Was macht eigentlich... Franz Koch?

"85 Millionen aktive Nutzer sind unsere Währung"

Onefootball
Heute ist Franz Koch COO bei Onefootball.
Heute ist Franz Koch COO bei Onefootball.

In der Branche ist Franz Koch vor allem als früherer Puma-Chef bekannt. Er rückte 2011 mit gerade einmal 32 Jahren als Wunschkandidat von Jochen Zeitz an die Spitze des Sportartikel-Konzerns. 2013 verließ Koch das Unternehmen, führte dann einige Jahre den Eyewear-Anbieter Mykita als CEO. Heute ist die Sportbranche wieder sein Spielfeld, seit zweieinhalb Jahren ist Koch als COO Teil des Management-Teams von Onefootball. One was?

Mit 85 Millionen aktiven Nutzern auf der ganzen Welt ist Onefootball eigenen Angaben zufolge die beliebteste digitale Medienplattform für junge Fußballfans. Der Startschuss fiel 2008 in Berlin, die App war eine der ersten 1000 Anwendungen im Apple-App Store.

TW: Die Sport-Branche lässt Sie offenbar nicht los. Warum der Einstieg bei Onefootball?
Franz Koch: Die Begeisterung für den Sport war immer da. Mykita ist ein tolles Unternehmen, aber die Branche war mir dann doch ein wenig zu technisch. Bei Onefootball hat dann alles gepasst: die Branche, der digitale Fokus mit Wachstumsperspektiven und der Standort Berlin. 

Das Geschäftsmodell von Puma ist recht simpel: Das Unternehmen verdient sein Geld mit dem Verkauf von Sportartikeln. Womit verdient Onefootball Geld?
Wir sind eine Fußball-Medienplattform mit einer Reichweite von monatlich 85 Millionen aktiven Nutzern. Das ist unsere Währung und mit dieser Reichweite sind wir schon ziemlich weit vorne. Darauf setzen wir mit unserem Geschäftsmodell auf. Unser Brot und Butter-Geschäft ist Media Advertising. Darüber hinaus gehen wir in D2C-Modelle, in einem ersten Schritt mit Streaming, d.h. dem Übertragen von Live-Spielen auf Pay-per-View Basis. 

Was macht Onefootball besser als andere Medienanbieter?
Wir sind auf dem Smartphone gestartet und hatten immer schon einen Fokus auf die jüngere Zielgruppe. Die bekommt bei uns alle Fußballinhalte kuratiert nach den persönlichen Interessen. Sprich, ich als HSV-Fan bekomme alles, was ich zu meinem Verein wissen möchte, in einer App. Das war eine wesentliche Weichenstellung unseres Gründers Lucas von Cranach, um das Produkt für die Nutzer möglichst relevant zu machen. Diese Relevanz lässt sich etwa an dem sehr hohen Anteil der Nutzer ablesen, die sich über Push-Notifications über Neuigkeiten bei ihrem Lieblingsverein informieren lässt, das sind mehr als 90%.

 

Die Begeisterung für Fashion und Lifestyle hat Sie offenbar auch nie losgelassen. War der Launch der Onefootball-Merch-Kollektion ein Herzensprojekt?
Ja, das kann man schon so sagen. Aber es ist vor allem ein tolles Element, um unsere Brand nach draußen zu tragen und zu aktivieren. Unsere Community interessiert sich für diese Art von Produkten. Schließlich geht es für jede Marke darum, erlebbar zu werden und da ist Fashion ein schönes Vehikel.

Sie kommen aus einer traditionsreichen Modehandels-Familie, Ihr Bruder Moritz Koch ist heute geschäftsführender Gesellschafter von Henschel in Darmstadt. Da gehörte die TW wahrscheinlich zum Familienalltag, oder?
Die TW ist in meiner Familie omnipräsent (lacht). Ich bin als Kind damit groß geworden. 

Wie viel Überwindung kostet es Sie als Sprößling einer alteingessenen Kaufmannsfamilie für ein Unternehmen zu arbeiten, das mit seinem Geschäftsmodell noch kein Geld verdient?
Diese Art der Entwicklung hat man bei anderen Plattform-Modellen auch gesehen. Facebook, Twitter, Spotify – die haben viele Jahre oder gar Jahrzehnte gebraucht, bis sie die kritische Masse erreicht und den Hebel zur Monetarisierung umgelegt haben. So betrachten wir unseren Case auch. Aber natürlich geht es langfristig auch für uns darum, daraus ein profitables Geschäftsmodell zu machen. 

Gibt es dafür einen Zeithorizont?
Nein. In dieser Phase konzentrieren wir uns auf Wachstum. Und das tragen auch alle Investoren mit. 

stats