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Frau Wulff und die Branche

Kostenlose Kleider, geschenkte Roben und ganz großer Auftritt zum Nulltarif? Im Zuge der Kredit- und Medienaffäre um Bundespräsident Christian Wulff gerät auch die Modebranche in die Schlagzeilen: Hat Bettina Wulff die prächtigen Outfits bezahlt, die sie bei offiziellen Anlässen trägt? Ist das reich bestickte Abendkleid, in dem sie königinnengleich Anfang Dezember in Oman aufgetreten ist, ein Geschenk von Basler? Sind die charmanten Tages-Ensembles Leihgaben von Rena Lange? Solche Fragen bewegen zurzeit die Öffentlichkeit.

Die Modebranche selbst diskutiert kontrovers. Zum konkreten Fall um Bettina Wulff geben sowohl Basler als auch Rena Lange keine Stellungnahme ab.

Sehr wohl aber bekräftigt Brian Rennie, Kreativ-Chef bei Basler, „wie glücklich wir alle sein können über dieses attraktive Aushängeschild der Nation“: „Wollen wir eine moderne First Lady oder jemand total Biederes, der Deutschland repräsentiert?“

Auch Adrian Runhof von Talbot Runhof, deren Drapé-Kleider oft an Bettina Wulff zu sehen sind, sagt: „Wir sind über jede moderne, attraktive Erscheinung auf dem Berliner Parkett heilfroh.“ Ist die Kritik an Wulff nur typisch deutsche Korinthenkackerei?

„Die Amerikaner sind so stolz darauf, dass Michelle Obama Mode von Carolina Herrera, J. Crew und Michals Kors trägt – niemand fragt danach, ob und wie sie das bezahlt“, sagt Brian Rennie. Carla Bruni-
Sarkozy trägt Dior bei offiziellen Anlässen. Prinzessin Catherine (Kate Middleton) überwiegend britische Designer. Dabei wird alles vorkommen: kaufen, leihen, schenken.

Sorgt der Fall Bettina Wulff jetzt für verbrannte Erde?
„Die Politiker-Gattinnen sind vorsichtiger geworden, schon vor der Wulff-Debatte“, beobachtet Hans Christian Biedermann, Styling-Experte bei der Berliner Agentur Special Key, die prominente Werbepartner vermittelt. „Doch Bettina Wulff sorgt in jedem Falle für eine erhöhte Alarmbereitschaft.“

Dabei ist wahrscheinlich alles ganz harmlos: Talbot Runhof etwa hat einige Kleider an Bettina Wulff verkauft, andere gegen Leihgebühr abgegeben: „Etwas anderes wollte sie gar nicht“, so Runhof. Und beide Seiten haben kein Aufhebens drum gemacht: „Wir wollten einfach nur eine gut gekleidete First Lady. Punkt.“

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