiten“ steht Adidas auf Rang Sechs. Wie sehen Ihre New Work-Konzepte aus?
Wir hatten bei Adidas schon vor der Pandemie ein flexibles Arbeitskonzept, im Rahmen dessen Beschäftigte einen gewissen Anteil ihrer Arbeitszeit außerhalb des Campus verbringen konnten. Wir haben diese Flexibilität jetzt noch weiter erhöht, so dass man noch mehr Tage von zuhause arbeiten kann. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, bis zu zehn Arbeitstage pro Jahr auch außerhalb des Beschäftigungslandes zu verbringen. Unsere Mitarbeiter*innen können diese am Stück nehmen oder in kürzeren Zeiträumen flexibel aufteilen.

Wird es noch flexibler?
Ja, wir sind hier mit der Entwicklung sicher noch nicht am Ende. Für uns wird es in Zukunft darum gehen, flexible Arbeitsmodelle anzubieten, die einerseits den Bedürfnissen der Mitarbeiter entsprechen, damit auch die Zukunft des Arbeitens abbilden, und gleichzeitig den Teamspirit zu erhalten. 

Die schlechteste Platzierung erreichen Sie mit Rang Acht in der für Mitarbeiter immer wichtiger werdenden Kategorie „Soziale Verantwortung“? Tut Adidas zu wenig in diesem Bereich oder reden Sie zu wenig darüber?
Wir sind davon überzeugt, dass wir durch Sport Leben verändern können. Das ist unser Unternehmenszweck, den wir in vielen Belangen leben. Als Unternehmen machen wir sehr viel, zum Beispiel arbeiten wir durch gemeinnützige Spenden, Freiwilligenarbeit und Wissensaustausch Hand in Hand mit lokalen Organisationen in wichtigen Städten, an wichtigen Beschaffungsstandorten und in wichtigen Märkten. Nothilfe ist eine zusätzliche soziale und humanitäre Komponente unseres Engagements, und in unserer Branche sind wir als Unternehmen dieser Größe Vorreiter, was das Thema Nachhaltigkeit angeht. Gleichzeitig ist aber auch der Anspruch an uns hoch. Wir sind eine bekannte Marke. Unsere Beschäftigten erwarten viel von uns, treiben aber diese Bemühungen auch voran und engagieren sich immens. Das ist ja gut so. 

Jeder zweite Mitarbeiter gibt bei der allgemeinen Befragung an, er erfahre nicht genug Wertschätzung in seinem Unternehmen. Wie zeigen Sie Ihren Beschäftigten immer wieder Ihre besondere Wertschätzung?
Manchmal braucht es nicht viel und schon kleine Gesten machen einen großen Unterschied. Das versuche ich zu berücksichtigen und mir auch die Zeit dafür zu nehmen. Die Pandemie hat allen viel abverlangt, beruflich und privat. Ich kann verstehen, dass man dann auch mal hören will, dass es wichtig war, was man beigetragen hat. Auch im Unternehmen insgesamt beschäftigen wir uns mit den Themen Wertschätzung und Eigenverantwortung, auch welche Werte wir wie als Führungskräfte leben, um genau diese Themen zu stärken, damit die Mitarbeiter den Spaß an der Arbeit nicht verlieren.

 

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