Working in Fashion 2021: Adidas-Deutschlandchefin Marina Moguš im Gespräch

"Adidas ist als Arbeitgeber einzigartig"

Adidas
Marina Moguš ist erst seit Juli neue Deutschlandchefin von Adidas. Dass sie die Fragen zur Personalarbeit selbst beantwortet, zeigt, wie wichtig der Finanzexpertin das HR-Ressort ist.
Marina Moguš ist erst seit Juli neue Deutschlandchefin von Adidas. Dass sie die Fragen zur Personalarbeit selbst beantwortet, zeigt, wie wichtig der Finanzexpertin das HR-Ressort ist.

Seit 2012 ist Adidas die Nummer eins der TW-Mitarbeiterstudie "Working in Fashion". Der Sportartikel-Konzern hat schon zwei Jahre nach der ersten Studie 2010, die Otto Group überholt und hält sich seitdem unangefochten an der Spitze. Für Marina Moguš, General Manager Central Europe Adidas, liegen die Gründe dafür auf der Hand.

TextilWirtschaft: Adidas ist seit Jahren die Nummer eins in der Working in Fashion-Studie. Was machen Sie in der Personalarbeit anders als andere?
Marina Moguš:
Ich freue mich sehr über diese Auszeichnung. Ich bin ganz persönlich davon überzeugt, dass Adidas als Arbeitgeber einzigartig ist. Ich denke, es gibt in Deutschland kein zweites Unternehmen, dass so jung und international ist. Das Durchschnittsalter liegt weltweit bei 32 Jahren und allein an unserem Unternehmenssitz hier in Herzogenaurach arbeiten Mitarbeiter aus mehr als 100 Nationen. Dazu kommt ein einzigartiges Arbeitsumfeld.

Können Sie einige Beispiele nennen – was ist im Headquarter in Herzogenaurach so einzigartig?

Unser Sportcampus lässt keinen Wunsch offen und hat vom Fitnessstudio, mehreren Fußballplätzen, einem Tennis- und Beachvolleyballplatz bis zu einer Kletteranlage alles zu bieten. In unseren Büros setzen wir ein modernes Arbeitsplatzkonzept um, das offene, kommunikative Bereiche für den spontanen Austausch mit verschiedenen Rückzugsmöglichkeiten für konzentrierte Tätigkeiten und Besprechungen verbindet. So arbeiten wir bereits seit 2019.

Mittlerweile wird dieses Arbeitsplatzkonzept weltweit an allen unseren großen Standorten umgesetzt. Zudem wird es auf unserem Campus nie langweilig. Der Besuch von Sportlern ist immer ein Gänsehautmoment, für mich bleibt zum Beispiel der Besuch von Steffi Graf oder Basketballer James Harden unvergessen. Auch der Aufenthalt der deutschen Fußballnationalmannschaft, die während der Europameisterschaft diesen Sommer auf unserem Campus trainiert und übernachtet hat, gehört zu diesen Erlebnissen. Das gibt es sonst nirgendwo.

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Die schlechteste Platzierung erreichen Sie dieses Jahr mit Rang 5 in der erstmals abgefragten Kategorie "Möglichkeit des mobilen Arbeitens", das Ihnen 49% attestieren. Was bieten Sie hier an?
Der Anspruch an Arbeitgeber und den Arbeitsplatz hat sich in den letzten zwei Jahren verändert. Die Mitarbeiter*innen wünschen sich mehr Flexibilität. Wir sehen aber auch, wie wichtig das Miteinander ist. Unsere Aufgabe, und damit sind wir nicht allein, ist es, die richtige Mischung zu finden. Ich erlebe bei Adidas ein hohes Maß an Flexibilität. Natürlich gibt es mobiles Arbeiten, das gab es auch schon vor der Pandemie. Wir konnten 20% der Arbeitszeit außerhalb des Campus arbeiten. Dazu gehört auch, den Arbeitstag flexibel gestalten zu können und auch mal eine Sporteinheit zwischen Terminen einzuschieben. Das wird von unseren Mitarbeiter*innen gern und oft genutzt und hilft, kreativ zu sein oder mal ein Motivationsloch zu überbrücken. Das ist und bleibt ganz wichtig für unsere Unternehmenskultur.
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Wie sah es während der Lockdowns aus?
Während der Pandemie haben wir schnell reagiert und komplette Flexibilität angeboten. Phasenweise haben mehr als 90% unserer Belegschaft aus dem Homeoffice gearbeitet; aktuell gelten immer noch Sonderregelungen. Und ich kann mir gut vorstellen, dass wir nach Corona dauerhaft mehr flexibles Arbeiten anbieten werden als davor.

Wie wirkt sich die anhaltende Corona-Krise insgesamt auf die Personalarbeit aus?
Die Sicherheit und der Schutz unserer Mitarbeiter hat für uns höchste Priorität und auch während der Lockdowns war es uns sehr wichtig, Arbeitsplätze zu erhalten. Als Unternehmen profitieren wir von Trends, die durch die Pandemie weiter beschleunigt wurden. Immer mehr Menschen ziehen sich sportlich an, bewegen sich mehr und treiben Sport, um fit und gesund zu bleiben. Das sehen wir aktuell bei den offenen Positionen.

Working in Fashion 2021: Die Top 10-Arbeitgeber

In welchen Bereichen suchen Sie neue Mitarbeiter?
Vor allem in den Bereichen Digital und Tech schaffen wir in diesem und im nächsten Jahr rund 2.000 neue Stellen, im Bereich Nachhaltigkeit verdoppeln wir in diesem Jahr die Stellen auf mehr als 200. Aktuell sind insgesamt etwa 2.600 offene Stellen ausgeschrieben, davon allein etwa 600 in Deutschland.
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Inwieweit erschwert die Krise die Mitarbeitersuche?
Weltweit erhalten wir im Jahr mehr als eine Million Bewerbungen. Viele dieser Bewerbungsprozesse haben in den vergangenen Monaten vollkommen digital stattgefunden. Das hat gut funktioniert, auch weil wir viele Teile des Bewerbungsprozesses schon länger digital durchführen. Das persönliche Vorstellungsgespräch und Kennenlernen ersetzt das auf lange Sicht aber nicht. Insofern freuen wir uns, dass der erste Arbeitstag und das Onboarding mittlerweile wieder auf unserem Campus stattfinden kann.

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Die TW-Bühne "Working in Fashion" mit näheren Informationen zur gleichnamigen Studie sowie weitere Interviews mit Personalverantwortlichen in der Modebranche

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