Die Familie muss den zweiten Trauerfall in kurzer Zeit verkraften. Nur wenige Wochen nach dem Tod von Carlo Benetton ist nun auch Gilberto Benetton gestorben.

Italien trauert um Gilberto Benetton. Der Mitgründer des Bekleidungsfilialisten Benetton, der das Vermögen der Familie durch Investitionen in Straßen, Flughäfen, Telekommunikation und Finanzdienstleistungen mehrte, ist am Montag im Alter von 77 Jahren verstorben.

Die Benetton-Familie muss den zweiten Todesfall in kurzer Zeit verkraften. Im Juli war bereits Carlo Benetton verstorben. Gilberto und Carlo hatten zusammen mit ihren Geschwistern Giuliana und Luciano das gleichnamige Unternehmen in Treviso gegründet, das ab den 80er-Jahren zu Weltruhm gelangte.



Gilberto galt als der Finanzfachmann der Familie. Er sorgte dafür, dass die Familie ihr Geld auch fernab der Mode anlegte. Heute verwaltet die Familienholding Edizione insgesamt 12,8 Mrd. Euro. Sie ist beteiligt an dem Straßenbetreiber Atlantia, der Straßen und Flughäfen kontrolliert, der Raststättenkette Autogrill, dem Telekomausrüster Cellnex, dem Versicherungskonzern Generali und der Investmentbank Mediobanca. Zudem besitzen die Benettons größere Agrarflächen.

Den Grundstein für das weit gestreute Milliardenvermögen legte Gilberto Benetton in den 90er-Jahren. Damals bewarb sich Italien um die Mitgliedschaft in der Währungsunion. Um Schulden abzutragen, beschloss die Regierung in Rom, Staatsbeteiligungen zu veräußern. Versteigert wurde dabei auch das Straßennetz. Viele italienische Firmen hielten sich zurück. Nicht so die Benettons. „Wir wollten eigentlich einen Anteil von 4%. Am Ende wurden es 18%“, erinnerte sich Gilberto.

Der Unternehmer war zurückhaltend und gewährte nur wenige Interviews. Als die Benettons dafür kritisiert wurden, nach dem Zusammenbruch der Brücke Morandi in Genua, für die ein Tochterunternehmen von Atlantia zuständig war, mehrere Tage lang geschwiegen zu haben, wehrte er sich mit dem Satz: „Schweigen ist in unserer Gegend ein Zeichen des Respekts.“ Er hinterlässt seine Frau Lalla und seine zwei Töchter Barbara und Sabrina. Vermutet wird, dass Barbaras Ehemann, Ermanno Boffa, künftig die Aufgaben von Gilberto Benetton übernimmt.
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