Ziemlich pingelig. So beschreibt sich Carolin Bogotz selbst. Und das sei die beste Voraussetzung für ihren Job. Deshalb sei sie überhaupt zur Datenfetischistin geworden. "Schon an der Uni war ich bei den Präsentationen immer dafür verantwortlich, dass alle Namen und Bezeichnungen korrekt verwendet werden. Ich checke gern, das passt zu mir."

Deshalb checkt sie jetzt für C&A die Daten. Was sie über ihren Job erzählt, klingt ziemlich komplex und kompliziert. "Es geht darum, in Kooperation mit dem Business Prozesse zu optimieren und die Schnittstelle zur IT zu bilden", fasst sie zusammen. Was für Außenstehende nach trockener Mathematik klingt, ist für die 29-Jährige "hoch spannend".



Arbeit am Zertifikat für Nachhaltigkeit

Ein Beispiel sei das neue Zertifikat für Nachhaltigkeit, mit dem sie sich derzeit beschäftigt. Als Leiterin des Bereiches Master-Data-Management muss Bogotz dafür die Daten zusammenführen. Noch läuft die Arbeit hinter den Kulissen und ist somit nicht wirklich spruchreif. Aber demnächst will C&A ein Zertifikat für alle Produkte und Lieferanten einführen, das auf allen Kanälen – im Store und im Online-Shop – Transparenz für die Kunden bietet. Und zwar automatisiert. "Dazu sitze ich derzeit mit den Business-Analysten zusammen, um zu entscheiden, wie das technisch umsetzbar ist."

Für Bogotz sind Daten das wichtigste. Es gibt für sie aktuell drei Bereiche, die sie zusammenführen muss: Das Produkt – die Einkaufsteams für den POS und den Online-Shop. Die Lieferanten – vom Sourcing-Team bis zu den Logistikern. Die Location - die Master-Daten aus den Stores, den Warenhäusern und dem Headquarter. Noch Fragen?

Von der Kutsche zum Rennwagen

Noch ein Beispiel: Die Anfang des Jahres gestartete Einführung von Product-Lifecycle-Management (PLM). Bogotz vergleicht es mit dem Wandel der Mobilität. Als sie Anfang 2016 zu C&A kam, fuhren die noch mit der Kutsche. Es gab noch kein PLM, noch keinen "klaren  Blick auf die Produktionskette auf das Produkt", erklärt sie. Anfang 2018 wurde bei C&A das Auto eingeführt: Alle Master-Daten wurden erfasst, alle Anwender involviert, jedes T-Shirt mit all seinen bis zu über 50 Attributen von der Farbe bis zur Ärmellänge in die Datenbank eingepflegt. Und jetzt will sie aus dem Auto einen Rennwagen machen, indem sie ein Master-Data-Government-Team aufbaut. Das heißt, eine Überwachung, dass alle Daten in der gesamten Lieferkette von Anfang an korrekt erfasst und dann Schritt für Schritt weiter aktualisiert werden. Bis am Ende das Nachhaltigkeitszertifikat steht.

Detaillierte Beschreibungen bis hin zum Online-Shop

Wie als Studentin bei ihren Projektarbeiten an der RWTH Aachen, wo sie BWL mit einem Master im Supply Chain Management studiert hat, überprüft sie nun die Daten in der Lieferkette von C&A. "Aber dafür müssen zunächst alle Beteiligten sensibilisiert und motiviert werden, ständig alle Daten einzupflegen. Denn nur so funktioniert das System".

Sie erklärt jetzt zunächst, wer zu welchem Zeitpunkt welche Daten liefern muss. Und warum. Das ist viel Überzeugungsarbeit. Denn zunächst einmal bedeutet das für alle Mehrarbeit. "Aber wenn alle verstehen, dass ihre detaillierten Beschreibungen dann letztlich dazu führen, dass beispielsweise alle Attribute am Ende im Webshop korrekt auftauchen, werden sie merken, dass es am Ende eine Arbeitserleichterung bedeutet." Selbst bei der Einfuhr – wenn alle Daten schon von Anfang an zollrelevant eingepflegt werden.

Kreatives mit dem Analytischen verbinden

Im ersten Schritt werden die Prozesse und Daten digital erfasst. In einem zweiten Schritt wird die Datenqualität kontrolliert. Bei einer Jeans beispielsweise heißt das, die Größe, die Länge, die Waschung, die Details wie Applikationen nach gewissen Attributen einzugeben. Derzeit läuft die Kontrolle noch händisch.
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Eine Automatisierung der Prozesse sei nötig, weil C&A die Produkte, die früher bei Lieferanten gekauft wurden, immer mehr in Eigenregie entwickelt. Und dieser Prozess sei nie abgeschlossen, sagt sie. "Das ist eine langfristige Umstellung der Prozesse. Dabei wird das lineare Arbeiten vom vernetzten Arbeiten abgelöst", erklärt die Datenfrau. Ihre Aufgabe sei dabei letztlich, die Welten miteinander zu verbinden. Die Designer und Produktleute mit den Technikern, mit der IT. Das Kreative mit dem Analytischen.
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